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03. Dezember 2014 09:49 Uhr

Leute in der Stadt

Carsten Witte gründet eine Krebs-Selbsthilfegruppe für junge Erwachsene

"Kann mein Arm dranbleiben?", hat Carsten Witte seinen Arzt gefragt. "Wenn es bösartig ist, können Sie sich von ihrem Arm verabschieden", lautete die Antwort. Diesen Dialog vor dreieinhalb Jahren wird er nie vergessen.

  1. Tatendrang und neue Pläne: Carsten Witte Foto: Thomas Kunz

Plötzlich musste der damals 24-Jährige mit der Diagnose Osteosarkom klarkommen – die bösartige Form eines Knochentumors. Das hat seine Lebensziele verändert. Er will eine Selbsthilfegruppe aufbauen und andere Erkrankte unterstützen.

Trotz des Schocks der Diagnose ging es für den Zeitsoldaten zunächst einmal zurück zum Dienst in der Kaserne in Müllheim. Anschließend begann für ihn der Behandlungsmarathon: Chemotherapie, Kontrolluntersuchungen und Arztgespräche. "Mit allen Nebenwirkungen", sagt Witte und meint damit die Schmerzen, die Übelkeit und die Angst, wie es weitergeht.

Er hat sich selbst in der Folgezeit mit Forschungen, Studien und Behandlungsformen für seine Krankheit befasst und versucht, den Heilungsprozess mitzubestimmen, obwohl er, wie er es ausdrückt "rund um die Uhr mit Emotionen" befasst war. Im Herbst 2011 gelang es einem Professor aus Münster, den er nach langer Recherche mit Hilfe der Freiburger Klinik für Tumorbiologie gefunden hatte, den Tumor zu entfernen. "Yes", rief er mit noch schwacher Stimme in den Aufwachraum, als er sah, dass sein Arm noch an Ort und Stelle war.

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War nun alles wieder in Ordnung? Das Bangen ging und geht weiter. Er hat eine Partnerin, einen Freundeskreis und auch der Arbeitgeber unterstützte ihn beim Wiedereinstieg. "Aber manches muss man eben auch ganz mit sich ausmachen", sagt Witte.

Yes – der Arm war nach

der Operation noch da

Um sein seelisches Gleichgewicht zu erhalten, wandte er Entspannungstechniken an und meditierte. Das war nicht neu für ihn, aber nun war es existenziell. Und so sind mit der Zeit zwei Ideen in ihm gereift: Er möchte sich zum Gesundheitspädagogen ausbilden lassen und holt dafür das Abitur nach. Und er will eine Selbsthilfegruppe ins Leben rufen, in der sich junge Erwachsene, die an Krebs erkrankt sind, miteinander austauschen und stärken können.

Witte sieht sich nicht als Leiter dieser Gruppe, sondern als einer, der von seiner Geschichte spricht und andere ermutigt, selbstbestimmt Entscheidungen zu treffen im Kampf gegen die Krankheit. Betroffene stehen nicht nur vor medizinischen Entscheidungen. Auch der berufliche und private Weg muss überdacht und gemeinsam mit anderen gestaltet werden.

Witte setzt bei der Selbsthilfeidee auf die persönliche Begegnung. "Wie toll wäre es, wenn wir bald zu zehnt wären," malt er sich die Gruppensituation aus und freut sich, dass er dafür die Räume des Selbsthilfebüros am Schwabentorring 2 nutzen kann. Eine junge Frau hat sich auf die Ankündigung der Selbsthilfegruppe bereits gemeldet. Nun hofft Witte, dass noch weitere dazu kommen. Ob jemand in der Erstbehandlungsphase ist oder bereits in der Nachsorge, ist unerheblich. Jeder, der jung ist und Krebs hat, davon ist Witte überzeugt, kann Unterstützung brauchen. Und auch welche geben. Und die wichtigste Botschaft ist vielleicht: "Du bist nicht allein."

Kontakt: jungundkrebs@gmail.com oder über das Selbsthilfebüro unter Tel. 0761/21687-35

Autor: Annette Aly