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21. Juli 2011
Am Weg der Menschen
Seit zehn Jahren ist der C-Punkt ein Ort, an dem Kirche unaufdringlich präsent ist.
Am Anfang war die Idee: Einfach da sein bei den Menschen in der Stadt. Das war 2001. Zehn Jahre später ist der C-Punkt an der Ecke Herrenstraße/Münsterplatz ein Ort, an dem Kirche tatsächlich als unkompliziert und freundlich erfahren wird. Eine Anlaufstelle mit geöffneten Ohren, Augen und Herzen. Und aus Zuhören, Hinschauen und Mitfühlen ist ein lebensnahes Angebot entstanden – als Antwort auf Fragen, Anregungen und Wünsche.
"Unser Platz in der Alten Münsterbauhütte ist am Weg der Menschen", sagt Michaela Elbs. Einheimische kommen vorbei, Touristinnen und Touristen, Professoren und Arbeitslose, Junge und Alte. "Ein Spiegelbild der Straße" nennt Susanna Czech-Lepold die jährlich etwa 20 000 Besucherinnen und Besucher. Entsprechend vielfältig sind die Anstöße, die die beiden von der Erzdiözese Freiburg bezahlten Religionspädagoginnen "als pastorale Chance" sehen. Seit einem Jahr zusammen mit dem evangelischen Diakon Günter Hammer, da der C-Punkt nun eine ökumenische Anlaufstelle ist – und als erster seiner Art in der Erzdiözese zu einem Vorbild für acht weitere wurde.Werbung
Wobei sich das C-Punkt-Team, zu dem auch zwölf ehrenamtliche Gesprächsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, Münsterführerinnen und -führer sowie die Münsterorganistin Barbara Kolberg und viele andere Ehrenamtliche gehören, bewusst ist: Das Münster ist natürlich auch ein Schatz. Und weil das Interesse an ihm groß ist, bietet das Münsterforum des C-Punkts seit 2002 kirchenpädagogische Münsterführungen an, die schon knapp 60 000 Menschen (davon ein Drittel Kinder und Jugendliche) mitgemacht haben . Für Susanna Czech-Lepold eine Gelegenheit, "über diesen Lernort des Glaubens ins Gespräch zu kommen".
Weil viele 20- bis 40-Jährige sich etwas vernachlässigt fühlten, gibt es für sie seit Jahren jeden Donnerstag einen Kreis unter der Überschrift "Brot und Wein", in dem sie Leben und Glauben miteinander teilen. Ein anderes Angebot nimmt den Wunsch von Menschen auf, die wieder in die Kirche eintreten wollen. Dazu täglich Gespräche mit Frauen und Männern in Krisensituationen. Oder Informationen zu allen Fragen, die mit der Kirche in Freiburg zu tun haben. "Dabei haben wir immer den Menschen im Blick", sagt Susanna Czech-Lepold, "nicht seine religiöse Orientierung – und für viele sind schon ein paar freundliche Worte wohltuend." Zur Arbeit des C-Punkts gehören zudem regelmäßige Treffen mit den Pfarrsekretärinnen, was zu einer Vernetzung mit den Pfarrgemeinden beiträgt. Zu denen sich der C-Punkt als Ergänzung sieht. Als ein Mosaikstein im Ganzen. Wenn auch als "ein funkelnder", meint Günter Hammer: "Dieses Projekt blüht und gedeiht."
Gerade in einer Zeit, da Kirche vielen Menschen weit weg erscheint. "Es mangelt an Berührungsorten", beobachtet Michaela Elbs. Ähnlich sieht Günter Hammer Kirche in der Vergangenheit doch sehr als Sonntagskirche – "die City-Pastoral ist deshalb der Versuch, dass Kirche tagtäglich en passant erlebt werden kann". Angesichts der bedrängenden Frage, wie Kirche in Zukunft aussehe, ist Susanna Czech-Lepod jedenfalls überzeugt: "Da sind wir eine Möglichkeit."
Autor: Gerhard M. Kirk
