Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

11. März 2010

60 Jahre und kein bisschen leise

Die Musikschule Freiburg feiert mit großem Konzert Jubiläum – und sucht noch immer ein Zuhause.

  1. Musikschüler bespielen die Stadt – etwa beim „klingenden Rathaus“ Foto: Michael Bamberger

  2. Von Tuten und Blasen viel Ahnung bekommen diese Klarinetten-, Querflöten- und Hornschüler an der Musikschule. Die hat jahrzehntelang Henning Nordmeyer geleitet, heute ist Ulrike Goldau Direktorin. Foto: thomas kunz

Als Henning Nordmeyer 1974 Direktor der Jugendmusikschule wurde, gaben vor allem Grundschullehrerinnen Blockflötenunterricht. Die nächsten knapp 30 Jahre hat er der Einrichtung quasi neue Flötentöne beigebracht und eine klassische Musikschule in Freiburg aufgebaut. Ihr Angebot wurde breiter. Heute will sie unter Direktorin Ulrike Goldau die musikalische Bildung von Kindergartenkindern und Erstklässlern übernehmen.

Nordmeyer war der erste hauptamtliche Chef der Jugendmusikschule. Der 70-Jährige hat sie von Masse zu Klasse, vom Anbieter loser Gruppenkurse zur Stätte fundierter Ausbildung gemacht, erklärt seine 45-jährige Nachnachfolgerin. Das blieb nicht ohne Folgen: Die Schule, die im Jugendbildungswerk gegründet worden war, wurde erwachsen. Seit Anfang der 90er ist sie eigenständig und hat einen eigenen Trägerverein, dem Schulbürgermeisterin Gerda Stuchlik vorsitzt.

Bei aller Veränderung: Immer noch 1900 Schüler jeden Alters geigen, trompeten, singen, zupfen Gitarre oder greifen in die Tasten. "Wir dürfen nicht wachsen", erklärt Goldau, "das stoppt der Haushalt." Als sie 2006 Direktorin wurde, stand gleich ein Sparkonzept an. Etwa die Hälfte des Etats von 2,2 Millionen Euro kommt von Unterrichtsgebühren, die Stadt trägt gut ein Drittel, das Land den Rest. Etwa 85 Lehrer (meist in Teilzeit) bieten Breiten- und Spitzenförderung, Musikschüler sind bei Wettbewerben wie "Jugend musiziert" erfolgreich. Ziel ist, dass sie nicht nur zum Einzelunterricht, sondern auch zum Spiel in Ensembles und Orchestern kommen. Die sind zwar nach wie vor beliebt. "Aber mit dem achtjährigen Gymnasium sind die Schüler heute viel verplanter", so Goldau.

Werbung


Und sie werden immer jünger: Bei Nordmeyer begann die musikalische Früherziehung mit vier Jahren. "Bald sind wir auf der Samenbank angelangt", witzelt der zweifache Großvater. Während es anderswo schon Angebote für halbjährige Babys gibt, sind die Jüngsten an der Musikschule anderthalb. Andererseits stellt Goldau fest, dass Musik in Familien und Grundschulen eine immer geringere Rolle spielt. Sie will das Projekt "Singen-Bewegen-Sprechen" mit der Kita Rieselfeld, das die Schulfähigkeit fördert, auf möglichst viele Kindergärten übertragen. Ebenso "MoMo", ein Modell, in dem Musikschullehrer alle Anne-Frank-Schulanfänger an verschiedenen Instrumenten unterrichten. "Wir werden diskutieren, ob wir uns das leisten können", sagte Stuchlik neulich dazu.

Ein weiterer Wunsch, den schon Nordmeyer hatte, ist eine Zentrale. Die Schule sitzt nicht nur im Haus der Jugend in der Wiehre, sondern an vielen Standorten. Die Idee: mit dem großen Partner Musikhochschule die ganze Breite der musikalischen Ausbildung unterm Dach der alten Stadthalle versammeln. Die könnte das Land günstig übernehmen, erläuterte Stuchlik, die Musikschule Untermieter werden. "Das wäre uns das Liebste."

Jubiläumskonzert: Morgen spielen Ensembles der Musikschule ab 19 Uhr im Bürgerhaus Seepark, Bands beim anschließenden Fest. Eintritt frei. Weitere Infos unter: http://www.musikschule-freiburg.de

Autor: Simone Höhl