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23. Oktober 2014

Bombenalarm am Bahnhof

Polizei räumt Gebäude und sperrt die Bismarckallee / Zugverkehr stundenlang unterbrochen.

  1. Hunderte von Menschen beobachteten nach der Evakuierung der Bahnhofsgebäude den Polizeieinsatz. Foto: Ingo Schneider

  2. Sprengstoff-Spürhunde aus Offenburg schnüffelten an den Schließfächern auf Gleis 1 des Freiburger Hauptbahnhofs. Foto: Fotos: Ingo Schneider

Eine Bombendrohung gegen den Freiburger Hauptbahnhof hat am Mittwochnachmittag für gut zwei Stunden den Fern- und Nahverkehr lahm gelegt. Kurz nach 14 Uhr klingelte nach Angaben der Polizei in einem im Bahnhof gelegenen Café das Telefon. Der Anrufer drohte, um 15.30 Uhr eine Bombe zu zünden. Das Bahnhofsgebäude wurde evakuiert, die Züge über die Güterbahnstrecke umgeleitet. Gegen 16 Uhr gab es Entwarnung, der Zugverkehr normalisierte sich erst nach und nach.

Wenige Minuten nach dem Eingang der Bombendrohung waren die ersten Einsatzkräfte der Polizei beim Hauptbahnhof. Sie sperrten die Bismarckallee für den Verkehr und begannen mit der Räumung des gesamten Hauptbahnhofs nebst Tiefgaragen und Türmen. Hunderte Menschen wurden in Sicherheit gebracht: Reisende, Mitarbeiter betroffener Unternehmen. Kitteltragende Teams örtlicher Arztpraxen und Menschen in Sportkleidung, die in einem Fitnessstudio im Bahnhofsgebäude trainierten, harrten auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Bismarckallee aus und beobachten den Polizeieinsatz.

Auch der Bahnverkehr wurde umgehend unterbrochen. "Sicherheit geht vor", sagte Bahnsprecher Werner Graf in Stuttgart. Die Fernzüge wurden auf der Güterbahnstrecke um Freiburgs Stadtmitte herumgeleitet, in Gundelfingen und Bad Krozingen wurden Nothalte eingerichtet. Von dort transportierten Busse die Passagiere weiter nach Freiburg. "Natürlich waren für die aber auch alle Anschlüsse weg", bedauerte Graf.

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Die Polizei forderte speziell ausgebildete Sprengstoff-Spürhunde in Offenburg an. Die Staffel traf gegen 15.30 Uhr ein, die Hundeführer und ihre Tiere suchten das Bahngelände ab, und nahmen auch die Gleise unter die Lupe. Eine knappe halbe Stunde später gaben die Spürnasen Entwarnung. Es wurde kein explosives Material gefunden. Gegen 15.56 Uhr wurden die Gleise wieder freigegeben, zunächst aber nicht das Bahnhofsgebäude: Dort suchten laut Helmut Mutter, Sprecher der Bundespolizei, die Diensthundeführer mit den Sprengstoffsuchhunden in den folgenden 30 Minuten alles ab, schnüffelten die Tiere unter anderem bei den Schließfächern nach Sprengstoff. Doch auch hier konnten sie schließlich Entwarnung geben.

Für Reisende und Pendler normalisierte sich die Lage nur allmählich. "Es gab erhebliche Auswirkungen," so Bahnsprecher Graf. Auf der Rheintalstrecke gebe es ein hohes Fahrgastaufkommen. Das wurde zudem verstärkt durch einen Tourismuskongress, der am Mittwoch im Konzerthaus stattfand. "Die Bahn hat einen immensen Schaden durch die Zugausfälle und die Ersatzaufwendungen", sagte Helmut Mutter von der Bundespolizei. Auch die Kosten für den Polizeieinsatz könnten vom Täter eingefordert werden.

Eine schöne Szene spielte sich am Rande der Absperrung ab: Ein Beamter der Polizei holte einem Reisenden den Rollkoffer aus einem Schließfach, damit der ältere Herr seine Reise mit dem Fernbus antreten konnte.

Erneute Drohung fast auf den Tag genau

Zufall oder nicht: Am 21. Oktober 2013 – also vor fast genau einem Jahr – hatten in Freiburg gleich zwei Bombendrohungen für Aufregung gesorgt. Sowohl das Rathaus als auch der Hauptbahnhof mussten nach Drohanrufen evakuiert werden. Seinerzeit konnte der Anruf von der Polizei zu einem Apparat im Freiburger Umland zurückverfolgt werden – allerdings war es nicht möglich nachzuweisen, wer ihn benutzt hatte. Ob der aktuelle Fall womöglich mit dem von einem Jahr in Zusammenhang steht, ist derzeit unklar. "Das kann ein Zufall sein", so Helmut Mutter von der Bundespolizei. "Es kann aber auch sein, dass es derselbe Anrufer war, der sich an den Jahrestag erinnert hat. Da müssen die Ermittlungen abgewartet werden."

Autor: Carolin Buchheim und Martin Herceg