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24. Februar 2009

Dabei sein ist längst nicht mehr alles

Die Computermesse Cebit verliert auch bei Freiburger IT-Firmen an Anziehungskraft – doch noch ist die Region dort gut vertreten

  1. Der Lexware-Firmensitz im Freiburger Gewerbegebiet Haid: Hier verfolgt man genau, wohin die Messe Cebit sich entwickelt. Foto: Rita Eggstein

Genau in einer Woche beginnt in Hannover die Cebit, die weltgrößte Computermesse. Knapp zwei Dutzend der 4300 dort insgesamt vertretenen Aussteller kommen aus der Region Freiburg. Für die hiesigen Firmen der Informationstechnik-Branche (IT) steht das Engagement in Hannover allerdings zunehmend unter einem klaren Vorbehalt: Es sollte sich direkt in Euro und Cent auszahlen. Cebit-Skepsis ist ein genereller Trend: Auf der Messe sind gut 1500 oder ein starkes Viertel weniger Firmen vertreten als 2008.

Schon das dritte Jahr in Folge gar nicht mehr auf der Cebit dabei ist das Freiburger Softwareunternehmen HR-Works in der Basler Landstraße 8. Thomas Holzer, Geschäftsführer der 1996 gegründeten Firma mit derzeit zwölf Beschäftigten, spricht deutlich aus, warum dies so ist: "Die Cebit hat sich für uns einfach nicht mehr gerechnet." Den Cebit-Kosten von rund 20 000 Euro seien zuletzt zu wenige zusätzliche Umsätze durch den Messeauftritt entgegengestanden. "Wir gehen nach wie vor auf Messen, aber nur auf solche, wo genau unsere Zielgruppe vertreten ist, etwa auf die ,Zukunft Personal‘ in München", so Holzer. HR-Works stellt Software für die effiziente Steuerung von Personalprozessen her, etwa zur Reisekostenabrechnung oder zur Urlaubsverwaltung. Holzer: "Die Zeiten von Protz- und Gießkannen-Messen wie der Cebit sind meiner Ansicht nach vorbei."

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Mit zu den bekanntesten Cebit-Ausstellern aus Freiburg zählt die Softwareschmiede Lexware. Das Unternehmen mit Sitz in der Jechtinger Straße 8 auf der Haid beschäftigt 260 Mitarbeiter. Der 1989 gegründete Betrieb, der seit 1993 zur Haufe-Mediengruppe gehört, produziert kaufmännische Software für Selbstständige und kleine und mittlere Unternehmen sowie Finanzsoftware für den Privatgebrauch – etwa den Finanzmanager Quicken und die Steuerprogramme Taxman und Quicksteuer.

"Wir sind jedes Jahr auf der Cebit vertreten", sagt Lexware-Marketing-Manager Marcel Theijs. Die Messe in Hannover sei immer noch der wichtigste Anlass der Branche. "Es stand nicht zur Debatte, dieses Jahr nicht hinzufahren", so Theijs, angesprochen auf den Ausstellerrückgang. Lexware ist sogar gleich doppelt vor Ort: zum einen in Halle 5, Stand A 48, mit einem 150 Quadratmeter großen Stand, wo sich auch die Schwesterunternehmen Haufe- und WRS-Verlag zeigen, zum anderen in Halle 4, Stand A 26, im Rahmen des dortigen Microsoft-Auftritts.

Man behalte allerdings die weitere Entwicklung der Messe genau im Auge. Eine Teilnahmegarantie seines Unternehmens für alle Zeiten könne es auch bei der Cebit nicht geben.

Gemeinschaftsstände halten Kosten im Rahmen
Ein Cebit-Rückkehrer ist das Freiburger Softwarehaus "3pleP", Am Predigertor 1, das nach mehreren Jahren Abstinenz heuer wieder in Hannover vertreten sein wird (Halle 5, Stand D 23). Der Spezialist für Projektsteuerungssoftware (etwa für Bauplanungsunternehmen und Ingenieurbüros) kooperiert dabei mit dem skandinavischen Softwareanbieter Agresso. "So können wir die Kosten im Rahmen halten", erläutert "3pleP"-Geschäftsführer Rainer Trendelenburg.

Doch selbst unter diesen Umständen – und nur ein bis zwei Mitarbeitern auf der Messe – rechnet Trendelenburg mit Cebit-Ausgaben von rund 20 000 Euro. "Wir sind aber sehr zuversichtlich, dass sich das für uns lohnt", so der "3pleP"-Manager. Sein Unternehmen habe 2008 den Umsatz um rund 80 Prozent auf 1,7 Millionen Euro und die Mitarbeiterzahl um gut ein Drittel auf nun 20 steigern können. Auch im laufenden Jahr sei die Auftragslage sehr gut. "Außerdem haben wir die Cebit intensiv vorbereitet und viele Kundenkontakte vereinbart."

Auch der Kirchzartener Anbieter von Dokumenten-Management-Systemen "IP Systeme" (30 Mitarbeiter), der vor allem Genossenschaftsbanken und Sparkassen zu seinen Kunden zählt, präsentiert sich an einem Gemeinschaftsstand – mit zwei Firmen der Furtwangener Unternehmensgruppe Reiner, zu welcher der Betrieb gehört (Halle 17, Stand D11). "Wenn wir diese Möglichkeit nicht hätten, wären wir nicht mehr auf der Cebit. Viele unserer Kunden aus Süddeutschland fahren auch nicht mehr hin. Die Messe hat sich verändert", sagt Georg Zipfel, Geschäftsführer von "IP Systeme".

Autor: Holger Schindler