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09. November 2010 20:21 Uhr
Enke-Todestag
Bündnis gegen Depressionen: Kaum Hilfe von Kassen, Stadt und SC Freiburg
Robert Enkes Tod jährt sich - und die Frage bohrt: Was wurde aus dem Suizid des Fußballers gelernt? Nicht viel, ist mit Blick auf das Freiburger Bündnis gegen Depressionen zu befürchten.
Dieser tragische Tod, konnte, ja durfte nicht ohne Konsequenzen bleiben. Darin waren sich nach dem Suizid Robert Enkes fast alle Experten, Funktionäre und Politiker einig: "Wir haben eine Aufgabe gestellt bekommen von Robert, über die sollten wir nachdenken", sagte stellvertretend für viele der Manager von Enkes Verein Hannover 96, Jörg Schmadtke. Eine Aufgabe, die zu erfüllen sich leider als ziemlich schwierig herausstellt – auch deshalb, weil der Hilfeschrei des Nationaltorhüters, der sich mit seiner Krankheit vereinsamt, verlassen und nicht geduldet fühlte, schnell verhallte. Denn, wie man bereits in Freiburg beobachten kann: Sobald es daran geht, dies Aufgabe konkret mit Leben zu füllen, gerät sie schnell in Vergessenheit.
Im Jahr 2006 bewies der Münchner Uniklinik-Psychiater Ulrich Hegerl, dass man auch als Nicht-Mediziner und Nicht-Verwandter etwas gegen Depressionen tun kann. Hegerl schmiedete mit Ärzten, Einrichtungen, Firmen und Laien in Nürnberg ein Bündnis gegen Depressionen. Gemeinsam, so eines der Hauptziele, wollte man mit Hilfe der üppig fließenden Forschungsgelder den Ärzten beibringen, die Kranken schneller zu erkennen und zu behandeln. Das zweite Ziel: Mit Plakaten, Kino-Werbespots und Informationsveranstaltungen den Nürnbergern zu vermitteln, dass die Depression ein Leiden ist wie Krebs oder Bluthochdruck auch – eine teils erbliche Krankheit, die in diesem Fall nur den Kopf betrifft. Dem mit einem "Stell dich mal nicht so an" nicht beizukommen ist.
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Der Erfolg war beeindruckend, ein Viertel weniger Suizidversuche und Suizide – sprich 36 gerettete Menschenleben in zwei Jahren. "Vor allem auch deshalb, weil die Kranken sich weniger stigmatisiert und ausgeschlossen fühlten", sagt Hegerl. Nachdem bereits in 56 weiteren deutschen Städten ähnliche Bündnisse vereinbart wurden, schlossen sich Anfang des Jahres auch unter dem Eindruck der Enke-Tragödie in Freiburg Kliniken, Ärzte, Therapeuten und Laien zusammen, um den hiesigen geschätzt 12.000 Depressionskranken zu helfen.
"Eine Lektion" nennt Mathias Berger, Chef der Uniklinik-Psychiatrie das, was er in den nächsten Monaten erleben durfte. Mitstreiter waren schnell und reichlich gefunden, seine Klinik beauftragte sogar selbst eine speziell geschulte Sozialarbeiterin, Aufbau und Organisation des Bündnisses zu leiten. Sie war auch gezwungen, hier einzuspringen, weil weitere Unterstützung oft ausblieb. 35 Briefe an potenzielle Sponsoren wurden gar nicht oder abschlägig beantwortet. Selbst von den Krankenkassen. "Angesichts der Vielzahl der Anfragen sind keine Mittel da, um das Projekt zu unterstützen", so AOK-Pressesprecher Frank Kölble.
Von der Stadt Freiburg war ebenfalls bisher keine Hilfe zu bekommen. Unterstützung sei eventuell, die Zustimmung des Gemeinderates vorausgesetzt, erst ab dem nächsten Haushaltsjahr 2011 möglich, hieß es. Noch ist nicht entschieden, ob das Geld überhaupt von der Verwaltung beantragt werden wird. Ein aktueller Antrag an den Gemeinderat zur Mittelfreigabe für das Projekt wurde abgelehnt.
500 Euro machte immerhin der SC Freiburg locker, damit hatte es sich aber auch mit dem Engagement. Bevor sich Enkes Ex-Verein Hannover 96 nicht engagiere, werde man auch selbst nichts machen, hieß es in der Vorstandssitzung.
- Interview: SC-Profi Jan Rosenthal über Robert Enkes Tod
- Erklär's mir: Was ist eine Depression?
Autor: Michael Brendler
