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27. Oktober 2009 17:36 Uhr
Interview
Containern-Bewegung und Tafelläden – Geschwister im Geiste?
Wer in Freiburg weniger als 750 Euro im Monat zum Leben hat, kann Lebensmittel auch im Freiburger Tafelladen kaufen – für zehn bis zwanzig Prozent des Originalpreises. Wie sehen die Verantwortlichen die Idee des Containerns?
Friederike Reussner hat sich mit Fritz Kaiser, dem Vorsitzenden der Freiburger Tafel, unterhalten.
BZ: Herr Kaiser, es gibt in Freiburg junge Leuten, die nach Ladenschluss aus Supermarktcontainern die weggeworfenen Lebensmittel holen, um gegen die Überflussgesellschaft zu protestieren. Nehmen die der Tafel das Essen weg?Fritz Kaiser: Nein. Wir kriegen ja von den Supermärkten das Essen, das eigentlich noch gut ist, bei dem aber zum Beispiel das Haltbarkeitsdatum abläuft. Die Sachen werden für uns extra gelagert und gesammelt. Wenn sich also Leute aus den Containern bedienen, wird uns nichts weggenommen. Und die Idee dieser Leute ist der Gründungsidee der Tafelläden eigentlich ähnlich: Wir wollen alle nicht, dass Nahrungsmittel sinnlos weggeworfen werden.
BZ: Können sich die Kunden des Tafelladens denn komplett mit Essen bei ihnen versorgen?
Kaiser: Wir können natürlich nicht immer alles anbieten, denn wir können ja nur das verkaufen, was wir von den Supermärkten kriegen. Von manchen Lebensmittel haben wir sehr viel, zum Beispiel Brot, und von anderen haben wir fast nichts. Bei Zucker und Mehl etwa läuft die Haltbarkeit sehr lange nicht ab, da haben wir fast nie was da. Allgemein soll jeder, der kommt, bei uns etwas kaufen können. Dafür halten wir Lebensmittel, die nicht so schnell ablaufen, auch manchmal zurück.
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Kaiser: Das geben wir weiter an andere soziale Einrichtungen wie die Pflasterstub’. Da wir hier viele Supermärkte haben und manchmal zu viel Essen bekommen, verteilen wir überschüssige Nahrungsmittel an andere Tafeln im Umland.
BZ: Macht sich die Wirtschaftskrise auch beim Tafelladen bemerkbar?
Kaiser: Man merkt schon, dass die Läden jetzt wegen der Krise enger ordern, aber große Probleme hatten wir noch nicht. Allerdings könnte es schon passieren, dass unsere Kundenzahlen in den nächsten Monaten wegen höherer Arbeitslosigkeit steigen.
Autor: frß
