Literatur

Die 3b der Schneeburgschule moderiert beim Lesefest im Theater

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Fr, 13. Oktober 2017

Freiburg

Am Sonntag werden sie das große Lesefest im Theater moderieren. Die 3b ist die Patenklasse beim Lirum-Larum-Lesefest, das eine Woche lang an vielen Orten stattfindet.

Alles fängt harmlos an, mit Marie, ihrem großen Bruder und einer stürmischen Nacht. Aber wie geht es weiter? Manche der zwölf Jungs und acht Mädchen aus der 3b der Schneeburg-Grundschule in St. Georgen wissen das. Sie haben das Buch "Wir sind nachher wieder da, wir müssen kurz nach Afrika" von Oliver Scherz gelesen. Und alle in der 3b legen sich in dieser Woche besonders ins Zeug.

Zuerst liest Sophia (8) den anderen vor: Von Marie, die ein bisschen Angst hat, weil die Eltern nicht daheim sind. Danach macht Finn (8) weiter. Doch so weit, bis plötzlich der Elefant auftaucht, den Marie und ihr Bruder Joscha kurz entschlossen zu seiner Familie nach Afrika begleiten, kommen sie nicht.

Dafür liest ihre Klassenlehrerin Renate Riedel später aus einem anderen Buch von Oliver Scherz vor, so wie sie das ohnehin in jeder Frühstückspause macht – aus "Keiner hält Don Carlo auf". Am Sonntag werden Luca und Louis (beide 8) dann im Theater vor einem großen Publikum auf der Bühne stehen und Oliver Scherz ankündigen. Andere aus der 3b werden seinen Kollegen Jörg Isermeyer begrüßen, die Freiburger Autorin Maria Hermann, den berühmten "Sams"-Erfinder Paul Maar und all die anderen, die diesmal kommen.

Wie sie das machen, haben die Kinder oft geübt, aber manchmal geht trotzdem noch was schief. Zum Beispiel bei Luca und Louis: Wer den ersten Sätzen von Luca zuhört, merkt nicht, dass was fehlt. Doch Louis, der sich auskennt, ruft hektisch dazwischen: "Du hast deinen Namen vergessen!" Also fängt Luca wieder an: "Willkommen hier im Kleinen Haus, ich freue mich, dass ihr alle gekommen seid. Ich heiße Luca." Und dann macht Louis weiter. Wenn der Moderationsstress am Sonntag vorbei ist, können die Kinder aus der 3b Oliver Scherz nochmal ganz entspannt genießen – bei einer Lesung in der Buchhandlung Fundevogel am Dienstagnachmittag. Renate Riedel hat sich rechtzeitig um Karten bemüht.

Die Kinder wundern sich: Müssen sie da wirklich nicht moderieren? "Nein", sagt Renate Riedel, "da sind wir einfach Gäste." Außerdem kommt, ebenfalls am Dienstag, Jörg Isermeyer mit seinem Buch "Die Brüllbande" in die 3b.

Autoren sind begehrter

als Autorinnen

Denn das Lirum-Larum-Lesefest ist weit mehr als das große Lesefest im Theater – bis zum 22. Oktober finden etliche weitere Lesungen in Schulen und an anderen Orten statt. Renate Riedel wollte gezielt einen Autor in die 3b einladen, keine Autorin: "Das ist toll, wenn mal ein Mann an die Schule kommt – wir haben viel zu wenige Männer", sagt sie.

So geht es vielen Grundschulen, wo überall fast nur Lehrerinnen unterrichten – umso begehrter waren die Autoren, sagt Katrin Wolff vom Kulturamt, die für die Organisation zuständig ist. Sie hat auch die 3b als Patenklasse ausgewählt. Drei Klassen hatten sich beworben, es wurde ausgelost. Renate Riedel und die 3b sind mit Begeisterung dabei und haben schon Ende Mai mit den Vorbereitungen begonnen.

Alle haben Bücher der eingeladenen Autorinnen und Autoren gelesen, einiges wurde in den Unterricht eingebaut, Renate Riedel hat die Bücher für die Klassenbücherei angeschafft. Im Sommer gab’s bereits eine Lesung – die 1984 geborene Freiburgerin Maria Hermann hat aus ihrem Buch "Tala und die vergessenen Tore" vorgelesen, das in einer Eiswelt spielt und bisher nur im Selbstverlag erschienen ist. Bei der 3b kam das Buch gut an, obwohl es sich eigentlich an etwas ältere Kinder ab elf Jahren richtet. Überhaupt sei sehr viel entstanden in den vergangenen Monaten, sagt Renate Riedel – und so motiviert soll es weitergehen: im November will sie mit ihrer Klasse an einem Workshop im neuen Literaturhaus teilnehmen, das demnächst eröffnet wird.