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18. August 2011

Damit der Job nicht krank macht

Auch immer mehr kleine und mittlere Unternehmen im Raum Freiburg tun bewusst etwas für die Gesundheit ihrer Leute.

  1. Mit Kollegen laufen: Beim Versicherungsmakler Südvers haben sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Sportgruppen zusammengetan – der Arbeitgeber freut sich mit. Foto: Ingo Schneider

Auf mehreren Bildschirmen über dem Schreibtisch leuchten Bilder, Grafiken und Datenreihen. Davor sitzt Matthias Link und streckt den Rücken. Mit seiner Zwei-Personen-Firma "Digitale Archäologie" ist der Spezialist für 3-D-Visualisierungen auf Wachstumskurs. Das bedeutet viel Arbeit – oft bis spät in die Nacht. Dass ein solcher Arbeitsstil nicht eben förderlich für die Gesundheit ist, weiß er. "Es würde ja schon reichen, alle paar Stunden eine Runde spazieren zu gehen", sagt Link, aber das sei in der Praxis schwer umzusetzen.

Die Einsicht, dass man auch am Arbeitsplatz etwas die Gesundheit nicht vergessen darf, bricht sich Bahn. In Freiburg investieren mehr und mehr Unternehmen in das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter. "Wir wollen als Arbeitgeber attraktiv sein", sagt Jutta Kraft, Personalleiterin bei der Versicherungsmakler Südvers in Au, "ein gutes Gehalt und eine interessante Tätigkeit reichen da heute nicht mehr aus." Das Unternehmen hat nun eine umfassende Gesundheitsinitiative gestartet.

Zum Auftakt fand ein groß angelegter Gesundheitstag statt – in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsdienstleister Reha Süd. In verschiedenen Räumen konnten die 100 Mitarbeiter am Standort während ihrer Arbeitszeit Pilates oder Rückengymnastik ausprobieren und es gab kleine Vorträge, zum Beispiel zum Thema Entspannung am Arbeitsplatz. An einer Probiertheke wurden gesunde Obst- und Gemüsesäfte ausgeschenkt.

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Auch das Reden während des Sports tut gut

Südvers-Hausmeister Gerold Riesterer fand besonders den Kochkurs mit der ausgebildeten Ernährungsberaterin klasse. "Wir haben dort ein Powerfrühstück zubereitet, das war richtig gut", erzählt er. Der begeisterte Radfahrer hat im Betrieb eine Radgruppe auf die Beine gestellt. "Wir fahren einmal pro Woche 45 Kilometer Mountainbike", sagt Riesterer. Immerhin ein Dutzend Kollegen seien regelmäßig dabei. Auch eine Laufgruppe hat sich gebildet. "Es ist gut, dass man während des Sports auch mal mit Kollegen redet, mit denen man im Arbeitsalltag nicht so viel zu tun hat", sagt Frank-Michael Geißler, Versicherungskaufmann im Unternehmen und führender Kopf in der Laufgruppe. Auch dieser informelle Austausch trage zum Wohlbefinden bei.

"Man darf die Gesundheitsförderung in Unternehmen nicht auf reine Sportmaßnahmen reduzieren", davon ist auch Peter Bolanz, Koordinator für betriebliches Gesundheitsmanagement bei der Krankenkasse AOK in Freiburg, überzeugt. "Wir bemühen uns, die Gesundheitsförderung in den Unternehmen ganzheitlich anzugehen", sagt er. Entscheidend sei, dass die Mitarbeiter gerne zur Arbeit gehen, dass das Betriebsklima stimme. Dazu gehöre auch, dass die Führungskräfte die Bedürfnisse der Mitarbeiter erkennen. "Dafür brauchen die Unternehmen einen langfristigen Ansatz, denn Kommunikations- und Führungsstrukturen lassen sich nicht von heute auf morgen verändern", sagt Bolanz.

Aber auch im Kleinen sind Verbesserungen möglich. Einmal im Monat kommt Silvia Köninger in die Filiale der GLS-Bank in Freiburg an der Merzhauser Straße. Sie bietet einen mobilen Massageservice an. Kirsten Waschk, Mitarbeiterin bei der GLS-Bank, findet das ideal. "Unser Arbeitgeber zahlt uns einmal im Monat eine Gesundheitsmaßnahme", erzählt sie. Was das sein soll, entscheidet das Team selbst. Den Massageservice nehmen alle sechs Mitarbeiter in Anspruch. "Das ist sehr entspannend", sagt Waschk.

Die Masseurin selbst ist auch zufrieden mit der Entwicklung. "Ich mache gute Erfahrungen in den Unternehmen", sagt sie. Durch die Massage spürten die Menschen ihren Körper wieder stärker und könnten für einen Moment loslassen. "Danach haben wir dann wieder richtig Power für die Arbeit", ergänzt Kirsten Waschk. Mobile Massage wäre vielleicht auch was für Matthias Link von "Digitale Archäologie" – immerhin fährt er schon jetzt wenn möglich mit dem Fahrrad zu seinen Kunden.

BETRIEBLICHES GESUNDHEITSMANAGEMENT

Betriebliches Gesundheitsmanagement zielt auf die Gesundheitsförderung der Mitarbeiter ab – und rückt mehr und mehr in den Blick der Unternehmen. Hierbei spielt der demografische Wandel eine Rolle: Das Rentenalter steigt, die Mitarbeiter werden älter. Zudem werden durch den Fachkräftemangel erfahrene Mitarbeiter wertvoller. Es liegt somit im Interesse der Unternehmen, die Arbeitskraft lange zu erhalten. Seit 2008 können Unternehmen laut §3 Nr. 34 des Einkommensteuergesetzes 500 Euro pro Mitarbeiter und Jahr steuer- und sozialabgabenfrei für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter aufwenden, sofern die Maßnahmen bestimmten Leitlinien entsprechen. In Freiburg können sich Firmen bei den Krankenkassen dazu beraten lassen und passende Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Aber auch private Dienstleister entdecken den Markt. In Freiburg bietet zum Beispiel die Mooswaldklinik maßgeschneiderte Programme für betriebliches Gesundheitsmanagement an. Dazu gehören Gesundheitschecks, verschiedene Sportkurse, psychologische Beratung und Ernährungsberatung.  

Autor: pvö

Autor: Petra Völzing