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09. März 2010
"Da werden alte Rollenmuster zementiert"
DREI FRAGEN AN die Sozialforscherin Bettina Hieming dazu, was fünf Jahre Hartz-IV-Gesetze aus Frauensicht gebracht haben.
Die städtische Kontaktstelle "Frau und Beruf" hat die Wissenschaftlerin Bettina Hieming zu einem Vortrag nach Freiburg eingeladen. Die 34-Jährige arbeitet am Institut für Arbeit und Qualifikation in Duisburg und hat dort drei Jahre lang im Rahmen des Forschungsprojekts "Bewertung der SGB-II-Umsetzung aus gleichstellungspolitischer Sicht" die Auswirkungen der Hartz-IV-Gesetzesreformen für Frauen untersucht. BZ-Mitarbeiter Holger Schindler hat mit ihr darüber gesprochen.
BZ: Das SGB II, also das Sozialgesetzbuch II, das die zentralen Bestimmungen der Hartz-IV-Reformen enthält, gilt unterschiedslos für Männer und Frauen. Wie kann es da sein, dass eins der Geschlechter davon anders betroffen sein soll?Bettina Hieming: Der Gesetzestext selbst diskriminiert nicht. Das SGB II will sogar ausdrücklich geschlechtsspezifischen Nachteilen entgegenwirken. Doch in der Praxis kommt es doch oft zu Ungleichbehandlungen, denn die Leistungsbezieher sollen auch möglichst rasch wieder in Arbeit gebracht werden. Und da konzentriert man sich bei den Aktivierungsbemühungen nicht wie vorgesehen auf beide gleichermaßen, sondern häufig auf die Männer in der Familie. Die sind meist leichter in Arbeit zu bringen, während den Frauen die Kinderbetreuung zufällt. Die Frauenförderquote wird systematisch unterschritten. Frauen bleiben im Schnitt länger im Leistungsbezug.
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BZ: Aber wenn nun eine Familie keine Unterstützung durch die Allgemeinheit mehr braucht, weil der Mann wieder einen Job hat, ist das doch nichts Schlechtes. Gilt hier nicht: Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach?
Hieming: Nein, denn Frauen erhalten so weniger Unterstützung, um selbst am Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Zudem ist es vielfach auch so, dass ein Job nicht wirklich ausreicht, die Familie zu ernähren. Am Ende landen die Frauen regelmäßig in einem 400-Euro-Job. So werden alte Rollenmuster zementiert. Gleichstellung hat in der Realität der Jobcenter ganz klar eine untergeordnete Bedeutung.
BZ: Sie hatten die letzten drei Jahre durch Ihr Forschungsprojekt viel mit arbeitslosen Frauen zu tun. Haben Sie selbst schon einmal Arbeitslosengeld bezogen?
Hieming: Nein, bisher nicht. Das war zum Glück nicht notwendig.
Autor: hos
