Arbeitslose sollen gesund bleiben

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Do, 02. August 2018

Freiburg

Die Krankenkassen spendieren Menschen ohne Job Gesundheitskurse – sie gelten als Risikogruppe / Freiburg ist Modellstandort.

FREIBURG-INNENSTADT. Geldsorgen, Zukunftsängste, Frust – wer längere Zeit keinen Job hat, steht nicht selten an mehreren Fronten unter Druck. Langzeitarbeitslose gelten laut Arbeitsagentursprecher Hanspeter Fakler als Risikogruppe, was Erkrankungen angeht. Die Arbeitsagentur Freiburg und das Jobcenter nehmen nun gemeinsam mit den Krankenkassen an einem bundesweiten Modellprojekt zur Gesundheitsförderung von Erwerbslosen teil. Dabei geht’s um Körper und Geist.

"Für mich war wichtig, mehr über das Thema Entscheidungen zu lernen", sagt ein 54-Jähriger vom Kaiserstuhl. Er möchte nicht mit Namen genannt werden, genauso wenig wie die anderen drei Männer, die an diesem Freitagvormittag mit ihm in einem Konferenzraum der Krankenkasse AOK am Fahnenbergplatz sitzen.

Es ist das Abschlusstreffen ihres "Aktiva-Kurses". Der Name Aktiva steht als Kürzel für "Aktive Bewältigung der Arbeitslosigkeit". Die Teilnehmer besprechen dabei einen Monat lang bei je zwei wöchentlichen Treffen mit einem Trainer, wie sie ihre Zeit und Aktivitäten planen, wie die konstruktiv denken, welche Ressourcen sie zu ihrer Unterstützung nutzen und wie sie systematisch Probleme lösen können. Mit etwas zeitlichem Abstand findet dann eine Schlussbesprechung statt.

"Ich war am Januar bei einem Infotag der Arbeitsagentur, wo das Angebot vorgestellt wurde – und es hat mich sehr angesprochen", berichtet ein 44-jähriger Freiburger, der seit einem Jahr arbeitslos ist. Er ist nun kurz davor, seinen kaufmännischen Beruf hinter sich zu lassen – der ihn nach eigenen Angaben nicht mehr zufrieden machte – und umzuschulen. "Mich hat der Kurs sehr gestärkt, diesen Schritt nun wirklich anzugehen."

Der Aktiva-Kurs ist nur eines von insgesamt acht Gesundheitsangeboten, auf das Erwerbslose aus der Region Freiburg nun zugreifen können – in Absprache mit ihrem Berater im Jobcenter oder bei der Arbeitsagentur oder mit Stephanie Nopper von der AOK, die eine offene Beratung anbietet.

"Modellprojekt zur Verzahnung von Arbeits- und Gesundheitsförderung in kommunalen Lebenswelten" – so lautet der etwas sperrige offizielle Titel des Modellprojekts, an dem bundesweit rund 130 Standorte teilnehmen – darunter auch die Freiburger Projektpartner.

Träger ist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, das Geld dafür kommt von den gesetzlichen Krankenkassen – nach Freiburg fließen so in zwei Jahren insgesamt 200 000 Euro an Beitragsgeldern. Dadurch werden die Angebote für die Erwerbslosen kostenlos . Die Stadt Freiburg unterstützt das Projekt in Freiburg ebenfalls.

"Es geht bei den Angeboten, auch beim, Aktiva-Kurs, nicht um eine bessere Vermittlung in Arbeit, sondern primär rein um die Gesundheit", erklärt die örtliche Projektkoordinatorin Stephanie Nopper. Außer Aktiva-Kursen und ihren offenen Beratungszeiten gibt es Rückenkurse, Pilates, Ernährungskurse, Abnehmkurse, Yoga und Ganzkörpertraining.

Das Projekt werde auch evaluiert, erklärt die AOK-Mitarbeiterin. Aus ihren persönlichen Kontakten mit Erwerbslosen wisse sie aber, dass die Gesundheitsangebote und darunter besonders auch die Aktiva-Kurse teilweise sehr große positive Effekte für die Teilnehmer haben. "Mir hat eine Teilnehmerin gesagt, sie fühle sich endlich wieder als Teil der Gesellschaft", so Stephanie Nopper – ein wichtiger Baustein für die Gesundheit.