Gericht

73-jähriger Betrüger muss für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis

Peter Sliwka

Von Peter Sliwka

Do, 12. Juli 2018

Freiburg

Mit einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren hat ein Schöffengericht des Amtsgerichts Freiburg am Dienstag den zweifachen Betrug eines heute 73-jährigen Mannes an einer pensionierten Lehrerin Freiburg geahndet. Er hatte ihr 2013 weisgemacht, als ehemaliger Aufsichtsrat einer Schweizer Bank rund 200000 Euro zu einem Zinssatz von 7,5 Prozent anlegen zu können. Seit damals ist die Summe verschwunden. Das Gericht geht davon aus, dass sie nicht angelegt, sondern zur Lebensführung ausgegeben worden ist.

Was die Pensionärin damals nicht wissen konnte: Der Mann, der ihr Vertrauen erschlichen hatte, hat seit 1967 ein Vorstrafenregister mit 21 Eintragungen. Mehr als sechs Jahre hat er wegen Betrügereien hinter Gittern verbringen müssen. Zuletzt ist er 2016 aus der Haft entlassen worden. Folgt man seiner Selbstdarstellung, dann ist er ein Projektentwickler, der noch in der Amtszeit von Oberbürgermeister Dieter Salomon und dem Ersten Bürgermeister Otto Neideck vertraulich über Grundstücke und ihrer Beplanung in Freiburg verhandelt haben will. Beim Baubürgermeister Martin Haag ist er nach Erkundigungen der BZ vorstellig geworden. Er sei jedoch wegen seiner als wirr empfundenen Vorschläge nicht ernst genommen worden.

Es gehört zur Legendenbildung eines Betrügers wie dem Angeklagten, dass er ungefragt erzählt, dass er ein Domizil in Südfrankreich besitze, mehrere Immobilien sein eigen nenne, in Aufsichtsräten von Banken gearbeitet habe. Ungefragt gibt er damit an, dass er deshalb Gelder zu hohen Zinssätzen sicher anlegen könne.

Das Vertrauen der in Anlagedingen völlig unerfahrenen Pensionärin hatte der Angeklagte rasch gewonnen. Er erwähnte, dass er es hasse, wenn Geld – ohne Zinsen zu erwirtschaften – auf einem Konto herumliege. Er legte ihr nahe, das Geld anzulegen. Es sei jederzeit nach dreimonatiger Kündigungszeit abrufbar. Dass im schriftlichen Verwaltungsvertrag etwas anderes steht, den er sich 2013 von der Pensionärin unterschreiben ließ und den ihr sein Verteidiger Robert Podgajny im Prozess vorhielt, störte ihn nicht.

Die Karten des wegen Betrugs mehrfach vorbestraften 73-Jährigen erwiesen sich als schlecht. Wie es Betrüger zu eigen ist, beantwortete er Fragen stets nur mit vom Thema abweichenden Geschichten – die sich allerdings als frei erfunden herausstellten. So sei der Mann, den er im Prozess erstmals als den Empfänger des Geldes zur Anlage angab, leider schon verstorben. Dieser lebte jedoch bereits 2013, als er das Geld in der Schweiz angenommen haben soll, seit fünf Jahren demenzkrank in einem Pflegeheim in Freiburg.

Vorher hatte der Angeklagte behauptet, das Geld 2013 in eine Anleihe der 2017 in Freiburg in die Insolvenz gegangene SAG-Gruppe gesteckt zu haben. Leider hätten diese Papiere nur noch 33 Prozent ihres Nominalwertes. Über seinen Verteidiger hatte er der Pensionärin mitteilen lassen, dass er "die Papiere" nur herausgeben werde, wenn sie ihm versichere, dass das von ihr übergebene Geld ordnungsgemäß versteuert gewesen sei und sie ihn von der Haftung für den eingetretenen Verlust freistelle. Was den Vorsitzenden Richter Andreas Leipold verblüffte, ist der Umstand, dass der Verteidiger des Angeklagten in seinen Schriftsätzen an den Anwalt der Pensionärin die Angaben seines Mandanten offenbar völlig ungeprüft übernommen haben muss.

Staatsanwältin Ulrike Kreutzer hatte angesichts der Vorstrafen, der Unbelehrbarkeit des Angeklagten und der Höhe des Schadens eine Strafe von zwei Jahren und zehn Monaten beantragt. Verteidiger Podgajny forderte Freispruch. Nach seiner Meinung gehe es um eine zivilrechtliche und keine strafrechtlich relevante Auseinandersetzung. Wollte das Gericht seinen Mandanten dennoch wegen Betrugs verurteilen, sei zu berücksichtigen, dass die Pensionärin seinem Mandanten die Taten sehr leicht gemacht habe. Deshalb sei nur eine Bewährungsstrafe angemessen.

Das Gericht hat neben der zweieinhalbjährigen Strafe die Einziehung der von der Pensionärin erlangten 188 910,54 Euro von dem Verurteilten angeordnet. Zugleich hat es der betrogenen Pensionärin in einem Nebenverfahren einen vollstreckbaren Titel gegen ihn über diese Summe aus unerlaubter Handlung zugesprochen. Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden.