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12. Mai 2010 16:50 Uhr

Verkehrssicherheit

Blitzlichtgewitter in Freiburg: Wo stehen die erfolgreichsten Radarfallen?

Berufspendler umfahren sie, Brummifahrer tappen hinein, Raser bremsen sie aus: Die Blitzer. Rotlichtblitzer, Tempoblitzer und mobile Radarfallen steuern Millionen zum städtischen Haushalt bei. Und welche sind die Spitzenreiten?

  1. Radarfallen sorgen für mehr Disziplin der Verkehrsteilnehmer und sind eine wichtige Einnahmequelle für die Kommunen. Foto: Ingo Schneider

Deutschlands erfolgreichste Radarfalle steht in Bielefeld. Genauer gesagt, an der Autobahn A2, Höhe Bielefeld-Lämershagen, wie die Süddeutsche jüngst ermittelte. Das bringt Bielefeld bei 255.000 ertappten Rasern zehn Millionen Euro jährlich an Strafgebühren ein.

Auch Freiburgs erfolgreichste Radarfallen haben mit der Hinführung zur Autobahn zu tun. Allerdings sind sie kommerziell weniger erfolgreich. Dem Gemeindevollzugsdienst unterstehen zehn stationäre Rotlichtblitzer, acht stationäre Tempoblitzer und der mobile Radardienst, sagt GVD-Leiter Günter Schmidt.

Ampelblitzer: Viel Ertrag durch die B31

Unter den Rotlichtmilieus am ertragreichsten ist die B31 beidseitig entlang der Dreisam, hier trifft man auf die Top-Sechs-Blitzer: rund um die Kronenbrücke an der Schreiber-, Lessing- und Kronenstraße, weiter stadtauswärts an der Schwabentorbrücke, Brauerei Ganter und Nägeleseestraße. Da hier schwerlastreicher Durchgangsverkehr dominiert, dürften inzwischen viele Fernfahrer eine fotografische Erinnerung an Freiburg besitzen.

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Wo indes Ortskundige unter sich sind, haben Ampelblitzer wenig zu tun. Gerade die Kreuzung Berliner Allee/Sundgauallee war früher ein Unfallschwerpunkt, heute tut sich unter der Strababrücke dank Blitzanlage und verlagerter Verkehrsströme nur noch wenig. Auch der ZO-Blitzer hat seine arbeitsreichsten Jahre hinter sich: Bis zur Eröffnung des Tunnels wurden hier dreimal mehr Verstöße ermittelt, laut Schmidt lag der Spitzenwert bei 1034 Fällen im Jahr 2003.

Berufspendler: Sie kennen die Blitzer gut

Und das Schlusslicht, Isfahanallee/Waldkircherstraße, vor dem Kaufland ist nun wirklich ein alter Hut. Weil hier vor allem Berufspendler aus dem nördlichen Umland durchfahren, blieb es 2009 bei 210 Fällen. Dank 6461 Rotlichtverstößen flossen im Vorjahr 700.000 Euro in die Stadtkasse. Die Mehrzahl der Sünder (5310) überfuhr den Blitzauslöser innerhalb einer Sekunde nach dem Wechsel auf Rot und wird daher mit 90 Euro Bußgeld und drei Strafpunkten in Flensburg konfrontiert.

Wer dagegen nach dieser Sekunde noch das Rotlicht missachtet, muss 200 Euro zahlen, vier Punkte hinnehmen und das Auto einen Monat lang stehen lassen. So will es eine Gesetzesverschärfung seit Januar 2009; damals wurden die Strafsätze nahezu verdoppelt. "In Freiburg haben sich die höheren Strafen aber kaum auf die Fallzahlen ausgewirkt", sagt GVD-Leiter Schmidt.

Der leichte Rückgang von 6760 (2008) auf nunmehr 6461 Rotlichtverstöße folgt eher dem langfristigen Trend. Im Jahre 2004 registrierte der GVD noch 12.716 Rotlichtverstöße, davon allein 4061 an der Schreiberstraße. "Damals hatten wir aber mehrere Blitzer neu eingeführt", erinnert sich Schmidt. Außerdem wurde seither die Toleranzschwelle vor der Kronenbrücke erhöht.

Tempoblitzer: Vor allem Bagatellfälle

Mehr Verwaltungsaufwand bei weniger Einnahmen verursachen die acht stationären Radarfallen. Als der Gemeindevollzugsdienst mit dem Ausscheiden von Baubürgermeister Schmelas dem Portfolio des Ersten Bürgermeisters zugeordnet wurde, verfügte Otto Neideck, dass jeder Tempoblitzer mit einem Warnschild(chen) anzukündigen sei.

