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20. Juni 2013

Azubis auf Europatour

Das Serviceprogramm "Go for Europe" hilft gerade kleineren Betrieben, Lehrlinge einen Monat ins Auslandspraktikum zu schicken.

  1. Daniel König aus Oberbergen lernt Industriemechaniker bei der Firma PTW in Freiburg. Im Mai war er vier Wochen lang für einen Sprachkurs und ein Praktikum in England und hat erlebt, wie dort die Arbeit in einem Metallunternehmen abläuft. Foto: Ingo Schneider

  2. Der angehende Anlagenbetriebstechniker Melih Yildirim aus Wien ist gerade bei PTW im Praktikum. Hier tauscht er eine Leuchtstoffröhre aus. Foto: Ingo Schneider

Wer studiert, der verbringt in vielen Fällen einen Teil seines Studiums im Ausland – und sammelt dabei Sprachkenntnisse, Lebenserfahrung und Eindrücke jenseits des eigenen Tellerrands. Was bei Studenten heute fast schon Standard ist, hat bei Auszubildenden des dualen Systems hingegen Seltenheitswert. Nur etwa vier Prozent der Azubis gehen während der Lehre eine Zeit lang in ein anderes Land, um ihren Horizont zu erweitern. Das überwiegend steuerfinanzierte Projekt "Go for Europe" soll dies ändern helfen. Die Freiburger Firma PTW hat sich darauf eingelassen.

"Das war eine tolle und sehr lehrreiche Zeit", erzählt Daniel König. Der 19-Jährige aus Oberbergen im Kaiserstuhl macht eine Ausbildung zum Industriemechaniker bei den Physikalisch-Technischen Werkstätten Dr. Pychlau (PTW) in Freiburg. Das Unternehmen mit insgesamt 270 Beschäftigten hat seinen Sitz an der Lörracher Straße und produziert Strahlenmessgeräte für den medizinischen Einsatz. Daniel König war im Mai vier Wochen lang in Südengland – und hat dort einen einwöchigen Sprachkurs mit integriertem interkulturellen Training sowie ein dreiwöchiges Praktikum bei Meddings-Thermalec, einem Unternehmen der Metallindustrie absolviert. Gewohnt hat er mit zwei anderen "Auslandsazubis" bei einer Gastfamilie. "Es war sehr interessant zu sehen, wie die Arbeit dort abläuft – und nach vier Wochen konnte ich mich dann schon recht gut auf Englisch unterhalten", berichtet der junge Mann von seinen Eindrücken.

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Gekostet hat ihn das Ganze 520 Euro Eigenanteil. Den Rest der Kosten trägt die EU über das Leonardo-da-Vinci-Bildungsprogramm. Die Inhalte der hiesigen Berufsschule, die er verpasst hat, holt er eigenverantwortlich nach. Die Firma PTW musste ihn nur vier Wochen freistellen. Die ganze Organisation, die Suche nach einem Praktikumsplatz, die Buchung der Flüge, das Finden der Unterkunft, die Beantragung der Da-Vinci-Mittel, Versicherungsfragen – all dies übernimmt das Serviceprogramm "Go for Europe". Schon 2008 ging es damit los – doch noch immer ist man in der Aufbauphase. Das sagt zumindest Sabine D'Urso, Mitarbeiterin des Bildungsträger BBQ, die in Freiburg Ansprechpartnerin für "Go for Europe" ist. Das Programm läuft in ganz Baden-Württemberg, insgesamt gibt es fünf Projektbüros. Eine Million Euro kostet das Unterstützungsangebot von 2011 bis 2014 insgesamt – 600 000 Euro kommen von der EU, 200 000 Euro von der Landesregierung in Stuttgart und 200 000 Euro von Wirtschaftsverbänden.

Die Firma PTW ist die erste in Freiburg, die nun im Gegenzug zugleich auch einen ausländischen Azubi als Praktikanten angenommen hat: Melih Yildirim (17) aus Wien, angehender Anlagenbetriebstechniker. Der junge Österreicher genießt seine Zeit in Freiburg und die Arbeit bei PTW: "Die Leute hier sind viel netter als daheim", sagt er.

Für Thomas Eberle, Betriebsleiter bei PTW, ist das Angebot von "Go for Europe" eine enorme Unterstützung. "Wir müssen die Lehrlinge nur freistellen – und der Aufenthalt im Ausland bringt sie so viel weiter", sagt er. Ein anderer Azubi sei im Vorjahr über "Go for Europe" in Italien gewesen – inzwischen ist er als Fachkraft bei PTW angestellt.

"Gerade für kleinere Betriebe ist unser kostenloser Service sehr hilfreich", sagt Sabine D'Urso. Derzeit seien Aufenthalte in England, Irland, Spanien, Italien und Frankreich im Angebot.

Weitere Infos gibt es bei "Go for Europe" unter  0761 / 15077326 oder online unter http://www.goforeurope.de

Autor: Holger Schindler