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02. März 2016 11:09 Uhr

AKW Fessenheim

Bei einem Reaktorunfall soll Freiburg in 24 Stunden evakuiert sein

Bei einem Unfall im AKW Fessenheim im Elsass sieht der Notfallplan die Evakuierung Freiburgs innerhalb von 24 Stunden vor. Der Umweltausschuss des Gemeinderats diskutierte darüber.

  1. Das Atomkraftwerk Fessenheim am Rhein bei Bremgarten Foto: AFP

Es bleibt ein ungelöstes Thema: Das elsässische Atomkraftwerk Fessenheim und die Frage, wann es abgeschaltet wird. Am Montag hat sich der gemeinderätliche Umweltausschuss einmal mehr damit auseinandergesetzt und Fachleute gehört. Dabei ging es auch um den Notfallplan für Freiburg. Das Regierungspräsidium will eine Infobroschüre aktualisieren. Aber ob das reicht? Wäre nicht eine offensivere Aufklärungskampagne vonnöten oder eine große Katastrophenübung? Darüber gingen die Meinungen auseinander.

Just vor einigen Tagen, bei der Jahrespressekonferenz des Akw Fessenheim, hat sich erneut herausgestellt: Zu welchem Zeitpunkt das älteste Atomkraftwerk Frankreichs vom Netz geht, ist weiter unklar. Eine Entscheidung hänge stark von den Präsidentschaftswahlen in Frankreich 2017 ab, sagte Jürg Stöcklin im Umweltausschuss. Der Basler Professor ist der Vorsitzende des Trinationalen Atomschutzverbands am Oberrhein (Tras).

Dem Zusammenschluss gehören neben der Stadt rund 100 Kommunen aus Deutschland, der Schweiz und Frankreich an, zudem Organisationen und Einzelpersonen. Sie alle wollen, dass Fessenheim so schnell wie möglich Geschichte ist. Denn die Gefahrenlage sei unverändert hoch, erklärte Christian Küppers vom Freiburger Ökoinstitut.

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Neue Richtlinien seit 2015

Wenn tatsächlich ein Reaktorunglück passiert, greift in der Region ein Katastropheneinsatzplan. Seit 2015 gelten neue Richtlinien. Die Zentralzone umfasst jetzt ein Gebiet von fünf Kilometern rund um das Akw, früher waren es zwei. In sechs Stunden sollen deren Bewohner evakuiert sein. Die "Mittelzone" wurde von 10 auf 20 Kilometer ausgeweitet und er-reicht damit auch Teile Freiburgs. Diese müssen innerhalb von 24 Stunden evakuiert sein, in der Hälfte der Zeit müssen Jodtabletten ausgegeben werden. Die "Außenzone" umfasst inzwischen 100 statt bislang 25 Kilometer.

An welchen Stellen die Jodtabletten ausgegeben werden und wo die Bevölkerung Schutz suchen kann, steht in einem Informationsschreiben des Regierungspräsidiums (RP) aus dem Jahr 2009. Dieses werde jetzt aktualisiert, erklärte RP-Mitarbeiterin Ama Leicher. Die meisten Stadträte hielten die Broschüre am Montag jedoch zum ersten Mal in der Hand. Und so gehe es wohl vielen Bürgern, meinten die Fraktionen. Aber ob es sinnvoll sei, die Informationen flächendeckend zu verteilen? Vielleicht käme es dadurch nur zu Panik, meinte SPD-Stadtrat Walter Krögner.

Im Fall des Falles gerät alles durcheinander

Ulrike Schubert von den Unabhängigen Listen forderte indes mehr Aufklärung, "damit die Bevölkerung gut vorbereitet ist". Sie regte an, auch über eine groß angelegte Übung nachzudenken. Das sei jedoch "illusorisch", meinte Krögner. Und auch Umweltschutzbürgermeisterin Gerda Stuchlik hielt von dieser Möglichkeit nicht viel, da die Katastrophe sowieso nicht real nachgebildet werden könne. Einig waren sich die Fraktionen und Bürgermeisterin Stuchlik, dass im Fall des Falles wahrscheinlich sowieso alles durcheinander gerate. Der Einsatzplan des RP sei allenfalls "ein hilfloser Versuch, dieses Chaos zu planen", sagte Grünen-Stadtrat David Vaulont.

Damit Fessenheim bald abgeschaltet wird, sei weiterhin viel Protest nötig, meinten die Fraktionen. Aber auch die französische Bevölkerung müsse stärker mit ins Boot geholt werden. So bräuchten die Bewohner des Ortes Fessenheim unbedingt Alternativen, wenn ihre Arbeitsplätze durch das Aus des Akw wegfielen.

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Autor: Jelka Luisa Beule