Weltfrauentag

Darum wollen auch Feministinnen aus Freiburg am 8. März streiken

Julia Dagg

Von Julia Dagg

Mi, 23. Januar 2019 um 14:59 Uhr

Freiburg

Feministische Frauengruppen aus der ganzen Welt rufen für den Weltfrauentag zu einem internationalen Frauenstreik auf. Auch in Freiburg gibt es eine Gruppe, die Frauen zum Streik mobilisieren will.

Was werden wir am 8. März erleben?
Maryam Kohlgraf: An vielen Orten der Welt werden Frauen streiken, also ihre Tätigkeit niederlegen und nicht zur Arbeit, zur Uni oder zur Schule gehen. Wenn alle Frauen streiken, steht die ganze Welt still. Das soll sichtbar werden, denn die von vielen Frauen geleistete Arbeit ist für die Gesellschaft unverzichtbar – und wird trotzdem nicht genug geschätzt. Es wird kleinere Protestaktionen, Menschenketten oder Symbole wie Buttons geben, die auf unsere Forderungen aufmerksam machen.

Wie lauten denn Ihre Forderungen?
Kohlgraf: Wir fordern mehr Gleichberechtigung. Es gibt zwar theoretische Gleichberechtigung im Grundgesetz, aber in der Realität werden immer noch viele Frauen und Minderheiten diskriminiert, besonders in der Arbeitswelt. Diese Missstände wollen wir thematisieren: In Freiburg zum Beispiel liegt der durchschnittliche Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen bei 14 Prozent. Aber die Lohnungleichheit ist nicht das einzige Problem. Viel zu viele Menschen arbeiten in prekären Arbeitsverhältnissen, in der Pflege beispielsweise. Dagegen wollen wir uns wehren, damit diese Berufe mehr wertgeschätzt werden. Genauso wie die nicht entlohnte Arbeit: Kindererziehung oder die Arbeit im Haushalt. Für viele Frauen hört die Arbeit nicht auf, wenn sie ihren Arbeitsplatz verlassen. Dafür möchten wir das Bewusstsein schärfen und uns solidarisch zeigen. Am 8. März und darüber hinaus.

Wie ist die Streikbewegung nach Deutschland und konkret nach Freiburg gekommen?

Kohlgraf: Der letzte große Frauenstreik in Deutschland fand 1994 statt. Inspiriert wurde die heutige Bewegung aber vor allem von dem erfolgreichen Streik in Spanien letztes Frühjahr: Fünf Millionen Frauen nahmen teil und arbeiteten einen Tag lang nicht. Seit Oktober kommt unsere Gruppe in Freiburg regelmäßig zusammen und wir planen hier gemeinsam den Streik. Insgesamt funktioniert die Organisation weitestgehend dezentral, es gibt aber eine gemeinsame Internetseite und den im Konsens abgestimmten Aufruf. In Telefonkonferenzen tauschen wir uns mit anderen Ortsgruppen aus.
Maryam Kohlgraf, 21, studiert Politikwissenschaften und Kulturanthropologie in Freiburg.

Die Gruppe Feministischer Frauenstreik, trifft sich alle zwei Wochen. Termine auf tacker.fr. Per Mail beantwortet die Gruppe Fragen und nimmt Vorschläge entgegen: fstreik-freiburg@riseup.net.