Kommentar

Das Kultusministerium hat den "Schule ohne Noten"-Versuch vermasselt

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Mi, 08. November 2017

Freiburg

Es sieht so aus, als ob die Chance verplempert wurde, wichtige Erkenntnisse in einem emotionalen Streitpunkt zu gewinnen.

Von Paul Hindemith heißt es, er habe das klassische Konzertpublikum schockiert und provoziert. So gesehen ist er ein passender Namensgeber für die Grundschule in Mooswald. Seit mehr als einem Jahrzehnt beschreitet sie neue pädagogische Wege. Nach Einschätzung der Schulleitung mit Erfolg. Gemeinsam mit neun weiteren Modellschulen hat sie seit 2013 ganz auf Notengebung verzichtet. Der Versuch sollte Hinweise geben, ob sich eine andere Art, die Schulleistung zu bewerten, positiv auf Motivation und Lernerfolg auswirkt. Nun kommt heraus: Das Kultusministerium hat’s vermasselt. Aus unerklärlichen Gründen blieb die wissenschaftliche Begleitung aus. Die war ausdrücklich im Versuchserlass vorgesehen. Die CDU-Ministerin gibt ihrem SPD-Vorgänger die Schuld und denkt nicht dran, den Fehler auszubügeln. Denn nun braucht es keine Korrektur der konservativen Bildungspolitik, wonach eine Schule ohne Noten nicht viel taugt. Es sieht so aus, als ob die Chance verplempert wurde, wichtige Erkenntnisse in einem emotionalen Streitpunkt zu gewinnen. Ob Zensuren nutzen oder hemmen, bleibt also eine Glaubensfrage. Gute Noten hat sich das Kultusministerium jedenfalls nicht verdient.