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18. Oktober 2008
Viele Infos für Existenzgründer
Wirtschaftsminister Pfister fordert eine neue "Gründerkultur".
Eine Frischzellenkur empfiehlt Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister der Volkswirtschaft in seinem Land. Und erhofft sich die verjüngenden Momente hauptsächlich von Menschen, die den Sprung in die Selbstständigkeit wagen. Mit seinem Appell stieß er gestern auf offene Ohren – Pfister sprach beim fünften Freiburger Gründertag, einer Veranstaltung in den Freiburger Messehallen, die sich an jene wendet, die ein Unternehmen neu gründen oder eine Nachfolge antreten wollen. Leute also, die schon längst beschlossen haben, mutig zu sein und sich in den Bürokratie-Wahnsinn zu stürzen, den in Deutschland eine Selbstständigkeit mit sich bringt.
Auch wenn die Rahmenbedingungen im Land und insbesondere in der Wirtschaftsregion Freiburg gut sind: Die Zahl der Existenzgründer geht zurück. "Wir brauchen eine neue Gründerkultur", forderte Pfister. Stichwort Erbschaftssteuer, Stichwort Kreditgewährung. Bernd Dallmann, Geschäftsführer der "Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe", stieß ins gleiche Horn. "Die Stellung des Unternehmers unserer Gesellschaft ist nicht die beste. Viele gehen lieber zu Siemens oder zum Staat, statt sich selbstständig zu machen – das ist bedauerlich", sagte Dallmann. Drei Gruppen sind es, die Dallmann zufolge aktuell besonderer Unterstützung bei der Existenzgründung bedürfen: Zum einen Frauen, deren Neugründungen laut Statistik eine längere Überlebensdauer haben als die Start-Ups von Männern. Dallmann weise: "Frauen unterschätzen sich so oft, wie Männer ihre Fähigkeiten überschätzen."Werbung
Die zweite Gruppe sind Menschen mit Migrationshintergrund, die eine deutlich höhere Motivation hätten, ein Unternehmen zu gründen. Und zum Dritten wünscht Dallmann sich mehr Menschen in wissenschaftlichen Einrichtungen, die dem Angestellten-Dasein Adieu sagen.
Um allen Gründungswilligen den Weg so leicht wie möglich zu machen, haben die acht Veranstalter des Freiburger Gründertags Aussteller aller Sparten zusammengebracht, mit denen sich ein Baldselbstständiger herumschlagen muss: Banken, Versicherungen, Krankenkassen, Konzeptberater und Weiterbilder zum Beispiel. "Wirklich praktisch sind die kurzen Wege hier", sagt Hannes Jung aus Freiburg, der mit einem Musikladen liebäugelt. "Wenn mir jemand erklärt, es gibt diese und diese Kreditmöglichkeiten, gehe ich rüber zum nächsten Stand und frage bei der Bank direkt nach."
Auch die Künstlerin und Innenarchitektin Barbara Ibo schätzt die hohe Informationsdichte auf dem Gründertag. "Ich bin hergekommen auf der Suche nach Lösungen – finanziellen und informativen", sagt die Freiburgerin. Und stolpert wie manch anderer auch verwundert über einen Stand, an dem Antonie Rohwetter aus Achern etwas anbietet, was man so nicht auf der Selbstständigmachliste hatte: Organisationsentwicklung. "Das geht bis ins allerkleinste Detail runter: Wie wird an welchem Arbeitsplatz gearbeitet, wer ist für was genau zuständig – so konnte ich schon oft verhindern, dass doppelt oder schlimmstenfalls sogar gegeneinander gearbeitet wird", erklärt Rohwetter.
Und damit bestätigt sie das, was Freiburgs Handwerkskammerpräsident Martin Lamm bei seiner Rede am Morgen allen Traumrealisierern wie ein Mantra mit auf den Weg gab: Die Substanz entscheidet.
Autor: Claudia Füßler