Verpflichtet ist eine Kommune dazu nicht, allerdings hat es – zumindest an Blitzer-Standorten – den Verkehr erkennbar entschleunigt. Von den 24.293 Tempoverstößen im Jahr 2009 "liegen über 98 Prozent im Bagatellbereich", sagt GVD-Leiter Günter Schmidt. Das sind Ordnungswidrigkeiten bis 35 Euro, die mit keinem Eintrag in Flensburg verbunden sind. Rund 500.000 Euro führte diese Form der Tempoüberwachung der Stadtkasse zu.

Dieser Wert ist seit Jahren konstant – abgesehen vom Ausreißerjahr 2008. Damals wurden 32.841 Tempoverstöße registriert, fast die Hälfte davon ging auf das Konto jener Radarfalle, die seit dem 29. Oktober 2007 die Eschholzstraße vor der Feuerwehr bewacht. Messungen mit dem mobilen Radardienst hatten darauf hingedeutet, dass dieser knappe Kilometer zwischen Pressehaus und Breisgau-Milch-Areal gerne als Rennstrecke genutzt wurde. Diese Vermutung bestätigte sich laut Schmidt nach dem Installieren der Radaranlage: "Allein in den ersten zwei Monaten danach kam es zu 3370 Verstößen."

Seither ist vor allem nachts oft zu beobachten, wie Ortskundige den von Schrebergärten umsäumten Blitzer zügig anfahren, kurz davor scharf bremsen und danach wieder Gas geben. Daher setzt der GVD auch hier gerne sein drittes Standbein ein: den mobilen Radardienst.

Mobiler Radardienst: 2,5 Millionen Euro für die Allgemeinheit

Für den Gemeindevollzugsdienst ist "die Verkehrssicherheit maßgeblich", sagt sein Leiter Günter Schmidt. Wenn es primär um Einnahmen ginge, müsste der GVD nur weitere Messfahrzeuge anschaffen. Die drei vorhandenen Fahrzeuge ermitteln nämlich jährlich 105.000 Tempoverstöße (2009), was der Stadt 2,5 Millionen Euro einbringt. Zwei dieser Fahrzeuge sind mit Front- und Heckkamera ausgerüstet, so dass sie in beide Richtungen blitzen können.

Allerdings sind sie Alt-Freiburgern inzwischen offenbar so geläufig, dass ihre Effizienz weit zurückfällt hinter den dritten GV-Dienstwagen: Er ist mit einem flexiblen Stativblitz ausgerüstet, der, außerhalb des Wagens postiert, von Rasern kaum zu erkennen ist. Schmidt kündigt schon an, dass der mobile Radardienst ab Ende Mai, wenn hier nachts das neue Tempolimit gilt, verstärkt auf dem Zubringer Mitte eingesetzt werde.

Gut 3,7 Millionen Euro haben allein Rotlichtblitzer, Tempoblitzer und mobile Radarfallen im Vorjahr zum städtischen Haushalt beigesteuert. Das ist im Vergleich zu Bielefeld-Lämershagen wenig, im Einzelfall für manche Betroffenen aber doch viel Geld. Günter Schmidt, dessen Dienststelle diese Einnahmen "erwirtschaftet" hat, sieht das ganz pragmatisch: "Es liegt an jedem selbst, ob er unsere Stadt auf diese Weise mitfinanzieren will oder nicht."

Fallzahlen 2009 – Ampelblitzer
1. Schreiberstraße/Kronenbrücke: 1320 Fälle
2. Lessingstraße/Kronenbrücke: 1222
3. Leo-Wohleb/Schwabentorbrücke: 1008
4. Schwarzwaldstraße/Brauerei Ganter: 561
5. Schwarzwaldstraße/Nägelesee: 550
6. Kronenstraße/Kronenbrücke: 467
7. Eschholzstraße/Ochsenbrücke: 400
8. Schwarzwaldstraße/Höhe ZO: 392
9. Berliner Allee/Sundgauallee: 341
10. Isfahanallee/Waldkircherstraße: 210

Fallzahlen 2009 – Tempoblitzer
1. Eschholzstraße/Feuerwache: 7266 Fälle
2. Schlossbergring: 4320
3. Kronenstraße stadteinwärts: 3586
4. Kronenstraße stadtauswärts: 3156
5. Tullastraße, bei Obi: 2716
6. Schwarzwaldtrasse, beim Jahnstadion: 1790
7. Guildfordallee, vor Uffhauserstraße: 756
8. Elsässerstraße/Landwasser: 702

Fotos: Wo Freiburgs erfolgreichste Blitzer stehen

Autor: Toni Klein