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21. Januar 2015 12:07 Uhr

Vor dem Bürgerentscheid um ein neues SC-Stadion

Das sagen die Stadion-Befürworter

Am 1. Februar können alle Freiburgerinnen und Freiburger darüber abstimmen, ob sie für oder gegen den Bau eines neuen Stadions für den SC Freiburg am Wolfswinkel sind. Wir haben Stadion-Befürworter nach ihren Gründen gefragt.

  1. Sagen „Ja“ zum neuen Stadion: Bruno Grasy, Stefanie von Mertens und Hendrik Heutmann. Foto: Rita Eggstein, Ingo Schneider, Thomas Kunz

  2. Sagen „Ja“ zum neuen Stadion: Berndt Tausch, Anke Dallmann und Franz-Karl Opitz. Foto: Thomas Kunz

"Rollstuhlfahrer stehen im Regen"

Bruno Grasy, 15, Gymnasiast:
Ich stehe bei jedem Heimspiel des SC auf der Nordtribüne und bin auch ab und zu auswärts dabei; in der U13 habe ich selbst beim SC gespielt, jetzt spiele ich bei Post-Jahn. An einem neuen Stadion führt kein Weg dran vorbei; der Wolfswinkel ist die perfekte Lage. Das alte Stadion reicht einfach nicht mehr aus. Auf Nord sehen wir zwar noch ganz gut, aber die Gästefans auf Süd, das höre ich immer wieder, sehen ganz schlecht aufs Spielfeld; die Rollstuhlfahrer stehen im Regen, und wir haben zu wenige Eingänge und müssen oft lange anstehen. Wenn nicht jetzt was passiert, geht die Diskussion in zwei Jahren wieder los. Deshalb engagiere ich mich in der Initiative "Stadion in Freiburg". Am Beispiel von Mainz – auch wenn das nicht gerade mein Lieblingsstadion ist, es liegt irgendwo zwischen Maisfeldern – sieht man, wie wichtig ein neues Stadion ist, der Verein profitiert wirtschaftlich enorm.

"Wir müssen mit der Zeit gehen"

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Stefanie von Mertens, 46, pädagogische Leiterin der Fußballschule:
Bundesliga-Fußball, ein neues Stadion und die Fußballschule mit dem Internat, das ist alles eng miteinander verzahnt. Die Fußballschule ist vom Gelingen des Vereins abhängig: Mit einem neuen Stadion verbessert sich die Einnahmensituation des SC und damit auch die Situation der Fußballschule, die vom Verein, vom Förderverein und von der Achim-Stocker-Stiftung lebt. Nicht nur die Profis, auch wir in der Fußballschule merken, dass wir bei der Infrastruktur mit der Zeit gehen müssen. Mit unseren Mitteln mitzuhalten und unsere Arbeit auf dem Niveau fortzusetzen – wir spielen auch mit der U 17 und U19 in der Bundesliga –, erfordert wahnsinnige Energie und Kraft. Wir müssen auch im Jugendbereich aufpassen, dass wir den Anschluss nicht verlieren. Es geht bei uns aber nicht nur um Eliteförderung – wir haben auch Projekte wie die Ball-AG an Grundschulen oder "Fußball und Lesen".

"Der SC verdient ein neues Stadion"

Hendrik Heutmann, 32, Schauspieler am Theater Freiburg
Obwohl ich Gelsenkirchener und Schalke-Fan bin, halte ich das Stadion von Borussia "Doofmund" – den Namen der Stadt kann ich nicht in den Mund nehmen – für das weltbeste Stadion, das hat noch den alten Charakter. Als ich 2009 nach Freiburg kam, wollte ich weiterhin Bundesliga-Fußball schauen, seitdem habe ich eine Dauerkarte auf Nord. Mir gefällt der SC – dass er auf eigene Zöglinge setzt, auch die Atmosphäre im Stadion; es ist urig, man ist nah dran am Spielfeld. Aber die Maße des Spielfelds stimmen nicht, es hat eine Steigung, die Behindertenplätze sind nicht gerade prickelnd, und es gibt Plätze mit Sichtbehinderung. Das alles muss besser werden, auch die Verkehrssituation. Der Verein hat ein größeres Stadion nicht nur verdient, sondern es steht ihm zu.

"Der Wolfswinkel wäre optimal"

Berndt Tausch, 57, Stiftung STEP, Geschäftsführender vorstand
Der SC braucht ein neues Stadion, um wettbewerbsfähig zu sein. Für mich ist das alte nicht mehr zeitgemäß, die Säulen sind im Weg, das Catering bietet wirklich keinen Komfort, die Verkehrssituation ist schwierig. Von der Lage her wäre der Wolfswinkel, auch was die Anbindung betrifft, der optimale Standort. Als Dauerkarteninhaber und langjähriger SC-Fan würde ich mir wünschen, dass wir ein modernes und innovatives Stadion, ein architektonisches Schmuckkästchen, bekommen. So kann man die Attraktivität des Vereins gerade auch für junge Spieler erhöhen. Für den SC ist eine qualitativ hochwertige Jugendarbeit extrem wichtig, schließlich konkurriert er mit Vereinen wie dem VfB Stuttgart oder der TSG Hoffenheim gerade auch um junge Spieler.

"Das sind unhaltbare Zustände"

Anke Dallmann, 33, FW-Stadträtin und Betriebswirtin
Im Schwarzwaldstadion haben die Schwerbehindertenplätze auf der Südtribüne hinter dem Tor einen unangemessenen Standort, sie sind nicht einmal überdacht, so dass man dort bei Regen nass wird. Und ab und an kriegen die Rollstuhlfahrer, weil sie ganz vorne stehen, ein Bier von hinten übergeschüttet. Das sind unhaltbare Zustände. Zudem gibt es ein Vielfaches mehr an Anfragen als Plätze. Ich selbst bin als Rollstuhlfahrerin gerne bei meinen Stadtratskollegen auf der Haupttribüne, da muss ich mir immer von Ordnern helfen lassen; wobei ich davon profitiere, dass ich schrittweise gehen kann. Die Stufen sind für mich aber nicht einfach hochzusteigen, es gibt nicht einmal Geländer an den Treppen. Inzwischen hat die Deutsche Fußballliga Standards festgelegt: Rollstuhlplätze müssen regengeschützt und entsprechend breit für größere Rollstühle sein, und es muss Platz für Begleitpersonen geben.

"Für die Entwicklung ist ein Neubau unerlässlich"

Franz-Karl Opitz, 67, Lehrer im Ruhestand
Ich war seit 1978 bei jedem Heimspiel, das macht mehr als 630 Spiele. Ich bin dem Verein von den Amateuren bis zu den Profis eng verbunden. Ich möchte ihm für all die schönen Stunden, die ich mit ihm erlebt habe, etwas zurückgeben, deshalb engagiere ich mich in der Bürgerinitiative "Fairplay in Freiburg". Bei uns machen viele Lehrer und Schulleiter mit – uns wird unterstellt, wir würden die Bildungslandschaft gefährden, das ist doch Unsinn. Wir sehen überhaupt keinen Gegensatz zwischen einem neuen Stadion und der Bildungslandschaft in der Stadt. Für die Entwicklung des Vereins ist ein Neubau absolut unerlässlich, nur so kann die finanzielle Basis gelegt werden, um auch weiterhin Jugend-, Frauen- und Amateurfußball unterstützen zu können. Hinzu kommt: Der Verein kann die Nachfrage nach Tickets oft gar nicht befriedigen.

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Autor: Frank Zimmermann