Zahlen für 2016

Bilanz der Freiburger VAG: Nur etwa zwei Prozent fahren schwarz

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Di, 16. Mai 2017

Freiburg

Die Freiburger Verkehrs-AG (VAG) hat ihre Schwarzfahrer-Bilanz für das Jahr 2016 gezogen. Fast 79 Millionen Fahrgäste sind im vergangenen Jahr zugestiegen. Rund 639000 von diesen – das entspricht ungefähr 0,8 Prozent – wurden kontrolliert.

Die gute Nachricht: Fast alle, nämlich 98 Prozent, hatten für die Fahrt bezahlt. 12 700 Personen oder etwa zwei Prozent aber wurden ohne gültigen Fahrschein erwischt.

Montagmittag, Linie 1 Richtung Littenweiler. Als ein unauffällig gekleideter Trupp von VAG-Mitarbeitern am Bertoldsbrunnen einsteigt, blickt ein etwa 16-jähriger Schüler von seinem Handy auf. Er ahnt wohl, dass da eine Fahrkartenkontrolle ansteht – und kauft schnell noch ein Ticket über sein Smartphone. Als es dann nach der Haltestelle Oberlinden heißt: "Die Fahrkarten, bitte", ist er fein raus. So wie alle anderen Fahrgäste in dieser Straßenbahn: Jede und jeder hat ein gültiges Ticket in der Tasche.

Dazu passen die Zahlen, die die VAG nun veröffentlicht hat. Von 639 000 kontrollierten Fahrgästen in 2016 hatten nur 12 700 keinen gültigen Fahrausweis, das sind gerade mal zwei Prozent. Ziemlich wenig – und damit ähnliche Zahlen wie bei anderen Verkehrsbetrieben, schätzt Andreas Hildebrandt von der VAG.

Doch nicht immer geht es so problemlos zu wie am Montag. An manchen Tagen, vor allem an Freitag- und Samstagabenden, erwischen die Fahrausweisprüferinnen und -prüfer der VAG bis zu 40 Schwarzfahrer pro Schicht. Dann ist das volle Programm geboten: Betrunkene Jugendliche in Gruppen machen Rabatz, weibliche Kontrolleure werden nicht ernst genommen, Fahrkartenprüfer müssen sogar mit Angriffen rechnen. "Beschimpfungen und Drohungen sind leider an der Tagesordnung", sagt ein Fahrkartenkontrolleur, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Deshalb kontrollieren sie in der Regel zu viert, mindestens aber zu zweit.

Mit derzeit 34 Prüfern ist die VAG in ihren Bussen und Bahnen unterwegs. Schwarzfahren geht für das Verkehrsunternehmen nämlich ins Geld. Den 20 Verkehrsunternehmen des Regio-Verkehrsverbundes Freiburg (RVF) entgehen, so schätzen Experten, jedes Jahr rund 1,4 Millionen Euro an Fahrgeldeinnahmen durch unberechtigte Fahrten. Im Gegenzug hat der RVF letztes Jahr knapp 460 000 Euro durch "erhöhtes Beförderungsentgelt" eingenommen – das war das Bußgeld der Schwarzfahrer, der größte Teil kommt von den Prüfern der VAG.

Doch Schwarzfahren hat nicht nur einen finanziellen Aspekt. Es geht auch um Gerechtigkeit, finden die Fahrkartenkontrolleure. "Da hast du eine Oma, die sich von ihrer Rente eine Monatskarte kauft, und andere Leute wollen umsonst fahren", sagt einer der Prüfer.

Wobei nicht alle, die erwischt werden, vorsätzlich ohne Fahrschein unterwegs sind. Vergangenes Jahr zum Beispiel meldeten sich von den 12 700 Nutzern, die den Prüfern kein gültiges Ticket zeigen konnten, 2268 etwas später bei der VAG und präsentierten ihre personalisierte Zeitkarte – sie hatten sie einfach daheim vergessen. Statt der üblichen 60 Euro Bußgeld mussten sie nur 7 Euro zahlen.

Andere wiederum werden kontrolliert und es stellt sich heraus, dass sie schon mehrmals ohne Ticket gefahren waren. Diese Schwarzfahrer zeigt die VAG an. Leute, die sich weigern, Namen und Adresse zu nennen, müssen mit zur Polizei und mit einer Anzeige rechnen. 2977 Personen waren das im vergangenen Jahr. Denn Schwarzfahren, darauf weist die VAG hin, ist kein Kavaliersdelikt, sondern erfüllt den Straftatbestand der Beförderungserschleichung.