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23. Juli 2010 18:15 Uhr
Holzbau
Brandversuch: Feuer frei im Rieselfeld
Normale Holzhauswände brennen schneller als Massivholzwände. Das hat jetzt ein Test von Wolfgang Frey gezeigt. Die Versuchsbauten ließ er gegen einen 5000-PS starken Flammenwerfer antreten.
Architekt Frey baut im Rieselfeld das erste Mehrfamilienhaus aus Holz. Neben der Baustelle ließ er Flammenwerfer auf die beiden Holzbausysteme richten. Den Sicherheitsstandards genügen alle zwei, sagt die Feuerwehr.
In Freiburg werden immer mehr Holzhäuser gebaut, auch im Stadtteil Rieselfeld. Nach einem Brand in einem Mehrfamilienhaus im Stadtteil Betzenhausen im Mai war klar: Die Feuerwehr hat in Holzhäusern Probleme zu verhindern, dass sich der Brand schnell ausbreitet. Eine Etage des Gruberhofs war rapide ausgebrannt. Sie war in Holzständerbauweise gebaut, wie sie gang und gäbe ist.
Eine Holzständerwand und die Massivholzwand, die Frey für das Haus im Rieselfeld verwendet, hat der Architekt nun am Donnerstagabend einem Versuch unterzogen. Aus 5000-PS-Brennern eines waagerecht gekippten Fesselballonkorbs wurden Flammen auf eigens aufgestellte Wandstücke geworfen. Nach zweieinhalb Minuten unter Beschuss brannte die konventionelle Konstruktion aus Balken, Latten, Steinwolle und Gipskarton – von innen heraus.
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Nach der gleichen Zeit kokelte die Massivholzwand aus über Kreuz verleimten Brettern, nach der doppelten glomm die Oberfläche. An der hatte sich eine dünne Kohleschicht gebildet, die das Feuer erstickte. Auf eine weitere Massivholzwand hatte Frey als Brandschutz zusätzlich Rigipsplatten geschraubt, darunter war sie nach dem Befeuern wie neu.
"Ich wüsste, wo ich einziehen würde", sagt Gerhard Meier vom Liegenschaftsamt, der dem Spektakel zusieht. Die Stadt sei interessiert, dass mit nachwachsenden Rohstoffen gebaut wird. Der Preis der Wand aus massivem Holz sei vergleichbar mit einer aus Stein. Auch Klaus Siegl, "Mister Rieselfeld" und von Haus aus Statiker, ist beeindruckt.
"Von der Landesbauordnung müssen beide Systeme die gleichen Mindestanforderungen erfüllen", stellt Frank Eichin, Beobachter vom Amt für Brand- und Katastrophenschutz, klar. Das heißt: Die tragenden Teile eines Hauses müssen per Gesetz so lange dem Feuer standhalten, dass die Menschen darin gerettet werden können. Wie lange, hängt von der Größe der Hauses ab. "Ich würde auch da einziehen", sagt Brandschutzexperte Eichin und weist auf die konventionelle Bauart, "ich komm’ da raus."
Wolfgang Frey will zeigen, dass Holzbau nicht Holzbau ist. Er hat die Massivholzplatten mitentwickelt, Tests – wie der mit der aufgeschraubten Rigipsplatten – sollen Verbesserungen ermöglichen. Am Verkauf verdient er nicht, versichert er. Während sich der Architekt für die Hülle des Hauses interessiert, ist aus Sicht der Feuerwehr das Inventar das eigentliche Problem im Brandfall: Teppich, Sofa, Lampen, Kunststoffe stecken in jedem Haus und gehen in Rauch auf, der für die Bewohner lebensgefährlich ist. Deshalb appelliert Frank Eichin, Rauchmelder zu installieren.
Die Bauordnung definiert nur Mindeststandards für den Personenschutz. Für die Besitzer ist aber auch wichtig, was mit ihrem Haus geschieht. Der Rieselfeld-Versuch zeigt: Von der Massivholzwand bleibt mehr übrig. Neben der Baustelle herrschen nicht gerade Laborbedingungen. Aber so wie es aussieht, hält sie einem Feuer länger stand.
- Fotos: Brandversuch im Rieselfeld
- Brandbekämpfung: Wenn Holz brennt, zählen Minuten
Autor: Simone Höhl
