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04. März 2009 01:59 Uhr

Bürgerinformation

Altlast Kappel: Wie stabil ist die Abraumhalde?

Weit reichende Zusagen bei der Bürgerbeteiligung zur Sanierung der Altlast Kappel hat der städtische Baureferent Norbert Schröder-Klings den Anwohnern gemacht.

  1. Großes Interesse: 200 Bürger und Bürgerinnen kamen zur Infoveranstaltung zur Altlast Kappel. Foto: Ingo Schneider

In der Informationsveranstaltung am Montagabend kündigte er an, dass Gutachten und Zwischenberichte im Internet veröffentlicht werden und die Bürgerinitiative an nicht-öffentlichen Sitzungen des Gemeinderats teilnehmen könne. Die Anwohner stehen den Sanierungsplänen vor allem deshalb skeptisch gegen, weil sie fürchten, die Abraumhalden könnten ins Rutschen geraten.

200 Bürgerinnen und Bürger aus dem Freiburger Ortsteil Kappel und dem Kirchzartener Ortsteil Neuhäuser waren in die Kappler Halle gekommen. Die Pläne für die giftigen Hinterlassenschaften des einstigen Bergbaus überschreiten Gemarkungsgrenzen: Die Kappler Fläche soll ausgebaggert und zum altlastenfreien Baugebiet werden. Die 37 000 Tonnen Erdreich sollen wenige Meter oberhalb auf einer ebenfalls mit Schwermetallen belasteten Abraumhalde endgelagert werden. Klaus Heinrichsmeier vom Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald wertet das als Chance: Denn auch für diese "unsystematische Halde" auf Kirchzartener Gebiet habe es "immer schon einen Sicherungsbedarf gegeben". Das Landratsamt habe stets darauf gedrängt.

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Offensichtlich mit wenig Erfolg, wie Gutachter Thomas Osberghaus berichtete: Es gebe lediglich ein paar schlecht angelegte Drainagen zur Entwässerung des Hangs, die außerdem noch schlecht gewartet worden seien. Er nannte es eine "elegante Variante", die eine Altlast zu beseitigen und gleichzeitig eine andere damit zu sichern. Denn vorgesehen ist, das belastete Erdreich einzubauen, eine Abdichtung einzuziehen und eine weitere Erdschicht für die Rekultivierung aufzutragen. Das alles sei reines Handwerk.

Wie lange sind Gutachten aktuell?

Beruhigen konnte das nicht alle Zuhörer. Vor allem fürchten sie um die Standsicherheit der Kirchzartener Abraumhalde. Die Interessengemeinschaft von Anliegern bezweifelt, dass ein 17 Jahre altes Gutachten, das eine Umlagerung aus statischen Gründen für problemlos hält, immer noch gültig sein soll. Auch wenn es jüngst noch einmal von einem weiteren Gutachter überprüft worden ist. Skepsis ruft auch der Umstand hervor, dass der Altlastenexperte Osberghaus in jenem Ingenieurbüro in Kirchzarten arbeitet, das früher einmal zur Ingenieurgesellschaft Eisele gehörte – just jenes Gerhard Eisele, der jetzt als Projektentwickler die Sanierung und die Vermarktung des Baugebiets verantworten will.

Andraeas Hall hat noch Fragen

Die Vertreter der Stadtverwaltung sicherten zu, die Standsicherheit der Halde noch einmal genau zu untersuchen. In dem auf zwei Jahre angelegten Verfahren – die Bagger sollen 2011 anrollen – würden kritische Argumente der Bürger ernsthaft geprüft, versprach Baureferent Schröder-Klings. Es werde eine "ergebnisoffene Diskussion" geben. Außerdem sei ihm an einer gutnachbarlichen Beziehung zu Kirchzarten gelegen. Dessen neuer Bürgermeister Andreas Hall steht dem Sanierungsverfahren zwar offen gegenüber, hat aber "immer noch offene Fragen".

Fotos: Die Bürgerinformation zur Kappeler Altlast
Zeitschiene: Die Chronik einer Altlast
Aktuelle Situation: Widerstand auf der Zielgeraden
Kommentar: Skandal als Dauerzustand
Hintergrund:
Abenteuerspielplatz für Spekulanten

Autor: Uwe Mauch