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17. März 2015

Forschung

Biomed-Innovationspreis: Tüftler mit Blick für den Bedarf

Die drei Freiburger Gewinner des diesjährigen Biomed-Innovationspreises haben Erfindungen mit erheblichem Potenzial im Köcher.

  1. Wenn am Gehirn operiert wird, kommt es auf Präzision an. Die Freiburger Firma Promed Instruments hat hierfür die Instrumente Doro-Luna und Doro-Cobra konstruiert. Dominika Schuler, kaufmännische Leiterin des Betriebs, und Entwicklungsleiter Jörg Pfefferle präsentieren ihre Produkte an einem Schädelmodell. Foto: Ingo Schneider

  2. Günther Roth, Biochemiker, Mitarbeiter am Zentrum für Biosystemanalyse der Uni freiburg und Chef von "Immune-2-Day" - Erfinder des Gen-Kopierers Foto: Privat

  3. Das Team von links: Simon Fey, Niels Schröter, Hendrik Klosterkemper, Kai Klapdor - und dann Sigmar Gabriel Foto: Carolin Vogt

Ein Kopiergerät für Gene, ein Echtzeit-Energieverbrauchsmesser für Industriebetriebe und ein hochflexibles Präzisionsinstrument für Gehirnoperationen – die Gewinner des diesjährigen Freiburger Innovationspreises sind auf ganz verschiedenen Gebieten der Technik und Wissenschaft tätig und haben unterschiedliche Märkte im Auge. Doch eines eint sie: Sie verhelfen ihren potenziellen Kunden dazu, ihre Arbeit in Zukunft künftig besser und effizienter zu erledigen. Jede der drei Erfindungen verspricht ein beträchtliches wirtschaftliches Potenzial.

"Wir sind ständig in engem Kontakt mit Ärzten – und daher wissen wir, dass es in der Neurochirurgie einen dringenden Bedarf nach besseren Instrumenten für Operationen gibt", sagt Jörg Pfefferle (37), Entwicklungschef bei dem Freiburger Medizintechnikunternehmen Promed Instruments (PMI). Die Firma ist 1995 offiziell an den Start gegangen und beschäftigt heute am Hauptsitz in der Bötzinger Straße 38 im Gewerbegebiet Haid und einer Zweigstelle in Umkirch 30 Mitarbeiter – davon sieben in der Entwicklungsabteilung. In den USA arbeiten neun weitere Menschen für PMI.

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"Die Chirurgen wünschten sich vor allem ein flexibles und gleichzeitig sehr stabiles System, um bei ihren Eingriffen das empfindliche Hirngewebe optimal handhaben zu können", erklärt Ingenieur Pfefferle. In rund dreijähriger Forschungs- und Entwicklungszeit sind bei PMI nun die Instrumente Doro-Luna und Doro-Cobra aus hochwiderstandsfähigem Edelstahl entstanden. Sie werden am OP-Tisch montiert und sorgen für eine unverrückbare Fixierung des Schädels des Patienten. Die vielgliedrigen Arme von Doro-Cobra helfen dem Operateur beim Eingriff und können beliebig oft ohne Einbuße der Stabilität verstellt werden – auch während der OP. Die Instrumente sind, so betont PMI, sehr modular und in verschiedenen Zusammenstellungen einsetzbar. Der Verkaufspreis für den Endkunden liegt je nach Systemzusammenstellung zwischen 7 000 und 18 000 Euro. PMI ist mit seinen Produkten weltweit in 70 Ländern vertreten. Schon seit 2014 werden die Neuheiten vermarktet.

Probleme mit Maschinen lassen sich früher erkennen

In der ganz frühen Phase der Vermarktung befindet sich die Firma Enit Energy IT Systems im Solar-Info-Center beim Flugplatz. Das sechsköpfige Team aus Informatikern, Elektrotechnikern und Wirtschaftsingenieuren – Simon Fey, Niels Schröter, Hendrik Klosterkemper, Kai Klapdor, Pascal Benoit und Mehran Shakeri – im Alter von 28 bis 35 Jahren hat eine Software entwickelt, mit deren Hilfe Industrieunternehmen die Stromverbräuche ihrer Maschinen und Anlagen in Echtzeit überwachen können. Der Clou dabei: Das System kann mit quasi allen Stromzählern auf dem Markt zusammenarbeiten. "Das System hilft den Betrieben zu erkennen, wo in jedem Augenblick die Energie hinfließt. Das wiederum hilft beim Sparen und dabei, Probleme mit einzelnen Maschinen frühzeitig zu erkennen", erklärt Simon Fey. Bis zu 30 000 Euro zahlen Industriebetriebe laut Fey derzeit für solche Systeme. "Da sind wir aber billiger", versichert er. Dennoch ist das Marktpotenzial groß. Außer dem Freiburger Innovationspreis mit 2000 Euro Preisgeld (die BZ berichtete) hat Enit am Montag auf der Computermesse Cebit in Hannover auch noch den mit mit 30 000 Euro dotierten Preis des IKT-Innovativ-Wettbewerbs aus den Händen von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel erhalten.

Das Projekt "Immune-2-Day" unter Leitung des Biochemikers und Physikers Günter Roth wendet sich sich vor allem an die Pharmabranche und die Medizin. Der 38-Jährige stammt aus der Nähe von Tübingen und forscht heute am Zentrum für Biosystemanalyse der Uni Freiburg in der Habsburgerstraße 49. Gemeinsam mit seinem Team hat er eine Art Fotokopierer für Gene entwickelt. "Wir haben dabei bekannte und bewährte Verfahren der Biochemie mit einem ganz speziellen mechanischen Ansatz kombiniert", sagt Roth. Die Firmengründung stehe kurz bevor. "Wir wollen zunächst aber zeigen, dass wir mit dem Kopierer innerhalb weniger Tage einen Impfstoff entwickeln können", so Roth – bisher gehen hierfür mehrere Monate ins Land. Impfstoffe sind ein Milliardenmarkt. "Und das ist nur eine mögliche Anwendung unseres Gen-Kopierers", sagt Roth.

Autor: Holger Schindler