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18. Januar 2010

Das Prinzip der freien Schulen: aus wenig viel zu machen

BZ-INTERVIEW mit Hubert Schwizler, Lehrer an der Wiehremer Waldorfschule, zu der Großdemonstration der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen morgen in Stuttgart.

  1. Hubert Schwizler Foto: i.Schneider

Morgen protestiert die Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen bei einer großen Kundgebung in Stuttgart gegen sinkende Landeszuschüsse für Privatschulen. Mit dabei: Die Freiburger Waldorfschulen. Die Waldorfschule in der Wiehre lässt dafür sogar den Unterricht ausfallen. BZ-Mitarbeiterin Anita Rüffer befragte dazu Lehrer Hubert Schwizler.

BZ: Es hat in den vergangenen Jahren Neugründungen privater Schulen in Freiburg gegeben. Wie erklären Sie sich das, wenn es den Privatschulen angeblich so schlecht geht?
Hubert Schwizler: Das zeigt doch, dass das Bedürfnis in der Bevölkerung nach einer freien Schulwahl ebenso wächst wie die Unzufriedenheit mit dem staatlichen Schulsystem.
BZ: Wird in Privatschulen nicht ein Extrasüppchen für die Kinder reicher Eltern gekocht? Warum sollen die Steuerzahler dafür noch tiefer in die Tasche greifen?
Schwizler: Es handelt sich hier um Schulen in freier Trägerschaft, nicht um Privatschulen im englischen Sinn, die nur Kinder reicher Eltern aufnehmen. Eine solche Selektion verbietet das Grundgesetz, das ansonsten das Recht auf Schulen in freier Trägerschaft ausdrücklich einräumt. Damit alle Eltern die freie Wahl haben, ihr Kind in eine freie Schule zu schicken, ist der Staat aber auch verpflichtet, für eine Finanzierung zu sorgen. Dafür wollen wir morgen kämpfen.

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BZ: Aus welchen sozialen Verhältnissen kommen denn die Kinder Ihrer Schule?
Schwizler: Unter den 36 Schülerinnen und Schülern meiner sechsten Klasse sind sowohl Kinder gut situierter Uniprofessoren als auch von allein erziehenden Hartz-IV-Empfängerinnen. Um unseren Haushalt zu decken, müssten wir pro Kind und Monat ein Schulgeld von 135 Euro erheben, was eigentlich grundgesetzwidrig ist. Denn ein Großteil der Eltern kann das nicht leisten. Die es können, zahlen deshalb freiwillig mehr. Ein Sozialfonds ermöglicht armen Schülern einen beitragsfreien Schulbesuch.
BZ: Sie beklagen die rückläufigen Landeszuschüsse für Privatschulen. Welche Auswirkungen hat das an Ihrer Schule?
Schwizler: Manche Eltern wenden sich erst gar nicht mehr an uns, weil sie vom monatlichen Schulgeld abgeschreckt sind. Einige melden ihre Kinder sogar wieder ab. Unsere Anmeldezahlen sind von 150 in früheren Jahren auf heute etwa 70 gesunken, von denen wir aber ohnehin nur die Hälfte aufnehmen können.
BZ: Finden Sie denn genügend Lehrer?
Schwizler: Weil sie an Waldorfschulen mit 2500 Euro brutto viel weniger verdienen als an staatlichen Schulen, wo es in der untersten Besoldungsstufe schon 3250 Euro gibt, wandern Lehrer ab oder bewerben sich gar nicht. Die bleiben, sind oft zu Nebentätigkeiten gezwungen.
BZ: Profitieren denn die Privatschulen von der Bildungsoffensive des Landes?
Schwizler: Überhaupt nicht, obwohl wir die gleiche Schülerklientel haben. Wir würden uns wünschen, dass auch wir mehr Geld bekommen für naturwissenschaftliche Fachräume.
BZ: Das hört sich ja so an, als ob man den Eltern doch eher eine staatliche Schule für ihre Kinder empfehlen sollte.
Schwizler: Aufgrund des Engagements aller gelingt es uns, aus wenig viel zu machen. Unsere Caféteria etwa funktioniert nur, weil die Eltern täglich mithelfen.

Autor: arü