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18. Juli 2017

Bedenken gegen Kupferkabel

Freiburger Unternehmer befürchten wegen Vectoring-Technik künftig Engpässe bei der Breitband-Internetversorgung.

  1. Glasfasern spielen die entscheidende Rolle beim Breitbandausbau. Foto: Ingo Schneider

Freiburg ist bald – fast – flächendeckend mit Breitband-Internet erschlossen. Die BZ hat darüber berichtet und am Montag hörten bei einem Business-Lunch der Freiburger Wirtschaftsförderung FWTM im Konzerthaus rund 100 Vertreter von Unternehmen aus der Stadt nochmals die frohe Botschaft vom in Kürze allverfügbaren schnellen Internet. Doch es gab dennoch Stirnrunzeln. Denn es gibt auch weiter kleinere Versorgungslücken und es ist ungewiss, ob die etwa von der Deutschen Telekom eingesetzte Vectoring-Technik nicht schon bald zum Flaschenhals wird.

Mindestens 50 Megabit pro Sekunde – mit dieser Geschwindigkeit sollen bis spätestens Jahresende fast alle Freiburger Privathaushalte und Unternehmen das Internet nutzen können. Das bestätigte Hermann Hahn vom städtischen Garten- und Tiefbauamt, zuständig für Freiburgs Breitbanderschließung, bei der Veranstaltung. "Wir sind froh, dass wir nun vier große Netzbetreiber haben, die den Ausbau in eigener Regie und auf ihre eigene Rechnung ohne Fördergeld vornehmen", so Hahn weiter.

Die vier gemeinten Betreiber sind die Deutsche Telekom, Unitymedia, Baden-IT und Inexio. Inexio hat die Tunibergortsteile Opfingen, Munzingen und Waltershofen mit Breitbandanschlüssen versorgt. Die Badenova-Tochter Baden-IT ist spezialisiert auf Glasfaseranbindungen von Unternehmenskunden, bei Bandbreiten bis zu einem Gigabit, also 1000 Megabit pro Sekunde. Unitymedia gehört das TV-Kabelnetz – über die dort verbauten Koaxialkabel sind bis zu 400 Megabit pro Sekunde möglich und über neu installierte Unitymedia-Glasfaserhausanschlüsse sogar bis zu zehn Gigabit pro Sekunde. Die Telekom wiederum setzt wie Inexio auf Glasfaser bis zu den Verteilerknoten und auf die Nutzung der vorhandenen Kupferkabel bis ins Haus. Per Vectoring-Technik kann die Bandbreite aktuell bis zu 100 Megabit gesteigert werden. "Und bis 2018 oder 2019 werden wir das sogar noch auf bis zu 250 Megabit ausbauen", so Telekom-Regionalmanager Christopher Beußel beim Business-Lunch.

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Hotelgäste bemängeln
lahmen Onlinezugang

"Momentan wären 100 Megabit für uns eine schöne Steigerung und wohl auch ausreichend", sagt Johannes Späth, Juniorchef beim Hotel Victoria an der Eisenbahnstraße. Das Haus mit 120 Betten ist derzeit Telekom-Kunde und verfügt über einen 50-Megabit-Anschluss. "Aber schon bald könnten auch 100 oder sogar 250 Megabit zu wenig sein – wir kriegen derzeit ja schon schlechte Bewertungen von unseren Gästen, weil sie das Internet zu langsam finden." Daher erwäge man, auf eigene Kosten einen Glasfaseranschluss bis ins Haus legen zu lassen.

Für Campingplatzbetreiber Claus Busse ist die Lage noch unbefriedigender. Sein Betrieb an der Waldseestraße gehört zu jenen, die noch immer ganz ohne Breitband sind. Busse: "Die Telekom würde eine Zehn-Megabit-Leitung zu uns legen – für 500 Euro monatlich. Zu teuer!" Auch im Ortsteil Tiengen ist Breitband noch ein Problem. "Aber die Telekom wird dort hoffentlich bald Abhilfe schaffen", so Hermann Hahn von der Stadt.

Autor: Holger Schindler