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26. März 2011 15:29 Uhr

Folgen von Fukushima

Anti-Atom-Buttons sind vielerorts ausverkauft

Von Taschen, Jacken und Pullis strahlt die rote Anti-Atom-Sonne derzeit häufiger denn je: Seit dem GAU in Fukushima stecken sich immer mehr Leute den Button ans Revers. Vielerorts ist er ausverkauft – auch in Freiburg? Ein Selbstversuch.

  1. Anti-Atom-Buttons sind vielerorts heiß begehrt. Foto: Miriam Steimer

  2. Walther Moser, der Ortsvorsitzende des BUND, mit seinem selbstgebauten Zugabteil. Foto: Miriam Steimer

  3. Dieter Schneydicker engagiert sich in der Anti-Atom-Gruppe Freiburg. Foto: Miriam Steimer

  4. Am Anti-Atomkraft-Zelt auf dem Platz der alten Synagoge gibt es die begehrten Pins noch. Foto: Miriam Steimer

  5. Das Anti-Atomkraft-Zelt auf dem Platz der alten Synagoge. Foto: Miriam Steimer

  6. Am Anti-Atomkraft-Zelt auf dem Platz der alten Synagoge gibt es die begehrten Pins noch. Foto: Miriam Steimer

  7. Am Anti-Atomkraft-Zelt auf dem Platz der alten Synagoge gibt es die begehrten Pins noch. Foto: Miriam Steimer

  8. Tom Minnich ist seit der Katastrophe in Japan wieder bei vielen Demonstrationen gegen Atomkraft dabei. Foto: Miriam Steimer

  9. Lucas Mahlau ist Zivi beim BUND in Freiburg. Die Briefe mit den Anti-Atom-Pins bringt er zur Post. Foto: Miriam Steimer

  10. Michael Henig ist ehrenamtlicher Mitarbeiter beim BUND und arbeitet an der Button-Maschine. Foto: Miriam Steimer

Überall sieht man die Anstecker mit der roten Sonne auf gelben Grund. Seit dem Unglück in einem japanischen Atomkraftwerk häufen sich die Demonstrationen, die von den Farben rot, gelb und schwarz dominiert werden. Selbst bei Facebook gibt es inzwischen eine eigene Applikation, um sein Profilbild mit diesem Logo zu versehen. Fast 500.000 User nutzen diese derzeit.

Die Buttons und Pins sind in einigen Internetshops bereits ausverkauft. "Wir erhalten enorm viele Bestellungen, mit denen wir bis vor wenigen Tagen nicht gerechnet haben", heißt es zum Beispiel auf der Internetseite www.ausgestrahlt.de. "Wir lassen nachproduzieren."

Das Internet ist demnach keine gute Option, will man sich einen der begehrten Buttons an die Tasche pinnen. Doch wie schwer ist es, in der Freiburger Innenstadt an einen zu kommen? Ein Selbstversuch soll Antwort geben.

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11.45 Uhr – Innenstadt, Bertoldsbrunnen

"Bertoldsbrunnen, Stadtmitte", verkündet die Straßenbahnansage. An der Ecke Bertoldstraße/Kaiser-Joseph-Straße strahlt schon von weitem eine große rote Sonne von einem Rucksack-Aufnäher. Der Rucksack gehört zu Dieter Schneydicker. Der 70-Jährige engagiert sich in der Anti-Atom-Gruppe Freiburg. "Leider habe ich meinen ’Atomkraft? Nein Danke!’-Button heute morgen an einen kleinen Steppke verschenkt", bedauert Schneydicker.

Walther Moser, der Ortsvorsitzende des BUND, steht wie jeden Freitag im März auf der Straßenecke. Zusammen mit einem Modellbauer hat er ein Aufsehen erregendes Zugabteil aus Pappe gebastelt. Es ist vollgeklebt mit Plakaten gegen Atomkraft und Stuttgart21. Er verteilt Plakate, Info-Flyer und Postkarten, aber einen "Atomkraft? Nein Danke!"-Button hat er nicht.
Leider kein Erfolg.

