Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

24. Dezember 2009 12:46 Uhr

Neue Beleuchtung

Freiburger Münster strahlt in neuem Licht

Rechtzeitig zum Weihnachtsfest erstrahlt die alte Gotik im Freiburger Münster in ganz neuem Licht. Dank einer modernen Lichtanlage, die die gotische Architektur überraschend neu sichtbar macht.

  1. So sieht’s aus, wenn die neue Festbeleuchtung das Münster strahlend erhellt und die Gotik ins rechte Licht rückt. Foto: Michael Bamberger

  2. So sah es im Münster aus, als noch die Pendellampen leuchteten. Foto: Erzbischöfliches Bauamt

"Der Raum hat sich total verändert", ist Anton Bauhofer ganz begeistert. Zusammen mit seinen Kollegen Christof Hendrich und Hans-Peter Heitzler vom Erzbischöflichen Bauamt hat er die Bauleitung bei allem, was innerhalb des Kirchenbaus verändert wird. Und er weiß um die vielen Klagen, "dass es im Münster zu dunkel war". Daran änderten auch jene Pendelleuchten nichts, die vor einigen Jahren in den Arkadenbögen auf- und nun wieder abgehängt wurden. Es blieb duster.

Deshalb beschlossen Dompfarramt und Erzbischöfliches Ordinariat, mit einer vollständig neuen Beleuchtung Licht ins kirchliche Dunkel bringen zu lassen. Und zwar von Walter Bamberger, einem international angesehenen und mehrfach ausgezeichneten Lichtplaner aus Pfünz bei Eichstätt. Der überzeugte die Verantwortlichen mit seiner Absicht: "Das Licht soll die Architektur nicht verändern, wir wollen in seiner Ganzheit erlebbar machen, was den Raum ausmacht." Das tut er mit insgesamt 350 speziell fürs Münster entwickelten Leuchten, die dreimal so viel Licht hergeben wie die bisherigen Lampen, aber "nennenswert weniger Energie" verbrauchen.

Werbung


PROGRAMMIERBARE BELEUCHTUNG

Der Großteil der Leuchten, die im Chor zum Beispiel von einem Hubsteiger aus in 28 Meter Höhe angebracht wurden, wird lediglich angeklemmt, um Eingriffe in die alte Bausubstanz zu vermeiden. "Jetzt kommt das Licht von weiter oben", erklärt Anton Bauhofer, "und strahlt in einem warmen Ton auf Bänke und Pfeilerbündel." Ergebnis ist eine Lichtarchitektur, die Walter Bamberger in seinem Respekt vor dem Zeitdokument der Gotik als "eine Interpretation des Raumes im 21. Jahrhundert" versteht. Und dessen Bedürfnissen auch die Möglichkeiten der Lichtanlage gerecht werden sollen.

So kann die Festbeleuchtung an Heiligabend ebenso programmiert werden wie unterschiedliche "Tourismus-Beleuchtungen" bei Tag oder am Abend.

"Zur Zeit sind wir noch am Präzisieren", sagt Weihbischof Paul Wehrle, "es wird noch viel Feinarbeit nötig sein." Bis Pfingsten 2010 sollen die beiden Seitenschiffe und später auch die Chor-Kapellen neu erleuchtet werden. Alles in allem wird das Vorhaben, das Münster in seiner gotischen Architektur neu sichtbar zu machen, dann rund 900.000 Euro gekostet haben.

"Was nur dank der Eugen-Martin-Stiftung möglich ist, die die Hälfte dazu gibt", sagt Anton Bauhofer. Der sich nicht zuletzt darüber freut, dass die neue Lichtanlage nun auch das jüngst über dem Zelebrationsaltar aufgehängte Böcklinkreuz ins rechte Licht setzt. Dieses älteste Kunstwerk im Münster ist ein romanisches Kreuz aus Silber, das um 1200 entstand und bisher an der Südwand der Böcklin-Kapelle hing – wo jetzt der Annen-Altar seinen Platz gefunden hat.

Autor: Gerhard M. Kirk