"Zinklern" ist wieder Thema

Harald Albiker

Von Harald Albiker

Sa, 09. März 2013

Freiburg West

Ums geplante Lehener Baugebiet ging es im Ortschaftsrat / Große Zahl von Eigentümern.

LEHEN. Nach längerer Pause stand aufgrund von zwei städtischen Drucksachen das geplante Lehener Baugebiet "Zinklern" wieder einmal auf der Tagesordnung der Ortschaftsratssitzung, die wegen der Bedeutung des Themas rund zwei Dutzend Zuhörer in die kleine Bundschuhhalle lockte.

Ortsvorsteher Bernhard Schätzle (Freier Wählerbund Lehen, FWB) leitete das brisante Thema ein mit den Worten: "Ein langer Weg liegt hinter und ein langer Weg noch vor uns." Stadtplanerin Cordula Intrup erläuterte, dass zur Entwicklung von Zinklern fünf Planungsbüros beauftragt würden. Dazu müssten dann, sobald Ergebnisse vorlägen, Mitglieder für die Bewertungskommission benannt werden, darunter auf jeden Fall der Ortsvorsteher. Es gehe bei Zinklern um 7,5 Hektar Wohnbaufläche sowie 3,5 Hektar Kleingartenfläche und Sonderbauflächen (ein Hektar sind 10 000 Quadratmeter) .

Die letzten größeren Bauflächen für Lehen (inzwischen rund 2450 Einwohner) habe es in den 70er und 80er Jahren gegeben. Für Zinklern seien verschiedene Gutachten, darunter auch zur Verkehrsanbindung, in Auftrag gegeben worden. Mit seinen 7500 Fahrzeugen pro Tag sei die Breisgauer Straße nicht zusätzlich belastbar. Die angrenzenden großen Straßen Paduaallee und Zubrínger Mitte kämen auf 50 000 bis 60 000 Fahrzeuge. Sie verursachten starken Lärm, der aufwändigen Lärmschutz besonders entlang der Dreisam notwendig mache.

Zur Verfahrensweise sprach Sebastian Springer vom Amt für Projektentwicklung und Stadterneuerung. Aufgrund der großen Zahl von 55 Eigentümern im Baugebiet komme aus Sicht der Stadtverwaltung nur eine sogenannte städtebauliche Entwicklungsmaßname für die Erschließung in Frage. Durch eine freiwillige Entwicklung oder eine amtliche Umlegung sei keine Einigung zu erreichen. Eine solche städtebauliche Entwicklung müsse sich finanziell selbst tragen.

Nur wenige der Eigentümer wollen bislang verkaufen

Zum Thema "vorbereitende Untersuchungen" sprach Rudiger Kunz von der "Kommunal Konzept GmbH". Diese Untersuchungen hatten 2010 begonnen. Von den 10,9 Hektar Fläche der 55 Eigentümer seien 2,5 Hektar in städtischem Besitz, 8,4 Hektar in Privatbesitz oder in der Hand von Körperschaften. Nur ein Bruchteil der 55 Eigentümer hätten Verkaufsbereitschaft signalisiert. Einige wollten selbst dort bauen, von vielen gab es keine Rückmeldung. Der städtische Justitiar Rüdiger Engel sah in einer städtebaulichen Entwicklung die einzige Chance, das Gebiet trotz Blockierern zu entwickeln.

Für das gesamte Baugebiet werden 350 Wohneinheiten mit rund 900 zusätzlichen Einwohnern erwartet. Für ein neues Feuerwehrhaus gingen 3,5 Prozent der Fläche ab. Weitere Flächenabzüge gebe es für Sport-, Bolz- und Spielplätze. Zudem sollen 53 Kindergarten- und 26 Krippenplätze in Zinklern entstehen. Walter Kamenzin (FWB) bat darum, die gesamte Maßnahme zu beschleunigen, damit schon 2015 gebaut werden könne. Für die zu erwartenden neuen, größeren Fahrzeuge müsste das Feuerwehrhaus möglichst früh beziehbar sein. Für den Verkehr, so meinte Monika Sacherer (FWB), gebe es im Hirschengarten einen Engpass. Keinesfalls dürften die Gehwege nur einseitig gebaut werden. Martin Gnädinger (SPD und Unabhängige) wollte wissen, ob Zinklern nicht autofrei gebaut werden könne. Sabine Lutz-Bonengel (Freie Wählervereinigung, FWL) betonte, dass die Breisgauer Straße keinen weiteren Verkehr aufnehmen könne. Ihr Fraktionskollege Thomas Braun (FWL) fragte, ob bei einem Verkauf von Gelände an Bauträger nicht die Gefahr einer wesentlich dichteren und höheren Bebauung besthe. Die Sitzung wurde formell unterbrochen, damit der Vorsitzende des Kleintierzuchtvereins mitteilen konnte, dass man keinesfalls mit einem Geländetausch einverstanden sei. Den beiden Zinklern-Drucksachen stimmte der Rat zu.

Befürwortet hat der Rat auch die Verwaltungsvorlage zur Freiburger Bauleitplanung, den Entwurf für den städtischen Doppelhaushalt 2013/14 und einen Bauantrag für die Jos-Fritz-Straße. Bei einer Voranfrage für den Neubau eines Wohnhauses mit zwei Wohneinheiten wollte man zunächst die Stellungnahme der Stadt abwarten.
Sitzungsdauer: drei Stunden.
Teilnehmer: elf von zwölf Räten.
Zuhörer: 25.