Ab Freitag

Auf drei Freiburger Plätzen findet ein Straßentheaterfestival statt

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 12. September 2018

Freiburg

Sechs Straßenkünstler aus aller Welt, die inzwischen in Freiburg zu Hause sind, gestalten am Wochenende ein Straßentheaterfestival auf drei Plätzen in den Stadtteilen Wiehre, Stühlinger und Brühl-Beurbarung.

FREIBURG. Sie stammen unter anderem aus Australien, Kanada und der Schweiz und leben in Freiburg – doch ihre Auftritte sind fast immer weit weg: Jetzt aber bieten sechs Straßenkünstlerinnen und -künstler ein Wochenende lang in drei Stadtteilen Einblicke in ihr Programm. Das erste Freiburger "Easy-Street-Festival" soll der Anfang einer regelmäßigen Reihe sein, wünschen sich der künstlerische Leiter Shiva Grings (40), der selbst auftritt, und der Organisationsleiter Joß Bracker (34).

Zuletzt war Shiva Grings in Paderborn, Estland, Belgien und Österreich – zwischen Mai und Oktober ist er ständig unterwegs. Das geht seinen Kolleginnen und Kollegen ähnlich, deshalb war es nicht leicht, ein Wochenende zu finden, an dem alle in Freiburg sein können. "Der Sommer ist unsere Saison", sagt Shiva Grings, der ursprünglich aus Irland kommt. Die kälteren Monate verbringen er und die anderen in ihrer aktuellen Heimat Freiburg, wo sie ihre Auftritte fürs kommende Jahr organisieren.

Doch er bedauert schon lange, dass er fast nie in der Stadt, in der er seit langem lebt, auftritt. Deshalb hat er bereits vor mehr als zehn Jahren versucht, hier ein Festival auf die Beine zu stellen – vergeblich, es scheiterte an der Finanzierung. Das war diesmal anders, bisher kamen insgesamt 5500 Euro zusammen, davon sind 2500 Euro städtische Förderung, der Rest kommt von Sponsoren. Allerdings fehlen immer noch 1500 Euro für das angestrebte Budget von 7000 Euro, das den auftretenden Künstlern zumindest kleine Gagen sichert – die Organisation durch ein sechsköpfiges Team, zu dem zwei Künstler gehören, läuft ehrenamtlich. Joß Bracker ist einer von denen, die unentgeltlich mitanpacken. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Öko-Institut und kennt sich aus mit Finanzierungskonzepten. Er ist mit Shiva Grings befreundet und will, wenn möglich, die Künstler auch künftig unterstützen. "Aber unser Team muss weiter wachsen", sagt er – denn die Organisation sei sehr zeitintensiv.

Das wäre erst recht so, wenn der Traum von ihm und Shiva Grings wahr wird: Im kommenden Jahr möchten sie auswärtige und internationale Straßenkünstler zum zweiten Straßentheaterfestival einladen, dafür bräuchten sie aber mindestens doppelt so viel Geld, um die Fahrt- und Übernachtungskosten zu stemmen. Klar ist für die beiden: Deutschland und auch speziell Freiburg haben Nachholbedarf beim Straßentheater.

Das gelte weniger für die Künstler, sagt Shiva Grings: In Freiburg gebe es eine große Kleinkunstszene. Und erst recht seien da viele öffentliche Plätze, die sich wunderbar für Straßenkunst anböten. Doch im Vergleich zu Nachbarländern wie Frankreich sei die Lobby und finanzielle Förderung für Straßentheater, das – als Folge von den politischen Bewegungen von 1968 – den öffentlichen Raum zurückerobern wolle, immer noch verhalten. Vielleicht ändert sich das nun, hofft er: "Wir wollen zeigen, dass Straßentheater ein fantastischer Weg ist, Theater zu den Menschen zu bringen."

Deshalb haben sie sich drei sehr verschiedene Stadtteile ausgesucht, die alle zentrumsnah liegen, damit möglichst Interessierte zusätzlich zur Nachbarschaft dazu kommen – und auch die Programme sind unterschiedlich: In der bildungsbürgerlich geprägten Wiehre wird alles poetischer gestaltet. In Brühl-Beurbarung, wo mehr Menschen mit weniger Geld leben, gibt’s eine Mischung aus Poesie und Akrobatik. Und im sehr gemischten Stadtteil Stühlinger soll es "ein bisschen rauher" zugehen, sagt Shiva Grings: "Dort zeigen wir am stärksten typische Straßenkunst."