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22. Oktober 2010
Das Palliativnetz für mehr Lebensqualität ist geknüpft
Mit seiner Hilfe können unheilbar kranke Menschen ihren Anspruch auf eine spezialisierte ambulante Palliativ-Versorgung einlösen.
Unheilbar kranken Menschen mit einer begrenzten Lebenserwartung die Schmerzen zu lindern und ihre Lebensqualität zu verbessern – dafür wurde das Palliativnetz Freiburg geknüpft, das nun mit seiner Arbeit beginnt. Denn, erklärt der Palliativmediziner und Schmerztherapeut Martin Ehmer: "Dass operativ und heilend nichts mehr geht, heißt nicht, dass man nichts mehr macht."
Es sind sozusagen mehrere Fäden, die zum Freiburger Netz für die Region verknüpft wurden. Da ist zuerst der Wunsch vieler schwerst kranker Menschen, die nur noch kurze Zeit zu leben haben, zu Hause zu sterben (zur Zeit gerade mal 30 Prozent). Zweitens gibt es seit 2007 einen gesetzlichen Anspruch von Versicherten auf eine spezialisierte ambulante Palliativ-Versorgung (SAPV). Um beides zusammenzubringen, haben während der vergangenen fast vier Jahre niedergelassene Palliativmediziner, kirchliche und private Pflegedienste sowie Kliniken in einem beispiellosen Miteinander einen "Freiburger Weg" gebahnt. Ergebnis des Zusammenschlusses ist die gemeinnützige GmbH Palliativnetz Freiburg, die mittlerweile Versorgungsverträge mit den gesetzlichen Krankenkassen abgeschlossen hat und jetzt rund um die Uhr ein Palliativ-Care-Team bereit hält, zunächst mit drei Arztstellen, sieben Pflegekräften, einem Koordinator und einer Sekretärin.
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Dieses Team wird tätig, sobald ein Hausarzt die SAPV verordnet. Es berät Kranke, ihre Angehörigen und Ärzte. Es koordiniert die Hilfe. Und es übernimmt selbst die schmerzlindernde Versorgung (das meint das englische Palliativ Care) zu Hause, aber auch im Pflegeheim. "Das Netz ergänzt die Pflege und unterstützt den Hausarzt", sagt Johannes Sackmann von der Evangelischen Sozialstation. Und, fügt Antje Kössl von der Sozialstation Dreisam hinzu: "Es kann auch sein, dass wir nur mal eine Woche lang kommen und dann ein Pflegedienst die normale Palliativversorgung weitermacht."
Die spezialisierte ambulante Palliativ-Versorgung ist nämlich an bestimmte Voraussetzungen gebunden. So muss eine Krankheit unheilbar sein, weit fortgeschritten, mit ausgeprägten Schmerzen, schwerer Atemnot oder Panik-Attacken einhergehen. Und auch das Ziel der SAPV ist klar benannt: Sie soll Lebensqualität und Selbstbestimmung der bald sterbenden Menschen in deren Zuhause erhalten, fördern oder verbessern und Leiden lindern. Damit soll nicht zuletzt auch eine Einweisung ins Krankenhaus auf den Tod hin überflüssig werden.
Zu den acht Gesellschaftern der gemeinnützigen GmbH gehören unter anderem ambulante Pflegedienste, die kirchlichen Sozialstationen, die Klinik für Tumorbiologie und die Praxisklinik Zähringen. Die Universitätsklinik ist kein Gründungsmitglied, obwohl deren Brückenpflege, Palliativstation und Tumorzentrum den "Freiburger Weg" engagiert mitgebahnt haben. "Aber wir sind uns einig", sagt Johannes Sackmann, "die Uniklinik mit einzubinden, auch als Gesellschafterin." Fürs Erste hat das Palliativnetz nun ohne sie seine Arbeit begonnen. Die für den Freiburger Arzt und Geriater Hans-Werner Lüdke einer der seltenen Fälle ist, "wo der ethische und der wirtschaftliche Ansatz zusammengehen".
Autor: Gerhard M. Kirk
