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27. Oktober 2011

Statistik

Mehr Geburten, weniger Sterbefälle - Freiburg boomt

Boomtown im Breisgau: Im vergangenen Jahr haben die Freiburgerinnen so viele Kinder zur Welt gebracht wie noch nie.

  1. Schöne Aussichten: Freiburg wächst, hat eine junge Bevölkerung und wartet mit neuen Jobs auf. Foto: Schneider

  2. Schöne Aussichten: Freiburg wächst, hat eine junge Bevölkerung und wartet mit neuen Jobs auf. Foto: Schneider

Freiburg hat den höchsten Geburtenüberschuss in Deutschland. Im vergangenen Jahr haben Freiburgerinnen so viele Kinder wie noch nie zur Welt gebracht. Gleichzeitig ist die Zahl der Sterbefälle gesunken. Das geht aus dem statistischen Jahrbuch 2011 hervor, das Finanzbürgermeister Otto Neideck gestern vorgestellt hat. Der Wälzer wartet mit weiteren Superlativen auf: Freiburg wächst landesweit am stärksten, hat die jüngste Bevölkerung und die niedrigste Kaufkraft. Und er räumt mit der Mär vom Pensionopolis auf.

»Warum die Zahl der Geburten im vergangenen Jahr auf 2303 emporschnellte, kann der städtische Chefstatistiker Thomas Willmann nicht erklären. Der Ausreißer hat Folgen: Die Stadt Freiburg muss ihren Bedarfsplan für Krippen- und Kindergartenplätze korrigieren. Nach oben. Fürs laufende Jahr erwartet er indes wieder eine durchschnittliche Geburtenzahl.
»Es sind im Jahr 2010 nicht nur mehr Kinder geboren, es sind auch weniger Menschen gestorben. Deshalb fällt der Geburtenüberschuss erstmals bei der Zunahme der Bevölkerung ins Gewicht. Bislang hatte sich vorwiegend der Zuzug nach Freiburg ausgewirkt. Aus einer bundesweiten Arbeitsgruppe mit kommunalen Statistikern weiß Thomas Willmann: "Einen Überschuss wie Freiburg hatte im vergangenen Jahr niemand."

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»Am gebärfreudigsten waren die Frauen in Opfingen und Brühl-Industriegebiet. Die geringste Fruchtbarkeitsziffer, wie es in der Statistik heißt, weisen Alt-Betzenhausen und die Altstadt auf. Der Stadtteil Vauban findet sich erstaunlicherweise nur auf Rang 35 von 41 Stadtbezirken. Das andere Neubaugebiet – Rieselfeld – landet immerhin auf dem achten Platz.
»Seit Jahren wächst die Einwohnerzahl. Und davon gibt es gleich drei: Die amtliche Statistik des Landes, die die Volkszählung von 1987 fortschreibt, weist für Freiburg 224 200 Einwohner aus (2009: 221 900). Das städtische Einwohnermeldeamt hingegen zählte 214 000 Menschen in Freiburg und 205 400 mit Erstwohnsitz (203 200).
»Nach Freiburg ziehen etwas mehr Ausländer als Deutsche. Die Statistiker rechnen damit, dass langfristig der Anteil der Freiburgerinnen und Freiburger mit deutschem Pass konstant bleibt, während der Ausländeranteil steigt. Er liegt derzeit bei 14,3 Prozent. Von den Stadtkreisen im Ländle liegt nur Baden-Baden noch darunter (13,1 Prozent).
»Freiburg gilt seit jeher als Stadt der Seniorinnen und Senioren. Spötter sprechen von "Pensionopolis". Tatsächlich aber hat Freiburg mit 40,9 Jahren den niedrigsten Altersschnitt in Baden-Württemberg. Der Anteil der Menschen über 65 Jahre ist mit 16,3 Prozent landesweit am niedrigsten. Den höchsten Anteil an Senioren hat St. Georgen Süd, den niedrigsten Vauban.
»Kräftig zugenommen hat die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf 103 500 Ende des Jahres 2010. Das sind knapp 2400 mehr als im Vorjahr. Zum Vergleich: Im Jahr 2003 gab es in Freiburg noch 95 600 solcher Jobs. Dabei sind Beamte und Freiberufler nicht einmal eingerechnet. Gleichzeitig gibt es Branchen auf dem absteigenden Ast: Von 99 Betrieben im verarbeitenden Gewerbe mit 12 600 Beschäftigten sind nach sieben Jahren noch 81 mit 9600 Mitarbeitern übrig geblieben.
»Die Zahl der Autos nimmt seit drei Jahren wieder zu und liegt bei 82 000. Weil aber die Bevölkerung noch stärker wächst, ist die Pkw-Dichte gesunken. Nur in Karlsruhe gibt es weniger Autos pro Kopf. Am liebsten fahren Freiburger einen VW, gefolgt von Mercedes. Seltenheitswert haben Alfa Romeo.
»1130 Haushalte suchten im vergangenen Jahr eine Wohnung. Im Vorjahr waren es 15 weniger. 3270 Haushalte haben Wohngeld erhalten, hundert mehr als im Vorjahr.
»Im Jazzhaus gab es im vergangenen Jahr 148 Konzerte, sieben mehr als 2009, aber 126 weniger als im Jahr 2006.
»Seit vier Jahren besuchen immer weniger Kinder und Jugendliche die öffentlichen Schulen. 19 600 waren es im Schuljahr 2009/2010. Auf der anderen Seite erleben Privatschulen einen Boom: Mit 5240 Schüler waren es 41 Prozent mehr als noch im Schuljahr 2002/2003.
»63 300 Mitglieder zählen Freiburgs Sportvereine – Rekord. Am auffälligsten findet der Finanz- und Sportbürgermeister, dass die Sparten (Tisch-)Tennis, Badminton, Squash um 1250 auf 4350 Mitglieder zugenommen haben.

Statistisches Jahrbuch 2011, 274 Seiten, 10 Euro, erhältlich beim Amt für Bürgerservice, Fahnenbergplatz 10, oder unter http://www.freiburg.de/statistik


Autor: Uwe Mauch