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18. Mai 2017 10:58 Uhr

Jugendgericht Freiburg

19-Jähriger soll Frau im Netz mit Nackfotos erpresst haben

Ein 19-Jähriger Mann aus Freiburg soll von einer Chatpartnerin Nacktfotos bekommen, sich als Polizist ausgegeben und 10.000 Euro gefordert haben. Der Angeklagte streitet die Taten vor Gericht ab.

  1. Der Fall eines 19-Jährigen aus Freiburg der sich im Internet als Kommissar ausgegeben haben soll, landet vor Gericht. Foto: dpa

Als Kriminalkommissar soll sich im November 2016 ein 19-Jähriger aus Freiburg in einem Internetforum ausgegeben und von einer Frau 10.000 Euro verlangt haben. Zuvor soll er sie um ein Nacktfoto gebeten haben, gepaart mit der Zusage, dafür 1000 Euro zu zahlen. Nachdem die Frau sich nackt fotografiert und ihm das Bild geschickt hatte, gab er sich plötzlich als Kriminalkommissar aus.

Sie habe sich mit der Übersendung das Bildes strafbar gemacht. Entweder sie zahle 10.000 Euro bis zum nächsten Tag oder sie müsse für sechs Jahre in Gefängnis. Und weil die Frau nicht zahlen konnte, wollte sich der Kommissar stattdessen mit einem Treffen zum gemeinsamen Sex zufriedengeben.

Der 19-Jährige streitet die Tat ab

Diese Woche saß der 19-Jährige im Amtsgericht neben seinem Verteidiger vor Jugendrichter Uwe Nowak. Auf den Zuhörerbänken saßen seine Eltern und ein Vertreter der Jugendgerichtshilfe. Wegen des Vorwurfs, der juristisch als Amtsanmaßung in Tateinheit mit versuchter Nötigung angeklagte worden ist, hatte der junge Mann einen Strafbefehl von 50 Tagessätzen zu je zehn Euro erhalten und dagegen Einspruch eingelegt. Der 19-Jährige ist nicht nur nicht Kriminalkommissar, sondern will auch nicht der Chatpartner der Frau aus dem Rheinland gewesen sein, die ihn schließlich angezeigt hat.

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Bei der Ehre seiner Großmutter habe sein Mandant, so sein Verteidiger Martin Lambster, zu Hause schwören müssen, dass er mit der Sache, die in der Familie als große Schweinerei angesehen werde, nichts zu tun habe. Damit war klar, dass eine Rücknahme des Einspruchs nicht in Frage kommt, obwohl sowohl Richter Nowak als auch Staatsanwalt Wachter keinen Hehl aus ihrer Meinung machten, dass alle Indizien für eine Täterschaft des jungen Mannes sprächen.

Möglicherweise geht es um Erpressung

Der ist der Überzeugung, dass ein Unbekannter sein Smartphone gehackt, sich seiner Fotos und E-Mail-Adresse bemächtigt und sich unter seinem Namen auf der Internetplattform angemeldet habe. Ein Smartphone hacken? Das klingt in den Ohren des Staatsanwalts sehr unwahrscheinlich. Zumal sich jeder im Internet eine E-Mail-Adresse unter dem Namen "Micky Mouse" zulegen könne, weil die Personaldaten von einigen Anbietern nicht überprüft würden.

Warum also, fragte der Staatsanwalt, sollte sich ein Fremder die Mühe machen, ein I-Phone zu hacken? Weil es ihm um die Erbeutung von 10 .000 Euro gegangen sei und er seine wahre Identität verschleiern musste, konterte der Verteidiger. Nowak gab dem Angeklagten zu bedenken, dass die Polizei vom Anbieter des Internetforums seinen Namen, seine E-Mail-Adresse und IP-Nummer erhalten habe. Die Frau habe Fotos bekommen, die eindeutig ihn darstellten. Fotos, die der Angeklagte laut eigener Aussage nur auf dem Handy gespeichert haben will. Wobei er bei zwei Fotos sagte, dass sie nicht ihn darstellten.

Polizei soll nachermitteln

Jugendrichter Nowak will nun die Polizei nachermitteln lassen. Das I-Phone des Angeklagten soll ausgewertet und überprüft werden, ob es gehackt worden ist. Was den Angeklagten, so er denn der Täter sein sollte, teuer zu stehen kommen könnte: Denn Nowak sieht mit der Forderung von 10 .000 Euro den Tatbestand einer versuchten Erpressung als möglicherweise erfüllt an. Was aus der Sache ein Verbrechen mit einer Mindeststrafe von einem Jahr machen könnte. Mit der Folge, dass der Fall vor einem Jugendschöffengericht landen würde. Das Verfahren ist ausgesetzt worden, ein neuer Termin wird festgesetzt.

Autor: Peter Sliwka