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13. Juli 2009 18:23 Uhr

Kunst

Beim Theatersportfestival punktet Improvisationstalent

Eine Fahrradpumpe wird zur Riesenspritze, zur Rakete, zum Fernglas: Beim Theatersportfestival ist Kreativität gefragt. Über die nächste Szene entscheidet das Publikum. Und das fordert von den Schauspielern schier Unmögliches.

  1. Improtheater „Die Spontanellen“. Foto: Thomas Kunz

  2. Bei diesem Theater gibt es kein Drehbuch. Foto: Thomas Kunz

Binnen weniger Minuten verwandelt sich eine Fahrradpumpe auf der Bühne des Musikpavillons im Stadtgarten in eine Riesenspritze, dann in eine Rakete und ein Fernglas, schließlich dient sie als Messgerät der ASU Mensch, das die humanen Abgaswerte berechnet. Marathon nennt die Improvisationsgruppe "Die Spontanellen" diese Disziplin ihres Programms, weil die Schauspieler einander abklatschen. Mit jedem neuen Schauspieler wird die Fahrradpumpe, ein Requisit aus dem Publikum, von neuem umfunktioniert.

Das 13. Theatersportfestival in Freiburg wartet noch bis zum Freitagabend täglich mit Theatersport und Improvisationstheater im Stadtgarten auf. Sieben Freiburger Theatergruppen gewähren einen Einblick in die lokale Improszene. Von reinen Anfängern über Fortgeschrittene bis hin zu echten Profis – "Freistil" etwa besteht aus ausgebildeten Schauspielern – sind beim inzwischen größten Open Air Theatersport-Festival Deutschlands alle Niveaus zu sehen. Beim Theatersport geht es sehr demokratisch zu. Das Publikum schlägt Titel für Szenen vor, die live auf der Bühne improvisiert werden, oder nennt Musikrichtungen, in der die Szene dann verfremdet wird.

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So wird aus dem Improstück mit dem Titel "im Beichtstuhl" in der Heavy Metal-Version schnell eine Blutorgie, bei der Pfarrer und Sünder Teufelszeichen machen und zu harter Rockmusik ihre Köpfe schütteln. Ist sich das Publikum über den Titel einer Szene mal nicht einig, wird schnell ein Kompromiss gefunden. Aus den Vorschlägen "Schweine im Weltall" und "Abgrund der Leidenschaft" wird "Schweine aus Leidenschaft". Ein mürrischer Schweinezüchter wird von seiner Sau dazu überredet, fortan vegan zu leben.

Die Impro-Aufführungen sind kostenlos. Das Festival finanziert sich aus freiwilligen Spenden der Zuschauer. Alle Veranstaltungen finden auch bei Regen statt. Klaus Rudolph von den Spontanellen bittet: "Rücken Sie uns ruhig auf die Pelle", und lädt die Zuschauer unter das Pavillondach ein. Auf engem aber trockenem Raum geht der Theaterwahnsinn weiter. Eine Herr-und-Hund-Beziehung wünscht sich das Publikum, es möchte Hass, Ekel, Erregung und Zuneigung sehen. So muss eine Herrin ihren hasserfüllten Hund lieben, der über ihre Streichelei nur Ekel empfinden kann.

Theatersportfestival im Stadtgarten:
Um 20 Uhr treten am Dienstag die Theatergruppen "Hier und Jetzt" und morgen "IdeeFix" auf. Am Donnerstag improvisieren um 18 Uhr die Gruppen "Impro con Carne" und um 20 Uhr "Freistil". Am letzten Abend des Festivals, dem Freitag, wird ab 19.30 der "Champignon" aller sieben Festivalgruppen ermittelt. Der Eintritt ist frei, Spenden werden erbeten.

Autor: Charlotte Janz