12.05 Uhr – Touristeninformation, Rathaus

Wenn so viele Leute in der Innenstadt mit einem Pin an Pulli oder Rucksack rumlaufen, dann muss es sie doch irgendwo geben. Aber auch in der Touristeninformation am Rathaus Fehlanzeige. "Leider haben wir diese Buttons nicht. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, wo man die herbekommt", sagt Mitarbeiter Stephan Paschke.
Auch bei seiner Kollegin in der Bürgerberatung gibt es keine positive Rückmeldung: "Nein, die haben wir nicht. Ich kann höchstens mal im Internet nachschauen, wo es die gibt", bietet Mandy Rautenberg an. Aber auch diese Suche bleibt erfolglos.

12.10 Uhr – Ecke Turmstraße/Roteckring

Auf Tom Minnichs Pullover prangt ein gelber "Stop Fessenheim"-Button mit roter Sonne. "Japan hat mich aufgestachelt", sagt der 54-Jährige, der nur acht Kilometer Luftlinie vom Atomkraftwerk an der deutsch-französischen Grenze entfernt wohnt. "Ich bin überrascht, wie viele Junge und Alte man auf den Demonstrationen gegen Atomkraft trifft. Das ermutigt, beim nächsten Mal wieder hinzugehen", sagt Minnich, der im Rechenzentrum der Universität arbeitet. Über Facebook versucht er, auch seine Freunde und Bekannte zu motivieren, sich gegen Atomkraft einzusetzen. Er hat einen guten Tipp: In der Geschäftsstelle des BUND soll man Buttons für einen Euro kaufen können.

12.25 Uhr – Platz der alten Synagoge

Auf dem Weg zum BUND kommt man am Platz der alten Synagoge vorbei. Dort wirbt ein großes rundes Zelt schon von weitem mit Aufschriften gegen Atomkraft. "Wir halten hier eine Mahnwache für den sofortigen Atom-Ausstieg", sagt Tom Meyer. Er und die vielen anderen, die auf der Wiese verteilt sitzen, wollen auf die Problematik aufmerksam machen und zum Mitmachen animieren. Schon seit Montag sind sie rund um die Uhr auf dem Platz. "Wir wollen so lange bleiben, bis es nicht mehr nötig ist", so der 20-jährige Meyer lachend. Die Resonanz sei positiv. Viele seien neugierig und wollten wissen, was dort auf der Wiese gemacht wird. Auch einige Sachspenden hätten Meyer und seine Leute schon bekommen.
Und kann man hier einen Button kaufen? "Kaufen kann man bei uns gar nichts, aber jeder, der danach fragt, bekommt einen Button geschenkt", sagt Meyer und präsentiert eine kleine Kiste mit den begehrten Pins. Sie sind sogar selbst gemacht. Mission erfüllt.

12.45 Uhr – Wilhelmstraße 24a

Doch die Neugier ist noch nicht besiegt. Im Hinterhaus der Wilhelmstraße 24a befindet sich die Freiburger Geschäftsstelle des BUND. Wer die paar Stufen zur Eingangstür nimmt und die Schwelle überschreitet, steht mitten in einer Button-Fabrik. An den Wänden stapeln sich Kartons und Kisten. "Seit Mitte der Woche ist unser Online-Shop geschlossen", berichtet Lucas Mahlau. Der 20-Jährige absolviert seinen Zivildienst beim BUND. Da er als Zivi politisch neutral bleiben soll, produziert er die Buttons nicht, aber er kümmert sich um die Bestellungen und bringt die fertigen Umschläge und Pakete zur Post.
Michael Henig sitzt an der Buttonmaschine: Die Rückseite des Buttons mit der Nadel zum Anstecken muss in die eine Schale gelegt werden. Die Vorderseite mit der roten Sonne und einer Schutzfolie in die andere. Den Hebel nach unten drücken, die Schalen drehen und Hebel noch einmal nach unten drücken – fertig ist der Button. Henig hat eigentlich der Zufall hierher verschlagen. Er ist ehrenamtlicher Mitarbeiter und findet das Thema Atomkraft interessant. Zurzeit produziert er auf Hochtouren die gelben Buttons, damit der Online-Shop am Montag wieder öffnen kann.

Die Ausbeute nach 60 Minuten und fünf Stationen: ein großer und zwei kleine Anti-Atomkraft-Buttons. Besser als im Internet.

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Autor: Miriam Steimer