Erhöhung geplant

Auch der neue Bafög-Höchstsatz reicht in Freiburg nicht zum Leben

Paul Nachtwey

Von Paul Nachtwey

So, 09. Dezember 2018 um 18:48 Uhr

Freiburg

Neun Prozent aller Freiburger Studierenden erhalten den Bafög-Höchstsatz. Auch wenn dieser jetzt wie geplant erhöht wird, reicht er in Freiburg nicht für das Existenzminimum – so wie in 20 Städten bundesweit.

Studierende, die den Bafög-Höchstsatz beziehen, haben es in Freiburg schwerer als in anderen Städten. Das zeigt eine Studie des Moses-Mendelssohn-Instituts (MMI), die die Lebenshaltungskosten an 96 deutschen Hochschulstandorten untersucht hat. Freiburg liegt demnach unter den zehn teuersten Städten.

Die monatlichen Kosten für Miete, Lebensunterhalt und Semestergebühren belaufen sich hier laut Studie auf durchschnittlich 795 Euro – deutlich mehr als der Bafög-Höchstsatz hergibt. Dieser beträgt, rechnet man die Pauschale von 86 Euro für Pflege- und Krankenversicherung heraus, 649 Euro.

Fast jeder Zehnte bekommt den Höchstsatz

Die Erhöhung des Bafög-Höchstsatzes, die das Bildungsministerium plant – auf 764 Euro plus Versicherungspauschale – , werde die Lage zwar entschärfen, reiche in Freiburg aber nicht aus, stellt das MMI fest. "Wer eine eigene Wohnung benötigt und auf Förderung angewiesen ist, wird sich auch künftig sehr stark einschränken müssen", sagt Stefan Brauckmann, Direktor des Instituts. Etwa 18 Prozent aller Freiburger Studierenden beziehen Bafög, davon erhält jeder zweite den Höchstsatz.

Clemens Ernst vom Vorstand der verfassten Studierendenschaft, findet das Ergebnis der Studie wenig überraschend. "Die geplante Erhöhung ist gut, aber sie reicht leider nicht aus", sagt der Jurastudent. Es gehe nicht darum, ein Luxusleben zu finanzieren, aber Studierende, die vom Höchstsatz leben, sollten ihr Studium ohne Sorgen bezahlen können.

20 Städte betroffen

In der Studie wurden die Ausgaben konservativ berechnet: "Wir haben die Regelsätze der sozialen Grundsicherung zugrundegelegt. Das sind sehr niedrig angesetzte Werte, die sich am menschenwürdigen Existenzminimum orientieren", erklärt Stefan Brauckmann. Trotzdem zeigt sich, dass selbst die geplanten neuen Bafög-Sätze an 20 Standorten nicht ausreichen werden, um über die Runden zu kommen. Noch teurer als in Freiburg seien die Lebenshaltungskosten etwa in Berlin und Hamburg.

Neue Wohnheimplätze sollen Entlastung bringen

Ins Gewicht fallen auch in Freiburg vor allem die hohen Mietkosten. 407 Euro koste eine durchschnittliche Wohnung für Studenten, so die Forscher, die sich öffentlich ausgeschriebene WG-Zimmer auf dem Internetportal "WG-Gesucht" anschauten. Der vorgesehene Bafög-Anteil ist davon weit entfernt. "Die Wohnpauschale liegt bei 250 Euro und soll in den kommenden Jahren auf 325 Euro erhöht werden", sagt Brauckmann. "Das ist für Verhältnisse wie in Freiburg leider weit weg von der Realität."

Abhilfe schafft ein Zimmer im Wohnheim, 14,5 Prozent der Freiburger Studierenden wohnen so. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als im Bundesdurchschnitt, für Clemens Ernst aber nicht genug: "Wir brauchen mehr günstigen, sozialen Wohnraum in Freiburg", findet er.

Das Studierendenwerk SWFR betont, dass Wohnraum geschaffen werde: bis 2022 entstünden 1300 neue Heimplätze. Weitere Lösungsansätze nennt das MMI in seiner Studie: Unter anderem fordern die Forscher, die Wohnkostenpauschale an das regionale Preisniveau anzupassen.