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11. September 2009 21:26 Uhr
Verzehnfachung
Beschicker des Münstermarkts sollen mehr Parkgebühren zahlen
Unmut regt sich unter den Beschickern des Freiburger Münstermarkts: Im Juli wurde ihnen mitgeteilt, dass das Parken auf dem Münsterplatz oder in den Nachbarstraßen teurer wird – und zwar um das Zehnfache.
Das Konzept, das die Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH, kurz: FWTM, im Herbst dem Gemeinderat zur Abstimmung vorlegen wird, sieht statt 36 Euro die jährliche Zahlung von 350 Euro vor. Mit einer Unterschriftensammlung machen einige der Marktbeschicker gegen dieses Vorhaben mobil – nicht nur bei den Kollegen auf dem Münstermarkt, sondern auch bei der Kundschaft, einige hundert Unterschriften kamen in knapp zwei Wochen schon zusammen.
"Freiburg und die FWTM profitieren in hohem Maße vom Münstermarkt als touristische Attraktion", heißt es im begleitenden Flugblatt, "und sie verwerten sein Flair und Ambiente." Margit Meier gehört zu den Marktbeschickern, die sich gegen das neue Konzept wehren, weil sie der Überzeugung sind, Stadt und FWTM kassierten auch ohne die Parkgebühren quasi schon doppelt: Zum einen seien von den Marktbeschickern ohnehin Standgebühren zu zahlen, zum anderen werden dann, so heißt es in dem Flugblatt weiter, mit dem pittoresken Markt auch noch Werbeeinnahmen kassiert.
Die neu angesetzten Gebühren träfen besonders die kleinen Beschicker, erklärt Gabriela Schwarz, die mit diversen Leckereien aus Buchenbach dreimal in der Woche auf dem Münstermarkt steht. "Als das alles ausgedacht wurde mit den Parkgebühren", fügt sie hinzu, "hat niemand mit uns das Gespräch gesucht, es wurde uns dann am 1. Juli auf der Versammlung der Marktbeschicker einfach so mitgeteilt." FWTM-Chef Bernd Dallmann hat das anders erlebt: "Wir hatten eine sehr ruhige Sitzung im Juli, die war zwar verständlicherweise nicht komplett einvernehmlich, aber konstruktiv."
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Konstruktiv im Sinne der FWTM heißt: Auf einem guten Weg hin zum komplett autofreien Münsterplatz. Zwei Motoren schieben diese Neuordnung des Münstermarktes unter Regie der FWTM an: Zum einen habe das Ordinariat eine solche Neuordnung gefordert, bei der auch eine alte Regel eingehalten werden soll, dass rings ums Münster bis auf drei Meter Abstand nichts stehen solle. Zum anderen steht Freiburgs Münsterplatz an um den Titel "schönster Platz". Und den stelle sich die FWTM ganz nostalgisch als "reines Marktbild ohne Autos" vor. So jedenfalls der Eindruck von Peter Nahus, der dreimal pro Woche an Thomas Breckles Stand Allgäuer Bergkäse verkauft.
Eine nicht einlösbare Wunschvorstellung, findet Nahus: "Für uns nämlich sind die Fahrzeuge unersetzbares Arbeitsgerät." Und auch Marktfrau Margit Meier grollt: "Wir können unsere Ware ja nicht hertragen!"
Die doppelte Umweltbelastung für den Markt?
Das will auch die FWTM mit ihrem neuen Konzept gar nicht erreichen, erklärt Dallmann: "Da kann ja angeliefert werden – und in Zukunft sollen dann die Fahrzeuge in der dafür abgesperrten Schoferstraße und in einem Teil der Herrenstraße geparkt werden." Anstatt nur einmal auf den Markt zu fahren, auszuladen und zu parken, würde mit dem neuen Vorschlag erreicht, dass sowohl zum Entladen als auch zum wieder Beladen die Fahrzeuge auf den Markt führen, kritisiert Peter Nahus, "also die doppelte Umweltbelastung für den Platz."
Und dafür wäre dann das nahezu Zehnfache der derzeitigen Jahresgebühr in Höhe von 36 Euro zu zahlen, die aktuell als Zufahrtsberechtigung für den Platz gilt. Und wenn denn schon Gebühren und Neuregelungen, da sind sich die Marktleute weitgehend einig, dann bitte gerechter. Die Jahresgebühr von 350 Euro nämlich träfe die Bäuerin, die nur samstags mit ihrem selbstgezogenen Gemüse auf dem Markt steht als 7 Euro-Tagesgebühr. Für den Großanbieter von Händlerware, der an sechs Markttagen kommt, schlüge sie mit rund einem Euro zu Buche. "Einen minimalen Beitrag" nennt Dallmann beide Beträge und er spricht von einer fairen Lösung, denn "mein Herz schlägt für die Marktbeschicker".
Autor: Julia Littmann
