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18. März 2017

70 Jahre

Am Sonntag wird in der Wiehre Jubelkonfirmation gefeiert

Ekkehard Köllner wurde vor 70 Jahren in der Wiehre konfirmiert und feiert am Sonntag mit knapp 50 anderen eine Jubelkonfirmation.

  1. Der 84-jährige Ekkehard Köllner feiert am Sonntag seine Gnadenkonfirmation. Foto: Günter Hammer

WIEHRE/OBERAU (BZ) "Das war eine sehr feierliche Handlung", erinnert sich Ekkehard Köllner an seine Konfirmation. 1947 war das, im Maria-Hilf-Saal an der Zasius-Straße. Jetzt, sieben Jahrzehnte später, wurde er von seiner Gemeinde wieder zur Konfirmation eingeladen.

Ein Gottesdienst mit Jubelkonfirmationen wird am Sonntag, 19. März, ab 10 Uhr in der evangelischen Friedenskirche an der Hirzbergstraße gefeiert. Wer vor 50 Jahren konfirmiert wurde, feiert Goldene Konfirmation, wer vor 60 Jahren eingesegnet wurde, kann Diamantene Konfirmation begehen, und bei wem 70 Jahre vergangen sind, der hat Gnaden-Konfirmation. Ekkehard Köllner gehört mit etwa acht weiteren Seniorinnen und Senioren zur letztgenannten Kategorie. Insgesamt treffen sich knapp 50 Jubelkonfirmandinnen und -konfirmanden mit ihren Angehörigen und Freunden, berichtet Pfarrer Albrecht Heidler.

Es waren etwa 30 bis 40 Jugendliche, die damals, zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, am Sonntag Judica – das war der traditionelle Konfirmationstag zwei Sonntage vor Ostern – im Maria-Hilf-Saal von Pfarrer Fritz Horch gesegnet wurden. Die Friedenskirche war noch nicht gebaut. Ekkehard Köllner hatte einen schwarzen Anzug an, und ihm war es "sehr ernst". Am Sonntag zuvor hatte es eine Prüfung gegeben, bei der die Konfirmandinnen und Konfirmanden vor den Gottesdienstbesuchern zu ihrem biblischen und kirchlichen Wissen befragt wurden. "Ich musste einen Psalm aufsagen, das war aber kein Problem", erzählt Köllner. Man habe viel auswendig lernen müssen in der halbjährigen Konfirmandenzeit, in der man sich einmal wöchentlich zum Unterricht getroffen hat. Zu Pfarrer Horch, der auch Dekan in Freiburg war und als streng galt, hatte der junge Ekkehard eine besondere Beziehung. Der Seelsorger hatte bei Löscharbeiten im Haus der Großmutter in der Bombennacht von 1944 geholfen. "Das hat mir imponiert", erinnert sich Köllner. Später hat er mit einem anderen Jungen die Evangelische Jugend im Freiburger Osten gegründet. Mehr als sieben Jahre leitete er die ehrenamtliche Jugendarbeit mit regelmäßigen Gruppenstunden, Bibelarbeiten, viel Musik und zahlreichen Freizeiten – unter anderem in der legendären Holzschlaghütte bei St. Märgen.

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An das Familienfest nach dem Konfirmationsgottesdienst kann sich der 84-jährige heute kaum noch erinnern: "Mir fällt auch grad nicht ein, welche Geschenke ich bekommen hab". Seine Mutter, die Kriegswitwe war und Ekkehard, den Ältesten und seine vier Geschwister alleine erziehen musste, hatte zu Hause für eine kleine Festgemeinde das Essen sowie Kaffee und Kuchen vorbereitet. Aus Berlin war eine der beiden Patentanten angereist. Ähnlich wird es jetzt am Sonntag werden. Nach dem Konfirmationsgottesdienst, bei dem auch das Abendmahl gefeiert wird und die Jubelkonfirmanden ihr Bekenntnis zum Glauben erneuern und bekräftigen, treffen sich alle anschießend in zwei Gasthäusern.

Ekkehard Köllner hat nach dem Abitur Forstwissenschaft in Freiburg studiert und auch promoviert. Über Stationen am Bodensee und im Nordschwarzwald ist er schließlich mit seiner eigenen Familie 1970 nach Donaueschingen gekommen. Dort leitete er das große Forstamt bis zum Ruhestand 1997. Er habe sich viel für Naturschutzbelange eingesetzt, erzählt er, und unter anderem dazu beigetragen, die einst geplante Schwarzwaldautobahn zu verhindern. In Donaueschingen war er über zwei Perioden im Ältestenkreis, dem Leitungsgremium der Gemeinde, aktiv. Heute lebt er wieder im Stadtteil Waldsee – im ehemaligen Haus der Großmutter.

In seinem Verhältnis zu Kirche habe er auch "kritische Phasen" durchlebt. "Wir müssen in der Kirche endlich in der Gegenwart ankommen und uns von manchen Traditionen lösen", ist er überzeugt. Der Theologe Willigis Jäger habe ihn in letzter Zeit mit seinen Büchern besonders angesprochen. Doch trotz aller heutiger Kritik und Vorbehalten ist für ihn klar: "Ich bin meiner Kirche mein Leben lang verbunden".

Autor: bz