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16. Mai 2009

Amerikanerin im autofrei-Quartier

New York Times berichtet von Vauban / Karen Hettinger lebt dort.

Von einem "neuen Stadtteil am Rande Freiburgs" berichtet dieser Tage die New York Times: Erzählt wird von den "Vorort-Pionieren" in Vauban, die großteils auf Autos verzichten. Die Amerikanerin Karen Hettinger ist Sängerin im Freiburger Opernchor. Seit 22 Jahren lebt sie in Freiburg, seit sechs Jahren in Vauban. Dass die New York Times "ihr" Wohnviertel zu einem Seite-1-Thema machte, wurde ihr von Freunden gemailt – und von ihrem Bruder. Hier erzählt die 58-jährige Sängerin, geboren in Paris, vom 12. Lebensjahr an aufgewachsen in Washington DC, was sie in Sachen "autofrei" bewegt.

"Dass ich Vauban-Bewohnerin bin, ist für mich so selbstverständlich, dass es mich ein bisschen irritiert, wenn nun so eine Aufregung um einen Artikel in der New York Times gemacht wird. Vielleicht ist mein Leben doch viel exotischer, als ich dachte (lacht)? Aber im Ernst, wir leben hier nicht als two-car-family (Zwei-Auto-Familie) sondern als six-bike-couple (sechs-Räder-Paar) – und das ist natürlich nach amerikanischen Maßstäben durchaus ungewöhnlich. Für meine Freunde und für meine Familie allerdings ist es normal, dass mein Mann und ich so leben. Und wenn sie uns hier besuchen, fahren sie auch mit uns Rad.

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Ich bin als Kind wie meine beiden Brüder mit dem Fahrrad aufgewachsen – und auch im College habe ich meine Wege mit dem Rad gemacht. Ich hatte erst ein Auto, als ich anfing zu arbeiten. Ich brauchte von da an ein Auto, weil die Wege weit waren und weil es keine Alternativen gab. Und wenn ich mich heute zurückerinnere kommt mir vor, wir lebten in unseren Autos. Was ich heute im Rucksack bei mir habe, wurde damals einfach auf den Rücksitz geworfen. Der Kaffee blieb greifbar in einer Halterung neben dem Lenkrad und das Fahrrad war höchstens noch Sportgerät.

So nutzt auch mein Bruder Ned sein Rad. Er ist Philosophie-Professor und unterrichtet "environmental ethics", also Umwelt-Ethik. Er sagt, er nutzt das Vauban immer in seinen Vorlesungen als beispielhaftes Modell, das Wirklichkeit wurde. Hier genießt er bei Besuchen, was ich jeden Tag genieße. Wir hören keine Autos und wir riechen keine Abgase. Wobei die Autorin des New York Times-Artikels das Ganze strenger und perfekter schildert, als es wirklich ist. Man kann mit dem Auto zum Beladen vors Haus fahren und manchmal lässt auch jemand mal sein Auto über Nacht vorm Haus stehen. Wir beide haben aber gar kein Auto – und ich radle die sechs Kilometer zur Arbeit und zurück jeden Tag. Da kriegst du jedes Wetter ab, aber du bist viel unmittelbarer an allem dran und nicht in so einer hermetischen Blechkapsel unterwegs. Das mag ich, auch wenn es viel Umsicht verlangt. Denn ein unachtsamer Autofahrer reicht, um dich in Gefahr zu bringen. In den USA kommt das Rad als Verkehrsmittel seit einigen Jahren immer mehr ins Spiel – nämlich mit der Gesundheitswelle. Als Konzept würde vermutlich inzwischen auch ein autofreies Quartier funktionieren, wenn es die Infrastruktur böte, die wir hier haben: Läden in Fußentfernung und die Straßenbahn als Alternative zum Rad. Ich bin mittlerweile allerdings so gut trainiert, dass ich kaum Bahn fahre. Ich komme mit dem Fahrrad auch auf den Kandel oder auf den Grand Ballon. Und untrainierte Freunde aus den USA, die nehmen wir zu Ausflügen auf dem Tandem mit.

Autor: aufgezeichnet von Julia Littmann