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19. November 2009 19:05 Uhr
Bildungsstreik
Audimax-Besetzer: Twittern und Bloggen für den Protest
Der Besetzer von heute verteilt nicht mehr nur Flyer und zieht demonstrierend durch die Straßen. Er bloggt und verbreitet über alle Kanäle seinen Protest im World Wide Web. Schnell, schneller – besetzt 2.0.
Die improvisierte Zentrale des Arbeitskreises Presse hat sich auf der Empore des Kollegiengebäudes II (KG II) eingerichtet. Vier Tische reihen sich über Eck aneinander, mehrere Laptops surren, einer ist immer online. Im Stunden- manchmal im Minutentakt stellen die Besetzer Meldungen über Aktionen und Termine ins Netz, drucken aber auch Flyer und pressen Buttons. "Wir schöpfen alles aus", sagt Philipp Baumann vom Arbeitskreis. Online wie offline. Denn auch wenn das Internet wichtiges Werkzeug der Besetzer ist, kann es dem 21-Jährigen zufolge den öffentlichkeitswirksamen Aktionismus nicht ersetzen, nur ergänzen.
Baumann und zwei Kommilitonen stellten am Montagabend im Audimax die ersten Meldungen über die Besetzung der Universität ins Internet. In "weiser Voraussicht" habe er seinen Laptop mit in die Vollversammlung genommen. Im Gegensatz zu anderen ließ er Schlafsack und Isomatte erst einmal daheim. "Die konnte ich schließlich auch noch später holen."
TWITTER – FREIBURG BRENNT
Viel wichtiger war ihm an diesem Abend sein Computer. Denn kaum hatte das studentische Plenum mit großer Mehrheit für die Besetzung gestimmt, richtete Baumann eine eigene Gruppe mit dem Namen "Freiburg brennt" bei dem elektronischen Kurznachrichtendienst Twitter ein. Das Motto hatten die Studierenden von anderen besetzten Universitäten übernommen.
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"Das ging schnell, einfach und unkompliziert", erklärt der Erstsemester. "Wir konnten sofort loslegen." Möglichst viele sollten möglichst schnell von der Besetzung erfahren. Um 23.15 Uhr twitterten sie die Nachricht "Das Audimax der Uni Freiburg ist besetzt! Näheres in Kürze". Nur eine Minute zuvor hatte Baumann das erste Foto mit einem Protestbanner am KG II über ein Blog des Freiburger Bildungsstreiks ins World Wide Web geblasen, dazu zwei Sätze zur aktuellen Lage – fertig. Zugleich verschickten die Grüne Jugend und mehrere Fachschaften E-Mails über ihre Verteiler, schrieben Mitteilungen in den sozialen Netzwerken Facebook und StudiVZ, setzten Links und twitterten ihrerseits auf allen Kanälen.
Wie nie zuvor nutzen die Besetzer die neuen Medien als Instrument, um ihren Protest zu verbreiten. Und sind damit weniger abhängig von der Berichterstattung in Zeitung, Fernsehen oder Radio. Sie haben sich eine eigene Öffentlichkeit geschaffen. Auf Twitter verfolgen mittlerweile mehr als 185 Nutzer die Meldungen von "Freiburg brennt". Ziehen Studenten mit Bannern durch die Bertoldstraße und fordern wie gestern "Geld für Bildung statt für Banken", können sich die sogenannten Follower jederzeit über den aktuellen Stand informieren.
Für das Blog kennt Baumann die Zugriffszahlen nicht. "Aber die Artikel werden gut kommentiert." Neben Solidaritätsadressen träfen auch Vorschläge für weitere Aktionen ein. Im Zwei-Schicht-Betrieb twittert und bloggt der 15 Studenten starke Arbeitskreis Tag und Nacht. Dafür nutzt er den kabellosen Internetzugang der Universität. Sollte das Rektorat den Hotspot kalt stellen, gibt es keinen Notfallplan. An der Wand pinnt nur einer für den Fall, dass die Unileitung die Räumung beschließen sollte: Nachrichtenagentur informieren, twittern, filmen.
Doch die Lage ist nach wie vor friedlich. Vizerektor Heiner Schanz betonte wiederholt, dass die Besetzung toleriert werde. Die Vorstellung, das Internet zu kappen, hält Rudolf-Werner Dreier für absolut abwegig. Eine solche Maßnahme war bei der Besetzung der Basler Uni erwogen worden. "Wir wollen Kommunikation", sagt Dreier. Zudem informiere er sich selbst im Blog über die Besetzung. Und Twitter habe er auch im Blick.
- Bildungsstreik: Studenten stellen sich auf längere Besetzung ein
Autor: Alexandra Sillgitt
