Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

09. Oktober 2017

Begegnungsangebot

Beim Deutsch-Türkischen Kulturtag blieb die Politik außen vor

Gemeinsam ins Gespräch kommen, türkische Kultur und türkische Kochkunst kennenlernen: Darum ging es beim Deutsch-Türkischen Kulturtag am Samstag im Bürgerhaus Zähringen und ausdrücklich nicht um Politik.

  1. Vielfältig war das kulinarische Angebot. Foto: Thomas Kunz

In politisch angespannten Zeiten sind sie nötiger denn je: Am Samstag fand zum vierten Mal der Deutsch-Türkische Kulturtag statt, diesmal im Bürgerhaus Zähringen. Wie immer wurde er organisiert vom Verein "Akademische Plattform", der 1998 von türkischstämmigen Akademikern gegründet wurde.

Alle hier betonen: Es soll nicht um Politik gehen. Sondern darum, ins Gespräch zu kommen und türkische Kultur kennenzulernen. Rund 30 Frauen haben Essen vorbereitet, so wie Akkaya Gülseren, die Bohca mitgebracht hat: Brötchen mit Kartoffelfüllung. Außerdem hat sie Gebäck mit Hackfleischfüllung und gefüllte Auberginen dabei. Ein junges Paar schlendert vorbei. Bis auf das Einkaufen im türkischen Gemüsegeschäft haben sie keine Bezüge zur Türkei oder türkischen Menschen, erzählen sie. Auf das Fest wurden sie neugierig, weil ein Flyer in ihrem Briefkasten lag.

Sie wohnen in Brühl-Beurbarung. Dort, im Stadtteiltreff am Tennenbacher Platz, laden Frauen der "Akademischen Plattform" seit 2008 regelmäßig zu Kochkursen ein. Am kommenden Freitag beginnt der nächste Frauen-Kochkurs, eine Woche später einer für Frauen und Männer, erzählt die Organisatorin Arzu Türk: Diesmal sollen internationale Rezepte ausprobiert werden, aus allen Ländern, für die sich Köchinnen gefunden haben, von Syrien und Afghanistan bis zu Frankreich und Italien. Manche kommen seit Jahren immer wieder in die Kurse, erzählt Arzu Türk. Sie freut sich, dass einige auch jetzt beim Feiern vorbeischauen.

Werbung


So wie eine ältere Frau, die mit ihrer Freundin da ist. Sie kennt seit Jahren Arzu Türk und ihren Mann Kemal Türk, die beide bei der "Akademischen Plattform" engagiert sind, und war bei einer der Istanbul-Reisen des Vereins dabei. Mit den Reisen ist es angesichts der zugespitzten Lage in der Türkei erst einmal vorbei. Bei manchen der Mitglieder des Vereins, dem eine Nähe zur islamischen Fetullah-Gülen-Bewegung nachgesagt wird, die der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan scharf bekämpft, gibt es mittlerweile auch in der Familie politische Kluften. Arzu Türk erzählt, dass ihr Vater in der Türkei seit einem Jahr nicht mehr mit ihr spricht, weil er großer Erdogan-Fan ist und die erdogan-kritische Haltung seiner Tochter nicht akzeptiert. Sie kam als Fünfjährige vor 40 Jahren mit ihren Eltern nach Deutschland. Ihre Eltern sind vor kurzer Zeit in die Türkei zurückgekehrt. Die Entwicklung der Türkei zu einer Diktatur belastet sie, auch wenn längst Deutschland ihre Heimat ist. Die Deutschen seien angesichts der Lage inzwischen leider weniger an der Türkei interessiert, sagt sie: "Das kann ich aber gut verstehen."

Rund um die Bühne ist es laut. Dort treten unter anderem türkische und griechische Folkloregruppen, Clowns und tanzende Derwische auf. Und Tarik (9), Canalp (9), Luisa (7) und Flavio (7) sowie einige andere der derzeit 16 Kinder von der "Regenbogen"-Grundschule, deren Träger der Verein "Akademische Plattform" ist. Ursprünglich gab’s dort vor allem Kinder aus türkischstämmigen Familien, das Ziel aber war Internationalität. Zurzeit haben zwölf der Schüler andere Nationalitätshintergründe, Luisa und Flavio zum Beispiel stammen aus Rumänien. Ersin Akay moderiert das gesamte Programm, er ist erst seit Anfang des Jahres bei der "Akademischen Plattform" dabei und zog aus Flensburg her. Als Sohn türkischer Gastarbeiter, der Maschinenbau studiert hat, passt er gut in den Verein. "Wir wollen den Vorurteilen etwas entgegensetzen", sagt er.

Autor: Anja Bochtler