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19. August 2016 10:28 Uhr

BZ-Ferienaktion 2016

BZ-Leserinnen und -Leser informieren sich über "Fairjeans"

Am Mittwoch haben rund 60 BZ-Leser einiges über die Produktion von Jeans erfahren. Miriam Henninger und Walter Blauth erklärten, warum sie mit "Fairjeans" auf Bio-Baumwolle und sichere Arbeitsbedingungen setzen.

  1. Die blauen Bio-Hosen konnten von den BZ-Gästen, die sich überall auf der engen Ladenfläche ausbreiteten, ausgiebig befühlt werden. Foto: Rita Eggstein

  2. Walter Blauth (oben) informierte über die Produktion der Jeans. Foto: Rita Eggstein

  3. Fairjeans. Foto: Rita Eggstein

  4. Die Produktentwicklerin Miriam Henninger (links) entwirft die „Fairjeans“. Foto: Rita Eggstein

  5. Walter Blauth zeigt das Herren-Modell, erhältlich ist es in drei Blautönen. Foto: Rita Eggstein

  6. Interessiert schauten sich die BZ-Leserinnen und -Leser um. Foto: Rita Eggstein

  7. Aufmerksame Teilnehmerinnen und Teilnehmer der BZ-Ferienaktion. Foto: Rita Eggstein

Giftstoffe? Die gibt’s in den beliebtesten blauen Hosen, den Blues Jeans, reichlich – genau wie in allen konventionell erzeugten Kleidungsstücken. Doch Miriam Henninger und Walter Blauth produzieren Jeans, die anders sind. Möglichst ohne Gift und sozial fair: Sie achten auf die Arbeitsbedingungen in der Jeansherstellung. Darüber haben die beiden am Mittwochnachmittag rund 60 Gäste bei der BZ-Ferienaktion in ihrem Laden "Fairjeans" informiert.

In herkömmlichen Jeans stecken Farbstoffe und Weichmacher

Das kann’s ja wohl nicht sein, finden Miriam Henninger und Walter Blauth: An den Folgen der Produktion von 25 Millionen Tonnen chemisch belasteter Baumwolle sterben laut der Weltgesundheitsorganisation WHO jährlich 10 000 Menschen, die in diesem Bereich arbeiten. Die Produktion verbraucht 300 Billionen Liter Wasser – das ist vier Mal so viel wie der Wasserbedarf von allen Menschen auf der Welt. Neben den Arbeiterinnen und Arbeitern in der Baumwollproduktion, die am meisten geschädigt werden, kommen auch Jeansträger mit großen Mengen Giftstoffen in direkten Körperkontakt: In bis zu 25 Prozent des Stoffgewichts einer Jeans stecken Farbstoffe, Weichmacher und andere fragwürdige Stoffe, erzählt Walter Blauth.

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Er steht im"Fairjeans"-Laden, den er im vergangenen November mit der Mode-Produktentwicklerin Miriam Henniger gegründet hat. So voll war’s hier noch nie: Auf den nur 25 Quadratmetern Ladenfläche in der Vaubanallee sitzen und stehen überall Gäste der BZ – auf Stühlen, auf dem Fußboden, an die Wand gelehnt. Für Miriam Henninger und Walter Blauth ist das prima. Sie wollen bekannter werden. Sie verkaufen auch online, das macht derzeit die Hälfte des Umsatzes aus. Geplant sei, bundesweit Flyer auszulegen, unter anderem in Weltläden, sagt Walter Blauth. Bei den BZ-Gästen sind Frauen in der Mehrheit, bisher gibt’s bei "Fairjeans" allerdings nur ein Männermodell. Das war für den Einstieg einfacher, weil es leichter war, ein Modell zu finden, das vielen Männern passt. "Frauenfiguren unterscheiden sich stärker", erklärt Miriam Henninger. Es sind Frauenmodelle geplant. Auch bei den Farben wäre mehr Auswahl denkbar – immerhin gibt’s bereits drei blaue Varianten: Dunkelblau, Businessblau, Mittelblau.

Produktion in Europa sorgt für Überschaubarkeit

Am nachhaltigsten und günstigsten herzustellen ist die dunkelblaue Jeans. In Mittelblau und Businessblau ist der Aufwand für die Hosen größer. Die "Fairjeans" werden mechanisch aufgehellt, durch Schmirgeln. Klar sei, dass Chemikalien, die im Verdacht stehen, Krebs und andere Krankheiten zu fördern, ausgeschlossen seien, sagt Walter Blauth.

Um das und faire Arbeitsbedingungen garantieren zu können, werden die "Fairjeans" nicht irgendwo in Bangladesh oder Indien hergestellt, sondern ausschließlich in Europa. So wird alles überschaubarer. Die Baumwolle stammt aus der Türkei, produziert wird vor allem in Polen, Walter Blauths altem Heimatland.

Weil er und Miriam Henninger nicht die gesamte, lange Lieferkette vom Anbau der Baumwolle über die Fertigung bis zum Transport kontrollieren können, setzen sie auf ein Siegel: Der "Globale Organic Textile Standard" (GOTS) verspricht unter anderem, dass zumindest 70 Prozent der Fasern Bio-Ware sein müssen – die in Freiburg verkauften "Fairjeans" bestehen aus 98 Prozent Bio-Baumwolle und zwei Prozent Elastan. Außerdem werde weniger Wasser verbraucht, die Arbeitsbedingungen seien sicher, Kinderarbeit ausgeschlossen, sagt Walter Blauth. Die Gäste stellen viele Fragen. "Was wäre, wenn statt in Polen in Deutschland produziert würde?" will eine Zuhörerin wissen. Dann müssten die Kunden wegen der größeren Arbeitskosten höhere Preise zahlen: Statt jetzt 99 Euro für die dunkelblaue und 119 Euro für die beiden anderen Jeans wären zwischen 160 und 180 Euro fällig, schätzt Walter Blauth.

Viele hier achten schon lange beim Kleidungskauf auf die Hintergründe. So wie Elisabeth Kownatzki, die sich über die neue Alternative freut. "Ich trage oft Jeans", sagt sie. Bisher bestellt sie ihre Kleidung meist, vor Ort gibt’s wenig Auswahl. Helmut Rombach hat bisher nur konventionell hergestellte Kleidung gekauft. Jetzt hält er eine Bio-Jeans in der Hand und findet: " Die Hosen sind viel weicher als andere." Das gefällt ihm.

Für Inge Pieske ist das alles nichts Neues. Bis vor einem Jahr war sie Textil-Lehrerin und hat ihre Schüler gründlich über die Bedingungen in der Kleidungsherstellung aufgeklärt. Ähnliches plant der Lehrer Jörg Beckert, der Wirtschaft an einer kaufmännischen Schule in Müllheim unterrichtet: Er will mit Walter Blauth und MiriamHenninger zusammenarbeiten. Walter Blauth stimmt sofort zu.

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Autor: Anja Bochtler