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05. August 2009

"Als Operateur merken Sie gar nichts"

BZ-INTERVIEW: Marcel Rütschi über die Probleme mit fehlerhaften Prothesen ín seinem Haus und ihre Konsequenzen für Patienten.

Weil im Freiburger Lorettokrankenhaus mindestens 29 Patienten ein fehlerhaftes Hüftgelenk eingebaut wurde, werden diese nun erneut operiert. Momentan fahndet das Team des Orthopäden Marcel Rütschi in den Akten nach weiteren Patienten, denen ein ähnliches Produkt eingesetzt wurde. Michael Brendler sprach mit dem Arzt über die Konsequenzen für die Betroffenen.

BZ: Herr Dr. Rütschi, wie kann es einem erfahrenen Orthopäden passieren, dass er eine fehlerhafte Prothese einbaut?

Rütschi: Ich habe 20 Jahre sehr gute Erfahrung mit den gleichen Modellen künstlicher Hüftgelenke gemacht und ganz viele Freiburger laufen sehr gut damit. Dementsprechend habe ich auch nicht damit gerechnet, dass es mit einer Prothese dieses Herstellers Probleme geben könnte – bis auf die Größe des Hüftkopfes hatte sich nichts im Vergleich zum Vorläufermodell geändert.
BZ: Aber hätte Ihnen denn beim Einbau nicht auffallen können, dass sich die Prothese nicht richtig zusammenstecken lässt und die Teile nicht ganz passen?

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Rütschi: Wenn sie als Operateur die Prothese montieren, merken sie gar nichts. Prothesenkopf und -konus sitzen selbst dann noch fest aufeinander, wenn wir sie später wieder rausholen. Trotzdem gibt es zwischen ihnen Mikrobewegungen. Und diese Mikrobewegungen reiben Metallstaub ab, und der Staub schädigt wiederum den Knochen.

BZ: Sie sagen, dass weitere 849 ihrer Patienten ein ähnliches Produkt dieser Firma im Körper tragen und möglicherweise ebenfalls operiert werden müssen. Ab wann muss ich mir denn als Patient von Ihnen Sorgen machen?

Rütschi: In den nächsten Tagen werden wir alle Patienten, denen bei uns ein Hüftgelenk eingesetzt wurde, anschreiben und ihnen mitteilen, ob ein solches Implantat eingesetzt worden ist oder nicht. Gleichzeitig werden wir ihnen mitteilen, ob wir deshalb eine Nachuntersuchung bei uns empfehlen. Allerdings muss man betonen, dass wahrscheinlich nur bei einem geringen Anteil der möglichen Betroffenen dieser Prothesentyp tatsächlich fehlerhaft ist.

BZ: Kann ich mir irgendwie selbst Gewissheit verschaffen?

Rütschi: Wenn überhaupt, dann kommen nur Patienten mit einer Hüftprothese in Frage. Bei künstlichen Kniegelenken sind in unserem Haus keine derartigen Probleme aufgetreten. Wer nicht zwischen dem Jahr 2004 und Januar 2008 operiert wurde, muss sich ebenfalls keine Sorgen machen. Vorher und nachher haben wir diesen Typ nicht eingesetzt. Eine weitere Möglichkeit bietet der Blick in den Prothesenpass: Sollte dort unter der Modellbezeichnung das Wort Durom verzeichnet sein, werden wir Sie demnächst zu einer Nachuntersuchung einladen.

BZ: Ist es auch möglich, dass man bereits unter Beschwerden leidet?

Rütschi: Das kommt in Einzelfällen vor. Manche Betroffene klagen über Druckgefühle in der Leiste, vor allem nach Belastungen. Zudem fällt ihnen oft das Hochziehen des Beines nach vorne schwer. Wer sich konkrete Sorgen macht, kann unter Tel. 0761 / 7084-4316 anrufen.

Pannen mit Prothesen – ein Hintergrund auf "Land und Region", Seite 6

Autor: mib