Narrensaison

Breisgauer Narrenzunft läutet die Narrensaison ein

Hans Sigmund

Von Hans Sigmund

So, 12. November 2017 um 10:45 Uhr

Freiburg

"Kummt eins zum ander, s’ geht nur mit’enander!" – trotz kaltem regnerischen Schmuddelwetter kamen die Aktiven der Breisgauer Narrenzunft (BNZ) in Scharen in das Bürgerhaus Zähringen.

Herzerwärmend ging es da zumindest für die Noch-Bundesfamilienministerin Katarina Barley (48) zu, die mit dem Narrenpreis ausgezeichnet wurde. Zudem wurde an dem Abend das Narrenlicht für die neue Fasnetsaison entzündet und das Motto verkündet. Es lautet: "Kummt eins zum ander, s’ geht nur mitenander!"

Katarina Barley wird ausgezeichnet

Im schwarzen Anzug die Herren, im eleganten Abendkleid die Damen, so begann am "Elften im Elften" die närrische Saison. Nur je ein oder zwei Zünftler der einzelnen Narrennester kamen im Fasnethäs (Kostüm). Begleitet von den Klängen der Ranzengarde eroberten sie die Bühne, um das begehrte Narrenlicht in Empfang zu nehmen. Laternenanzünder Uli Flamm von den "Herdermer Lalli" holte bei seinem "Lichtspruch" unter dem Kehrvers "Z’ Friburg in de Stadt, nit immer sufer isch’s un glatt!" so manches ans närrische Tageslicht – da ging es unter anderem um den Platz der Alten Synagoge, das Freiburger Verkehrschaos, das Siegesdenkmal, aber auch die Jamaika-Verhandlungen in Berlin. Unter dem Applaus des Publikums entzündete er danach die Feuerschale und die vielen kunstvoll gefertigten Narrenlaternen der Zünfte, allen voran der Protektoratszunft der "Littenweilemer Wühlmäuse".

Auf dem Fuß folgte ihm der Münsternarr Markus Weber (Fasnetrufer), der nach der Bekanntgabe des Mottos ebenfalls in pointierter Versform Stadt-, Land und Weltgeschehen glossierte. Besonders hatte es ihm Donald Trump angetan ("Er twittert, Mann oh Mann, weil er nit richtig rede kann!").

Dann wurde als Narrenpreisträgerin 2017 Katarina Barley (SPD) – zurzeit noch Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend – auf die Bühne gebeten. Ihr zu Ehren war auch die gesamte hiesige SPD-Prominenz gekommen, darunter Gernot Erler für den Bund, Gabi Roland für das Land und Ulrich von Kirchbach für die Stadt.

Narrenpreis über 1.111,11 Euro

In einem Zwiegespräch von "Münsternarr" Markus Weber und "Magister" Peter Kalchthaler, wurde zunächst der politische und närrische Lebenslauf der Superministerin aufgerollt, die derzeit auch noch kommissarisch das Arbeits- und Sozialministerium mitverwaltet, bevor sie aus den Händen des Oberzunftmeisters der BNZ, Matthias Moser, den mit 1111,11 Euro dotierten Preis entgegen nahm. Sie hatte ihn sich verdient, weil sie bei einem Laufwettbewerb für Kinderrechte im Freiburger Seepark-Stadion spontan in den ausgeliehenen Laufschuhen einer BNZ-Närrin eine Sponsorenrunde mit gelaufen war.

Katarina Barley, in Köln geboren und in ihrer Heimatstadt Schweich an der Mittelmosel selbst in zwei Karnevalsvereinen aktiv, freute sich sichtlich über die Anerkennung und gab das Preisgeld an die Freiburger Narren zurück, damit diese es für die nächste Lauf-Aktion bereits als finanzielles Polster einsetzen können. Mit stehenden Ovationen wurde die designierte Ex-Ministerin von der Bühne verabschiedet. Durch das offizielle Programm führte Elferratspräsident Achim Wiehle als Conférencier.

Die Protektoratszunft der Wühlmäuse stellte sich danach mit einer Tanzparodie vor, in der Zunftvogt Fredi Eckerle mit goldener Krone eine Ehrenrunde drehte. Bevor dann das Publikum zum Tanzen auf die Bühne durfte, gestaltete das Frauenballett "Candy-Girls" der Westhansele in Matrosenkostümen das Finale.