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26. Februar 2010 17:45 Uhr
Benefiz in Waltershofen
Box-Debüt: Kirchbach steigt in den Ring
Eine große Karriere als Superschwergewichtler im Boxen hat Ulrich von Kirchbach nicht mehr vor sich. Dafür fing er zu spät an. Trotzdem ist der OB-Kandidat seit Monaten im Training. Denn was tut man nicht alles für eine gute Sache.
Ulrich von Kirchbach. Beruf: Sozialbürgermeister. Alter: 53 Jahre. Größe: 190 Zentimeter. Gewicht: 92 Kilo. Ambitionen: Oberbürgermeisterkandidat und Boxnovize. "Er hat sich richtig gemacht in den letzten vier Monaten", sagt Boxtrainer Martin Wehle, den Blick aufmerksam auf Kirchbach gerichtet, der gerade versucht, einen Sandsack kleinzukriegen. Wehle kann das einschätzen, immerhin war er selbst 16 Jahre lang aktiv und hat 148 Kämpfe bestritten. Bei der Box-Sport-Vereinigung Freiburg betreut er das sogenannte Gentlemen-Boxen, wo Manager freitag abends trainieren. Gentlemenboxer aus Freiburg, Stuttgart und Leipzig liefern sich nächsten Samstag einen Schaukampf und dabei sein wird auch Freiburgs Sozialbürgermeister. Er hofft, nicht als Fallobst.
Linke hoch! Nicht in den Clinch! Auf die Führhand achten! "Je näher der Kampf rückt, desto mehr Respekt kriegt man", sagt Kirchbach in der Trainingspause. Er schwitzt. Sparring, Schattenboxen, Seilspringen, und immer tief atmen, denn der Sauerstoffhaushalt, sagt Wehle, das ist das Wichtigste. Gehorsam schnauft Kirchbach und schwitzt noch ein bisschen mehr. Für seinen Kampf trainiert er ein bis zwei Mal pro Woche je anderthalb Stunden im "Fight Club" in Merzhausen; die Halle der Weiherhofschule, die die Box-Sport-Vereinigung sonst belegt, wird ja gerade saniert. "Da hilft’s auch nicht, wenn ich bei Schulbürgermeisterin Stuchlik vorspreche", sagt Kirchbach und grinst.
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Dass er boxt, um seinem Wahlkampf mehr Drive zu geben: Quatsch, sagt Kirchbach. "Man hat mich schon für den Benefizkampf angefragt, bevor ich mich zur Kandidatur entschieden habe." Nach einer gewissen Bedenkzeit habe er zugesagt – obwohl seine Frau nicht begeistert war. Jetzt, sagt Kirchbach, sei sie einverstanden, "nachdem sie gemerkt hat, dass ich auch besser beim Tanzen werde". Der Erlös des Benefizabends geht an zwei Jugendgruppen: den Nachwuchs der Box-Sport-Vereinigung und den Verein "box.cool", wo benachteiligte Schüler Boxunterricht erhalten. "Denn Boxen ist Konzentration, Respekt, Disziplin, Durchsetzungsvermögen", sagt Wehle – Eigenschaften, die Jugendliche im täglichen Leben brauchen. Boxen, das sei so anspruchsvoll wie Schachspielen, findet Kirchbach, "eine Schule fürs Leben". Und für den Wahlkampf? "Das auch."
Heute ausnahmsweise mit dabei am Sandsack ist Michael Klaeren. Der Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Steuerberaterkammer Südbaden wird gegen Ulrich von Kirchbach boxen. "Er ist größer und schwerer, ich bin jünger und erfahrener", sagt Klaeren und zwinkert, um zu zeigen: Wehtun will man sich bei diesem Benefizboxen nicht. Beide Kontrahenten werden mit Kopfschutz in den Ring steigen, wenn sie im sechsten Kampf gleich nach der Pause dran sind. Aber was, wenn Kirchbach zu Boden geht? Übel eine reingesemmelt kriegt? Sich womöglich die Nase bricht? Was gibt das für Schlagzeilen, wie wird dann der Wahlkampf? Was den Kandidaten Kirchbach durchaus beunruhigen könnte, nimmt der Boxer sportlich: "Die Fotos fürs Wahlplakat sind ja schon gemacht."
Autor: Simone Lutz
