Verkehr

B-31-Anwohner fordern Tempo 30 und Fahrverbote gegen Lkw

Thomas Goebel

Von Thomas Goebel

Mi, 21. Februar 2018 um 16:14 Uhr

Freiburg

Die Anwohner der Dreisamstraße wollen sich nicht auf den Stadttunnel vertrösten lassen. Das "Forum Dreisamufer" beklagt eine Zunahme des Schwerlastverkehrs – und erwägt eine Klage gegen die Stadt.

Tempo 30 rund um die Uhr, Grundsanierung der gesamten Fahrbahn, ein nächtliches Fahrverbot für Laster ab 20 Tonnen: Anwohner der Dreisamstraße fordern drastische Maßnahmen, um die Belastung durch schwere Lastwagen und Sattelschlepper zu reduzieren. Deren Zahl habe auf der B 31 in den vergangenen acht Jahren um 37 Prozent zugenommen. Der Stadt wirft die Anwohnerinitiative "Forum Dreisamufer" Untätigkeit vor – und erwägt eine Klage.

Mehr Lkws, Pkws stagnieren auf hohem Niveau

"Wir hatten schon länger das subjektive Gefühl, dass Lärm und Wackeleien durch den Schwerverkehr ständig zunehmen", sagt Kurt Höllwarth vom "Forum Dreisamufer". Am Dienstag präsentierte er in einem Pressegespräch nun auch Zahlen. Dafür hat Höllwarth die öffentlichen Daten der "automatischen Verkehrszählung" im Freiburger Osttunnel der B 31 ausgewertet: "Die Zahlen der schweren Lastwagen gehen vor allem seit 2014 ziemlich drastisch hoch – ich vermute, das liegt an der brummenden Konjunktur." Der Anstieg in der von ihm errechneten Kategorie der Lkw mit Anhänger und Sattelschlepper habe allein in den vergangenen drei Jahren 24 Prozent betragen. Der Pkw-Verkehr dagegen "stagniert auf hohem Niveau". Für die Belastung durch Lärm und Erschütterungen seien aber fast ausschließlich die schweren Lkw verantwortlich – so wie für die massiven Straßenschäden, die wieder für mehr Lärm und Erschütterung sorgten. Der aktuelle Lärmaktionsplan basiere auf Daten von 2011 – und sei damit völlig veraltet, so die Initiative. Laut älteren Zahlen des Landesamts für Umwelt, Messungen und Naturschutz liege das Verkehrsaufkommen in der Schwarzwald- und damit auch der Dreisamstraße um etwa 60 Prozent über dem des Osttunnels.

"Wenn da die Laster drüberfahren, wackelt bei mir der Tisch."Anwohner Thomas Wetzstein

Die Stadtverwaltung reagiert nicht auf die Sorgen

Rechne man die Tunnel-Zahlen entsprechend für 2017 hoch, komme man für die Dreisamuferstraßen in beiden Richtungen inzwischen auf etwa 55 000 Fahrzeuge täglich. "Aber die Stadt reagiert seit 15 Jahren nach dem Prinzip: Augen zu und durch", sagt Anwohner Peter Gugelmeier.

Die Initiative von Anwohnern der Dreisamstraße zwischen Schwabentorbrücke und Marienstraße hatte sich gegründet, nachdem die Ufermauer der Dreisam direkt unterhalb des stark befahrenen Streckenabschnitts abzurutschen drohte. Die Mauer ist inzwischen stabil, aber die Straße werde durch die Masse der Lkw weiter massiv beschädigt: "Manchmal gießt die Stadt ein bisschen Teer in die Löcher, aber das ist nach ein paar Tagen wieder weg", sagt Anwohner Thomas Wetzstein. "Wenn da die Laster drüberfahren, wackelt bei mir der Tisch."

Die Stadt vertröste die Anwohner auf den Stadttunnel, aber der sei allerfrühestens in 15 bis 20 Jahren fertig, schätzen die Anwohner. "Es gibt ein Leben vor dem Stadttunnel", sagt Peter Gugelmeier. Die Fahrbahnen zwischen Brauerei Ganter und Kronenbrücke müssten sofort gründlich saniert werden, die Tempo-30-Zone, die nachts für Entlastung sorge, müsse auf den Tag ausgedehnt werden. Ab 20 Uhr sollten keine Lkw ab 20 Tonnen mehr fahren dürfen, eventuell könne eine "Pförtnerampel" östlich des Kappler Tunnels die Lkw-Zahl herunterregeln.

"Wir werden außerdem ein Beweissicherungsverfahren einleiten", sagt Höllwarth. Ein Gutachten solle die Erschütterungen in den Wohnungen dokumentieren, eine Klage gegen die Stadt sei zusätzlich wegen der Belastung durch Lärm, Stickoxyd und Feinstaub denkbar. "Das ist ziemlich teuer, aber wir haben schon ein bisschen Geld zusammen", sagt er. "Wir setzen aber darauf, vorher noch mal mit der Stadtverwaltung ins Gespräch zu kommen – wir reden mit jedem." Die Verwaltung teilte auf BZ-Anfrage mit, sie wolle sich zeitnah zu den Vorschlägen und Vorwürfen der Initiative äußern.
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