Kritik

Bahn will Lärmschutz in Freiburg für den Ausbau der Rheintalbahn reduzieren

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Fr, 08. Juni 2018 um 11:28 Uhr

Freiburg

Was befürchtet wurde, ist eingetreten. Sowohl die Schallschutzwände als auch die Galerien sollen nach dem Ausbau im Stadtgebiet niedriger ausfallen als vorgesehen. Die Mehrkosten betrügen 84 Millionen Euro.

Seit Montag liegen die Pläne für den 17 Kilometer langen Abschnitt 8.2 für das dritte und vierte Gleis der Rheintalbahn aus, der das Stadtgebiet und den Bereich bis Schallstadt abdeckt. Die Unterlagen füllen 21 Ordner. "Alles sichten konnten wir in der kurzen Zeit noch nicht", sagt Gerlinde Schrempp, stellvertretende Vorsitzende der "Interessengemeinschaft gegen Lärm und Umweltbelastung" (Igel) und Stadträtin von Freiburg Lebenswert/Für Freiburg. Aber die Bürgerinitiative (BI) habe sich einen ersten Überblick verschafft. Und dabei sei klar geworden: Die Bahn habe den Lärmschutz "fast überall" heruntergeschraubt, sagt Schrempp – etwa auf Höhe der Stadtteile Landwasser und Hochdorf, am Tunisee und im Bereich des Mundenhofs. Auch Galerien sind laut Schrempp betroffen.

"Der Schallschutz ist gegenüber dem, was vereinbart war, reduziert worden"Baubürgermeister Martin Haag
Die Stadtverwaltung bestätigt die Einschätzung der BI. Zwar habe auch das Rathaus die Pläne bislang nur grob durchsehen können, sagt Baubürgermeister Martin Haag. Viele Verabredungen habe die Bahn auch eingehalten. "Aber der Schallschutz ist gegenüber dem, was vereinbart war, reduziert worden", sagt er. Um sich einen genaueren Überblick zu verschaffen, werde die Stadtverwaltung die Bahn auffordern, exakt aufzulisten, wo was geändert worden sei. Hintergrund für den abgespeckten Lärmschutz ist, dass die Bahn offensichtlich mit geringeren Zugzahlen auf der Rheintalstrecke rechnet als früher. Das war bereits im Herbst vergangenen Jahres durchgesickert.

Es geht um Mehrkosten von 84 Millionen Euro

Auf Anfrage der Badischen Zeitung will die Bahn keine Details nennen, weder zu den Zugzahlen noch zu den Lärmschutzwänden. "Aber alle mit dem Projektbeirat besprochenen Aspekte wurden in den aktuellen Plänen berücksichtigt", betont Sprecher Michael Breßmer. Dieses Gremium aus Bund, Land, Kommunen und BIs hatte 2012 einen besseren Lärmschutz durchgesetzt. Im Freiburger Abschnitt geht es um Mehrkosten von 84 Millionen Euro.

Die Stadt Freiburg und die Bürgerinitiative Igel sehen indes den im Projektbeirat abgestimmten Lärmschutz durch die neuen Pläne nicht mehr als gegeben an. "Wir werden darauf pochen, dass alle Vereinbarungen eingehalten werden", sagt Baubürgermeister Haag.

Die neuen Pläne will die Bahn der Öffentlichkeit bei einer Infoveranstaltung am 19. Juni vorstellen. Protestieren können die Bürger im Moment noch nicht. Einwendungen sind erst im Laufe des offiziellen Genehmigungsverfahrens möglich, für das die Bahn die Unterlagen Ende des Jahres beim zuständigen Eisenbahnbundesamt einreichen will. Es sei aber wichtig, auch schon jetzt der Bahn zu zeigen, dass die Freiburger nicht einverstanden seien, betont Gerlinde Schrempp. Sie hofft deshalb, dass der Saal bei der Infoveranstaltung voll wird.
Infoveranstaltung am Dienstag, 19. Juni, ab 19 Uhr im Bürgerhaus am Seepark. Die Planungsunterlagen können zudem bis zum 29. Juni bei der DB-Netz AG in der Wilhelmstraße 1b (3. OG) eingesehen werden und im Internet unter http://www.karlsruhe-basel.de