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13. Juni 2016

Aktionstag

220 Jugendliche kommen zu "Jugend im Rathaus"

OB Dieter Salomon wurde im doppelten Sinne eingewickelt. Von den Wollknäueln, die rund 220 Jugendliche über ihn hinweg warfen, und den vorgelesenen Forderungen des Schülerrats. Auch danach ging der Aktionstag „Jugend im Rathaus“ weiter.

  1. Ordentlich eingewickelt (in Wollknäueln) wurde Oberbürgermeister Dieter Salomon. Foto: Rita Eggstein

  2. Der Ratssaal wurde zu einer Art XXL-Bällchenbad. Stadtrat Sergio Schmidt jedenfalls hat seinen Spaß. Foto: Rita Eggstein

Gegen Mittag steigt die Spannung: Werden genug Leute kommen? Der Schülerrat hat gegen das Jugendbüro gewettet. Mindestens 300 Jugendliche müssen beim Einwickeln des OB helfen. Robin (16) vom Schülerrat verteilt Wollknäuel. Er geht auf die Paula-Fürst-Schule und findet den Aktionstag gut, um mehr Jugendliche ins Rathaus und zur Politik zu locken. Carolina (16), Lisa und Theresa (beide 15) halten schon Wollknäuel in der Hand. Sie sind Schülerinnen der Hansjakob-Realschule und stehen hinter den Forderungen des Schülerrats. Vor allem sollten Schulen unabhängiger vom Lehrplan werden, mit mehr frei gestaltbaren Poolstunden für Lehrer. Aber auch in der Stadt gebe es Verbesserungsbedarf, betont Lisa: "Gut wären mehr Plätze, die nicht kommerziell genutzt werden, auch in der Innenstadt!" Leonie (10), Kim (11) und Jamelia (12) von der 5a der Wentzinger-Realschule bahnen sich ihren Weg zum Ratssaal, mit einem großen Plakat, auf dem sie ihre Wentzinger-Party vorstellen, die sie regelmäßig mit ihren Kollegen vom Wentzinger-Gymnasium feiern. Denn beim Aktionstag können Schulen Projekte vorstellen. Haben die Drei einen Wunsch an den OB? Sie nicken: Mehr Jugendzentren. "Wir brauchen elternfreie Zonen!" sagt Kim.

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Viele Forderungen richten sich eher an die Landespolitik

Irgendwann taucht Dieter Salomon auf dem Rathausplatz auf, entspannt, in grünem Hemd. Ronja Posthoff vom Jugendbüro begrüßt am Mikro, danach lädt der OB die Jugendlichen ein, auch in den Fraktionszimmern vorbeizuschauen. "Junge Leute können wir alle brauchen", sagt er und wiederholt lachend eine Äußerung des SPD-Stadtrats Ernst Lavori: "Alte Herren haben die Fraktionen genug!" Dann wird es ernst. Der OB muss in die Mitte, der Kreis um ihn wird enger, für einen Moment halten alle ihre Wollknäuel hoch, dann werden sie hin- und hergeschleudert. Schnell wird das bunte Fäden-Netz dicht, sehr bald steckt Dieter Salomon seine Brille in die Hemdtasche.

Während er eingewickelt wird, schallen vom Rathaus-Balkon die Forderungen des Schülerrats herunter. Benjamin Wasmer liest sie vor, etliche richten sich aber eher an die Landespolitik: Mehr und besser ausgebildete Lehrer, die Ausweitung der Poolstunden, Gleitzeiten und größere Selbstbestimmung für Schüler, Handynutzung in Pausen, mehr Freiräume in der Stadt. Und zum Schluss: "Das Artik muss bleiben!"

Danach ist Roland Neininger gefragt. Er ist Polizist sowie ehrenamtlicher Vorsitzender des Stadtfeuerwehrverbands und hat die Jugendlichen auf dem Rathausplatz gezählt: "220, aber ich weiß, dass 80 noch auf dem Weg sind!" Jürgen Messer vom Jugendbüro gibt sich damit zufrieden: "Die 300 sind erreicht, wir haben verloren und werden für alle Jugendlichen eine große Party organisieren!"

Erst einmal aber wird rund ums Rathaus weitergefeiert, mit Musik und Aktionen. Mit dabei sind viele Engagierte der Jugendfeuerwehr, die zeitgleich als eigene Veranstaltung auch noch ihre Stadtrallye in der Innenstadt durchziehen. Im Rathausinnern bleibt es zunächst eher leer, trotz einiger Angebote: Die CDU backt Waffeln, die SPD lädt zum Politik-Quiz, die Grünen diskutieren übers Artik. Und den Ratssaal beherrschen Luftballons statt der Gemeinderat.

Eine Fotogalerie gibt es unter mehr.bz/rathausjugend16

Autor: Anja Bochtler