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31. Dezember 2016

Begegnungscafé schafft unverbindliche Nähe

Projekt der Stiftungsverwaltung spricht geflüchtete Mütter an.

Kaffee trinken, Kontakte knüpfen, Deutsch lernen – das ist keine neue Idee. Besonders aber ist am Projekt "Bildung und Begegnung integriert Flüchtlingsfrauen" der Stiftungsverwaltung, dass es gezielt Mütter anspricht. Sie können ihre kleinen Kinder mitbringen und betreuen lassen. Das kommt gut an. Weil solche Angebote Mangelware sind, erweitert die Stiftungsverwaltung das Projekt. Ab Januar findet das Café von Montag bis Freitag jeden Vormittag statt. Bisher waren es nur drei Vormittage in der Woche.

Bis Ende 2018 kann’s weitergehen – und nun wegen der Erweiterung um zwei Vormittage sogar verstärkt im Vergleich zu den ersten eineinhalb Jahren seit Sommer 2015, als alles startete. Insgesamt liegen die Gesamtkosten bei 480 000 Euro, davon stammen 50 000 Euro vom Kommunalverband für Jugend und Soziales und 98 000 Euro von der Stadt, den Rest übernehmen die Waisenhausstiftung und die Adelhausenstiftung, die beide zur Stiftungsverwaltung gehören.

Anfangs gab’s die Überlegung, noch Dolmetscherinnen einzubeziehen. Doch dann habe sich gezeigt: "Es klappt auch so – und so ist der Kontakt direkter", sagt Helmut Roemer, der Fachbereichsleiter Kinder- und Jugendhilfe der Waisenhausstiftung. Die Kommunikation haue immer irgendwie hin, mit Gesten oder weil immer irgendeine der Frauen für die anderen übersetzen könne. Das sei gleichzeitig ein Beispiel für die Lebendigkeit, die das Begegnungscafé präge – es gehe dort sehr herzlich zu.

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Zwei Sozialpädagoginnen mit einer 50- und einer 20-Prozent-Stelle, eine Erzieherin mit 20 Prozent und sieben ehrenamtlich engagierte Frauen sind in den Räumen des Heilpädagogischen Horts am Sandfangweg der Waisenhausstiftung für die Frauen da, zwei Tagesmütter kümmern sich im Nebenraum um die Kinder.

Insgesamt tauchen derzeit rund 30 Frauen im Begegnungscafé auf, doch wie viele jeweils an einem Tag kämen, sei sehr unterschiedlich, sagt Helmut Roemer – mal seien es fünf, mal 20 Frauen. Genau diese Unverbindlichkeit sei wichtig, betont er: Dadurch würden gerade diejenigen erreicht, die von verbindlichen Angeboten überfordert seien und deshalb meist isoliert zu Hause sitzen. Auch bei den Kindern sei das Spektrum breit: Kleine Säuglinge seien ebenso dabei wie größere Kinder im Alter bis zu zwölf Jahren.

"Es klappt auch

ohne Dolmetscher"

Helmut Roemer, Fachbereichsleiter Kinder- und Jugendhilfe der

Waisenhausstiftung
Die Frauen stammen überwiegend aus Syrien, aber auch aus Afghanistan, Nigeria, Eritrea und Albanien. Viele seien Musliminnen mit Kopftuch, die in der vertrauten Atmosphäre, in der keine Männer zugelassen sind, ihre Kopftücher ablegen. Sie wohnen überwiegend in den Flüchtlingsunterkünften in der Nähe des Horts, an der Hammerschmiedstraße und an der Höllentalstraße, außerdem waren etliche bisher in der Stadthalle untergebracht und sind nun an den Kappler Knoten umgezogen.

Das Deutschlernen laufe nebenher und spielerisch, beschreibt es Helmut Roemer – und je nach Bedarf gebe es auch Unterstützung bei Ernährungs,- Gesundheits-, Erziehungs- oder Behördenproblemen.

Autor: Anja Bochtler