Freiburg

Abschied von einem Urgestein: Alfred Kalchthaler ist gestorben

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Do, 07. April 2016 um 12:00 Uhr

Freiburg

Freiburg trauert um das Urgestein Alfred Kalchthaler: Der populäre Bäckermeister, Altstadtrat und Fasnächtler ist am Mittwochnachmittag nach langer Krankheit im Alter von 85 Jahren gestorben.

Nachdem er an Ostern noch einmal gestürzt war, hatte sich der Gesundheitszustand des 85-Jährigen in den vergangenen Tagen immer weiter verschlechtert. Am Mittwochnachmittag ist Alfred "Jodele" Kalchthaler dann in der Klinik gestorben. Dabei hatte er erst vor kurzem noch als Zuhörer eine Gemeinderatssitzung besucht und im Schwarzwaldstadion auch seinen geliebten SC Freiburg Fußball spielen gesehen.

"Freiburg trauert um einen Mann mit einem großen Herzen und mit offenem Ohr für die Sorgen der kleinen Leute. Sein Humor und seine Lebensweisheit werden uns fehlen", schreibt Oberbürgermeister Dieter Salomon in seinem Nachruf. Kalchthaler hatte dem Gemeinderat als Stadtrat der Freien Wähler von 1971 an insgesamt 38 Jahre lang ununterbrochen angehört – und war bei seinem Ausscheiden der dienstälteste Freiburger Stadtrat der Nachkriegszeit. Als er 2009 sein Mandat aufgab, war er fast die Hälfte seines Lebens Mitglied im Stadtparlament gewesen und hatte an 574 Sitzungen teilgenommen. Auch nach seiner aktiven Zeit besuchte er als Gast noch gern die Sitzungen und durfte, aus Respekt vor seiner langen Mitgliedschaft, dies vom Sitzungssaal und nicht von der Zuschauertribüne aus tun. "Es interessiert mich immer noch, aber jetzt darf ich halt nicht mehr mitgosche", hatte er einmal lachend gesagt. Entdeckt für die Kommunalpolitik hatte ihn übrigens Hans Filbinger, der damalige Ministerpräsident, beim Brötchenkaufen in der Bäckerei.

Das Freiburger Urgestein ist ein gebürtiger Berliner. Alfred Kalchthaler kam dort am 31.Oktober 1930 zur Welt, kam aber schon als Baby nach Endingen am Kaiserstuhl, ins Haus direkt am "Torle". Wenige Jahre später zog die Familie nach Freiburg in die Jahnstraße im Stadtteil Waldsee. Alfred Kalchthaler besuchte die Emil-Thoma-Schule. Er wurde wie sein Vater Bäckermeister und führte später als Deutschlands jüngster Bäckermeister eine Bäckerei am Annaplatz. Bis 1985 hatte der Jodele-Beck dort einen Betrieb mit 14 Mitarbeitern.

OB Salomon: "Ich verliere einen langjährigen treuen Freund"

In 70 Vereinen ist der leutselige Alfred Kalchthaler in all den Jahren Mitglied gewesen. Er sang mit Herzenslust als Tenor im Chor der Bäckerinnung. Harmonie war ihm immer wichtig. Und so hat er es geschafft, Ehrenmitglied sowohl beim Freiburger FC als auch beim SC Freiburg zu werden. Integrieren war eben eines seiner großen Talente. Auch im Gemeinderat pflegte er den Kontakt über alle Fraktionsgrenzen hinweg. Als die Grünen einst neu im Stadtparlament waren und vom bürgerlichen Lager noch kritisch beäugt wurden, war Kalchthaler der Erste, der Freundschaften zu den Neulingen knüpfte.

Alfred Kalchthaler gehörte zur Freiburger Fasnet. Der Erznarrenzunft der Fasnetrufer hielt er seit 60 Jahren die Treue. Und er war einst ein Star der närrischen Bühne. Mit seinem Partner Rudi Ganter trat er als "Jodele und Mecki" in Freiburg, der gesamten Region und sogar bei Showmaster Peter Frankenfeld im Fernsehen auf.

Um den Verstorbenen trauern seine Frau Trudel, mit der er über 60 Jahre lang verheiratet war und die Kinder Peter und Petra und deren Familien mit drei Enkelkindern. Er habe mit Alfred Kalchthaler einen langjährigen treuen Freund verloren, schreibt Oberbürgermeister Dieter Salomon. Es habe nur wenige Menschen gegeben, die mehr im politischen Leben und in der Stadtgesellschaft verwurzelt gewesen seien, so der OB: "Alfred Kalchthaler hat Freiburger Nachkriegsgeschichte geschrieben."

Die Trauerfeier wird am Mittwoch um 13 Uhr in der Einsegnungshalle auf dem Hauptfriedhof gehalten.