Ansturm auf Cinema Exil

Julia Littmann

Von Julia Littmann

Di, 20. September 2016

Freiburg

Filmprojekt von Flüchtlingen.

Ein aufregendes Wochenende erlebte das Freiburger Harmoniekino als Gastgeber für "Cinema Exil": Neun junge geflüchtete Menschen zeigten vier Filme aus ihrer Heimat und erklärten dem Publikum der ausverkauften Kinosäle, warum sie die jeweiligen Streifen ausgewählt hatten. Die Resonanz war überwältigend. Nun überlegt man im Kino Harmonie, zwei der Filme – "Wer weiß, wohin?" und "Stein der Geduld" – zu wiederholen.

Dank des Flüchtlingsfonds/Jugendförderung der Stadt Freiburg und der Wilhelm-Oberle-Stiftung konnte die Hälfte der Eintrittskarten an Geflüchtete weitergegeben werden. Gute Vernetzung unter Helfern und Geflüchteten sorgte dafür, dass diese Option gut ausgeschöpft wurde. Das schuf Gemeinsamkeit im Kinopublikum und ermöglichte Gespräche über den Film und auch darüber hinaus, die oft überraschend waren.

Einige der Geflüchteten besuchten im Rahmen dieses Festivals erstmals überhaupt ein Kino. Ein geflüchteter Kurde sagte nach dem kurdischen Film "Memories on Stone": "Ich erinnere mich an meine Großeltern. Sie lebten in diesem Dorf. Es war ein sehr schönes Dorf." In den Diskussionen kam oft der Wunsch auf nach einer Welt ohne Krieg und Terror und mit der Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Die sollen sich den Mann, den sie heiraten, selbst aussuchen, forderte eine junge Afghanin.

Ein junger Ghanaer sagte, dass es sehr schwer sei, ohne Eltern aufzuwachsen. Fazit des Eritreers Etaganet: "Wir sind alles Menschen mit verschiedenen Hautfarben, aber sind wir alle gleich." Gleich war auch die Bewertung von allen Kinobesuchern: Es seien tolle Filme gezeigt und vielfältige Begegnungen ermöglicht worden: "So funktioniert Dialog, so öffnen sich neue Welten in unserer einen Welt!" Die Förderung des Projekts läuft aus, unklar ist, wie es weitergeht. Alle wollen weiter dranbleiben. Wer mitmachen will, mailt an ischumacher@arcor.de.