Tatort an der Dreisam

Afghanisch-Deutscher Förderverein gedenkt Maria L.

sge

Von sge

So, 11. Dezember 2016 um 19:36 Uhr

Freiburg

Der Afghanisch-Deutsche Förderverein hat gemeinsam mit Flüchtlingen der getöteten Studentin an der Dreisam gedacht. Sie legten Blumen und Gedichte nieder. Spaziergänger kamen dazu.

"Hier ist etwas geschehen, das wir nicht hinnehmen können", sagt Safi Baborie. Der Verein "Afghan", dessen Vorsitzender Baborie ist, hat am Sonntagnachmittag der getöteten Studentin Maria L. gedacht und Blumen sowie ein gerahmtes Gedicht am Tatort an der Dreisam niedergelegt. "Wir wollen ein Zeichen setzen aus der Verpflichtung heraus, dass Maria sich in einem Verein engagiert hat, der sich für Flüchtlinge einsetzt."

Der Afghanisch-Deutsche Förderverein unterstützt derzeit etwa 35 junge Flüchtlinge in Freiburg und Umgebung beim Einstieg in die Arbeitswelt oder beim Deutschlernen. Im Unterricht sei auch der Wunsch entstanden, zum Tatort zu gehen, berichtet Baborie. Was dort passiert ist, schade dem Ansehen von Flüchtlingen – für die engagiert sich der Verein "Weitblick", in dem auch Maria Mitglied war. "Wir wollen zeigen, dass Marias Werk nicht umsonst war", sagt Baborie.

Einige Spaziergänger schließen sich an

Etwa 15 Menschen sind am Sonntag an die Dreisam gekommen – Flüchtlinge und auch Mitglieder von "Afghan". Kinder und Erwachsene legen Blumen nieder und zünden Kerzen an. Wie es bei ihnen Tradition ist, haben sie Halva dabei, eine Süßspeise, die man unter anderem in Afghanistan bei Trauerfeiern isst. Gebacken hat die Teilchen die 21-jährige Ameneh, die vor etwa acht Monaten mit ihrer Familie nach Deutschland gekommen ist. "Wir sind einfach traurig", sagt sie. "Es ist wichtig, dass wir heute da sind."

An den Baum, an dem schon viele Menschen der Studentin gedacht haben, stellt Baborie einen Rahmen, in dem das Gedicht eines persischen Dichters zu lesen ist, auch übersetzt auf Deutsch. Neben einer Botschaft an die Familie von Maria L. steht: "Wir verneigen uns mit Respekt vor ihrer Überzeugung und ihrem Handeln." Es sei "unsere Pflicht, ein Zeichen zu setzen", sagt Baborie bei der kurzen Gedenkfeier und ruft zum Gebet auf.

Die Betroffenheit ist groß

Ein paar Spaziergänger schließen sich an, bleiben stehen und halten inne. Ein Ehepaar ist gerade auf dem Weg zum Tatort gewesen, um eine Kerze anzuzünden. "Es ist schön, dass wir hier nicht allein sind", sagt die Frau, die mit ihrem Mann in Littenweiler lebt. "Wir sind bestürzt, dass so eine schreckliche Tat praktisch vor unserer Haustür passiert ist, und hatten einfach das Bedürfnis herzukommen." In den Diskussionen sei immer von einer Gruppe – "die Flüchtlinge" – die Rede, dabei könne man nicht alle über einen Kamm scheren, so der Mann. Deshalb halten die beiden es für wichtig, dass der Verein sich dagegenstellt.

"Unsere Betroffenheit ist groß", sagt Baborie, dessen Verein etwa ein Dutzend Mitglieder hat. Viele der Schüler hätten auch in den sozialen Medien wie Facebook ihre Anteilnahme kundgetan. "Wir haben viel darüber gesprochen." Vor dem Baum bleibt ein Mann stehen, kniet sich hin und fragt: "Habt ihr das mitgebracht?" und deutet auf das Gedicht. "Eine großartige Geste", sagt er.

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